Die Globalisierung macht auch vor den Metzgereien nicht halt. Da China immer mehr Schweinefleisch auch in Deutschland nachfragt, sind die Erzeugerpreise für Schlachtschweine zuletzt drastisch gestiegen. Doch noch haben die Verbraucher Glück: An den Fleischtheken ist davon bislang nur wenig zu spüren.

  1. Warum brauchen die Chinesen deutsches Schweinefleisch? China ist mit 55 Millionen Tonnen das Land mit der größten Schweinefleischproduktion weltweit: Mehr als die Hälfte aller Hausschweine werden dort gezüchtet. Doch seit August 2018 kämpfen die chinesischen Bauern mit der Afrikanischen Schweinepest. Die niederländische Rabobank geht davon aus, dass in China in diesem Jahr bis zu 200 Millionen Schweine notgeschlachtet werden müssen oder an dem Virus sterben – von der Größenordnung her ist das vergleichbar mit der gesamten Schweinefleischproduktion in Europa. China würde dann im Vergleich zum Vorjahr bis zu 35 Prozent weniger Schweinefleisch produzieren können – und kauft es deshalb im Ausland ein. „Allein im Mai wurden 178 000 Tonnen Schweinefleisch nach China exportiert, damit hat sich die Nachfrage im Vergleich zum Mai 2018 um 63 Prozent erhöht“, sagt Ulrich Pohlschneider, Referent für Politik und Markt bei der Interessensgemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands.
  2. Welche Auswirkungen hat das auf den deutschen Schweinefleischmarkt? Das meiste Schweinefleisch beziehen die Chinesen von deutschen Landwirten. Für den deutschen Markt bedeutet das: mehr Nachfrage und damit verbunden höhere Preise. Im Januar lag der Erzeugerpreis für ein Kilo Schweinefleisch der Interessensgemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands zufolge bei 1,36 Euro, im Juni bei 1,83 Euro. Die Halter bekommen pro Schwein also fast 20 Euro mehr als noch vor einigen Wochen.
  3. Werden Schweinefleisch und Wurst in Deutschland jetzt teurer? Für einzelne Produkte sind die Preise bereits angestiegen – im Cent-Bereich. Bei vielen Schweinefleisch- und Wurstwaren merkt der deutsche Verbraucher aber noch nichts. Der Grund: „Preiserhöhungen durchzusetzen ist schwierig. Unter deutschen Supermärkten und Discountern herrscht ein sehr hoher Wettbewerb und der Verbraucher ist besonders sensibel was die Preise angeht“, sagt Andreas Pöschel, Geschäftsbereichsleiter beim Fleisch- und Wurstwarenhersteller Schwarzwaldhof in Blumberg. Für die Schlachtereien und Wurstverarbeiter bedeutet das: Sie bleiben auf den höheren Erzeugerpreisen für Schweinefleisch sitzen. „Das ist wirtschaftlich eine Herausforderung für die Branche“, sagt Andreas Pöschel. Bleiben die Einkaufspreise über längere Zeit hoch, müssten insbesondere mittelständische fleischverarbeitende Betriebe vermutlich um ihre Existenz fürchten – wenn der Handel die höheren Preise nicht an die Verbraucher weitergibt, warnt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands.
  4. Hat nur China mit der Afrikanischen Schweinepest zu kämpfen? Nein, auch in Europa breitet sich die Afrikanische Schweinepest weiter aus. In Rumänien und Polen ist die Lage ähnlich wenig unter Kontrolle wie in China. „Mit Belgien ist sie auch in Westeuropa, nur rund 40 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, angelangt“, sagt der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Damit wächst auch die Angst der deutschen Landwirte vor der Krankheit.
  5. Wie wahrscheinlich ist es, dass die Afrikanische Schweinepest auch nach Deutschland kommt? Das Landwirtschaftsministerium in Stuttgart schätzt das Risiko als hoch ein. Ein möglicher Übertragungsweg wäre, dass ein infiziertes Wildschwein aus Belgien das Virus über die deutsche Grenze trägt. Neben Schutzzäunen wird versucht, den Schwarzwildbestand im ganzen Land niedrig zu halten. Außerdem werden Infoblätter an Fernfahrer verteilt. Denn das Schweinepest-Virus kann auch in nicht erhitzten Wurstwaren enthalten sein. Wirft nun beispielsweise ein LKW-Fahrer aus einem osteuropäischen Land, in dem die Schweinepest bereits angekommen ist, auf einer Raststätte ein Schinkenbrötchen weg und das Virus war in der Wurst, kann sich ein Wildschwein damit infizieren, welches das Brötchen frisst. In Schinken kann das Virus monatelang ansteckend bleiben, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung.
  6. Welche Auswirkungen hätte ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland? Für die Landwirte hätte das verheerende wirtschaftliche Folgen. Denn Deutschland produziert rund 20 Prozent mehr Schweinefleisch als im Land selbst verkauft wird, ist also auf den Export angewiesen. Sobald ein erster amtlicher Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland gemeldet würde, könnte das zu Exporteinbrüchen führen. Wird die Afrikanische Schweinepest bei einem Hausschweinebestand amtlich festgestellt, wird der betroffene Betrieb gesperrt und die Tötung der Tiere angeordnet.
  7. Welche Vorsichtsmaßnahmen werden getroffen? Anders als bei der Europäischen Schweinepest gibt es gegen die Afrikanische Schweinepest bislang keinen Impfstoff und kein Heilmittel. Deshalb kann sie sich so rasch verbreiten. Um das Übertragungsrisiko über Wildschweine zu reduzieren, wird versucht, die Bestände niedrig zu halten. Die Nutztiere auf den Höfen selbst können dem Landwirtschaftsministerium in Stuttgart zufolge recht gut geschützt werden: durch die konsequente Einhaltung des Verfütterungsverbots für Speiseabfälle und gute Biosicherheitsmaßnahmen, wie etwa Desinfektionsmittel und Einmalkittel für Stallbesucher.
  8. Ist die Afrikanische Schweinepest auch für Menschen gefährlich? Nein, das Virus ist nicht auf Menschen übertragbar. Erkrankte Tiere aber leiden erheblich und sterben in aller Regel qualvoll nach hohem Fieber.