Er ist der Chef des wohl schlagzeilenträchtigsten Autobauers der Welt, bringt Raketen ins All, führt eine Firma, die Menschen mit Überschallgeschwindigkeit durch Tunnelröhren schießen will und bereitet nebenher seinen Ruhestand auf dem Mars vor: Tesla-Lenker Elon Musk schafft in einem Leben, was andere wohl in sieben nicht hinbekommen würden. Aber wie macht er das eigentlich?

90-Stunden-Woche

Schon vor einiger Zeit hat der US-Journalist Michael Coren versucht, dieser Frage nachzugehen und dafür diverse Interviews des ebenso charismatischen wie abgedrehten Firmenlenkers aus Kalifornien ausgewertet. Das Resultat: Musk arbeitet offenbar einfach sehr viel länger als der Durchschnittsamerikaner. 12,1 Stunden am Tag verbringt der studierte Physiker demnach in seinen diversen Unternehmen. Damit bringt er es rein rechnerisch knapp auf eine 90-Stunden-Woche. Ohne Ruhetag freilich. Der Durchschnitts-Nordamerikaner schafft nach Daten der US-Statistikbehörde BLS grade einmal die Hälfte: 6,3 Stunden.

Damit toppt Musk selbst deutsche Firmenlenker. Auch diese arbeiten tendenziell deutlich länger als gewöhnliche Arbeitnehmer. Auf 90 Stunden pro Woche, bringt es aber fast niemand. Immerhin: Nach Daten des „Arbeitszeitmonitors“ der Unternehmensberatung Compensation Partner haben deutsche Chefs ihrem Unternehmen wenn sie mit 65 in Rente gehen bis zu zwei Jahren an Arbeitszeit geschenkt, schlicht, weil sie länger gearbeitet haben als vertraglich vereinbart.

Akute Erschöpfungserscheinungen

Und Musk? Bei dem Kalifornier spitzte sich die Lage im vergangenen Jahr noch einmal erheblich zu. Er litt an akuten Erschöpfungserscheinungen, brach in Gesprächen in Tränen aus, hatte nach eigenen Angaben Schlafstörungen und machte durch wirre Auftritte von sich reden. So rauchte er während eines Interviews einen Joint, der freilich in Kalifornien legal ist.

Schwierige Lage bei Tesla

Im Hintergrund stand eine sich dramatisch zuspitzende Lage bei Tesla. Bei dem Autobauer brach die „Produktionshölle“ aus, wie Musk es einmal selbst formulierte. Über Monate schaffte es der Autobauer nicht, die angepeilten Stückzahlen seiner Elektroautos in der gewünschten Qualität von den Bändern zu schieben. Er habe damals sogar in der Firma übernachtet, um alle Probleme in den Griff zu kriegen, sagte Musk. Mittlerweile hellen sich die Perspektiven für den Elektropionier aber wieder auf. Im vergangenen Jahr verdoppelte Tesla seine Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahr glatt auf 245 000 Stück. Zum Jahresende 2018 fuhr man zum ersten Mal seit zwei Jahren sogar wieder einen Quartalsgewinn ein.

Vater von fünf Söhnen

Vielleicht gibt das dem Vater von fünf Söhnen im neuen Jahr die Möglichkeit, sich mehr auf seine Familie zu konzentrieren. Zwar hielt sich der Kalifornier immer schon für einen Familienmenschen und guten Vater, der regelmäßig „etwas Zeit“ mit seinen Söhnen verbringe. Allerdings gestaltete sich das Zusammensein auf eine typisch Musk’sche Weise: Seine Jungs besuchten ihn regelmäßig in seinen kalifornischen Fabriken.