Besonderes Augenmerk will das Gremium bei seiner heutigen Sitzung nach Informationen unserer Zeitung auf die Suche eines langfristigen Nachfolgers des am letzten Donnerstag von seinem Amt zurückgetretenen ZF-Chefs Stefan Sommer legen. Der aktuelle ZF-Chef, Konstantin Sauer, ist nur interimsweise im Amt.

„Die Aufsichtsratssitzung ist für den ganzen Tag angesetzt“, sagte ein Eingeweihter unserer Zeitung. Gleichzeitig dämpfte er Erwartungen, die Nachfolge Sommers werde schon direkt nach der Sitzung entschieden sein. Es werde kein Nachfolger präsentiert werden, sagte die Quelle. Vielmehr gehe es darum, das Verfahren der Suche festzuzurren und sich auf die Anforderungen für den neuen ZF-Chef zu verständigen.

Besondere Bedeutung kommt nun dem amtierenden Aufsichtsratschef Franz-Josef Paefgen zu. Dieser übernimmt die Suche nach Kandidaten federführend, wird dabei aber von anderen Aufsichtsratsmitgliedern flankiert. Zusammen bilden sie den sogenannten Personalausschuss. Nach Informationen unserer Zeitung gehören ihm im Falle der ZF neben Paefgen auch der stellvertretende Aufsichtsratschef Frank Iwer als Vertreter der Arbeitnehmerbank sowie der Friedrichshafener Oberbürgermeister Andreas Brand als Repräsentant der ZF-Eigner an. Außerdem sind weitere, nicht namentlich bekannte Aufsichtsräte dabei.

Medienberichte, wonach die Verantwortlichen schon seit mehreren Wochen beziehungsweise seit mehreren Monaten einen Sommer-Nachfolger suchten, dementierte die Quelle. Das sei „falsch“, hieß es. Die Information ist wichtig, da der Streit an der ZF-Spitze erst vor rund zwei Wochen öffentlich eskalierte. Damals trat der ZF-Aufsichtsratschef Giorgio Behr zurück und führte unter anderem an, „Veränderungen nicht im Wege stehen“ zu wollen. Das wurde als Absage interpretiert, sich aktiv an der Demontage Sommers zu beteiligen. Dem Vernehmen nach drängten vor allem die ZF-Eigner um den Rats-Chef der Zeppelin-Stiftung, Andreas Brand, auf eine Ablösung des Top-Managers Sommer. Früheren Berichten zufolge könnte im Januar ein Nachfolger präsentiert werden.

Breiten Raum bei der Aufsichtsratssitzung wird zudem die Jahresplanung und die künftige Strategie des 140 000-Mitarbeiter-Konzerns für die Jahre 2018 und 2019 einnehmen. Dabei gehe es um die Ausgestaltung des Wachstumskurses von ZF, das auf einen 40-Milliarden-Euro-Umsatz zusteuert. Daher rückten auch Fragen wie die Fortschritte bei Elektromobilität und autonomem Fahren sowie die Perspektiven für die Getriebefertigung in den Vordergrund, hieß es.

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Ravensburg am Montag Recherchen des SÜDKURIER bestätigt, wonach das Ermittlungsverfahren gegen Achim Dietrich, Konzernbetriebsratsvorsitzender der ZF, mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt wurde. Gegenstand der Ermittlungen war der Vorwurf, dass ab 2013 Seminare für Betriebsräte sowie Flugblätter der ZF zur Bezahlung vorgelegt worden seien, obwohl diese die Industriegewerkschaft Metall (IGM) hätte zahlen müssen. Dass viel Zeit ins Land ging, bis die Ermittlungen eingestellt wurden, begründete Oberstaatsanwalt Karl-Josef Diehl mit der Vielzahl an zu prüfenden Unterlagen und der Beteiligung von Behörden in mehreren Bundesländern. Rechtsanwalt Holger Rothbauer, der den ZF-Betriebsratschef vertrat, sagte: „Die Einstellung des Verfahrens gleicht einem Freispruch erster Klasse.“

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