Die Zeitabweichung Zehntausender Uhren in ganz Europa ist eingedämmt. Der Serbische Strom-Netzbetreiber Elektromreza Srbije (EMS) teilte in einem Schreiben, das dem SÜDKURIER vorliegt, mit, dass der Fehlgang der Geräte sich nicht mehr weiter vergrößere. "Das Problem ist seit 3. März beendet", hieß es von EMS.

Seit Mitte Januar waren am allgemeinen Stromnetz hängende Wecker, Zeitschaltuhren oder Steuerungen für Küchengeräte und Heizungen bis zu sechs Minuten nach gegangen. Grund war ein über Wochen andauernder Frequenzabfall im europäischen Stromnetz. Sinkt die Frequenz, gehen die Geräte aus technischen Gründen nach.

Nach Darstellung von EMS lag der Grund für die Systempanne im Stromnetz im Kosovo. Der dortige Stomnetzbetreiber KOSTT habe über Januar und Februar "fortwährend" Energie aus der übergeordneten Stromnetzregelzone abgeleitet. Dies habe in ganz Europa die Stromfrequenz aus dem Takt gebracht. KOSTT habe damit "internationale Normen und Standards" gebrochen. Von KOSTT war keine Stellungnahme erhältlich.

Serbien und der Kosovo streiten sich seit über einem Jahrzehnt über den politischen Status des Kosovo, der sich 2008 von Serbien unabhängig erklärte. Seither ist sein Status auch international umstritten. Die Kooperation in Energiefragen ist gering.

Kosten von mindestens 3,5 Millionen Euro

Auf die Verbraucher könnten jetzt Kosten zukommen. Auf Grundlage der im Januar und Februar dieses Jahres gültigen Strompreise muss man von Kosten von mindestens 3,5 Millionen Euro ausgehen“, sagte der Geschäftsführer der Energieberatungsgesellschaft Energy Brainpool, Tobias Federico, dem SÜDKURIER. Möglicherweise könnte es aber auch „deutlich mehr“ sein.

Eine Sicherheitsgefahr bestand aber offenbar nicht. Bei der seit Januar auftretenden Störung im europäischen Stromnetz habe die Gefahr eines Blackouts nicht bestanden, hieß es vom baden-württembergischen Netzbetreiber TransnetBW. Vielmehr sei es über Wochen zu kleineren Abweichungen gekommen, die bei den Uhren aber zu den Problemen geführt hätten, sagte eine Sprecherin dem SÜDKURIER.

Um den Fehlgang der Uhren zu beheben, müssen die Besitzer der Geräte aber selbst Hand anlegen. "Man muss die Uhren manuell neu einstellen", sagte Jürgen Ripperger, Forschungschef beim Energietechnikverband VDE unserer Zeitung.