Bahn total. Von Jim Knopf mit Lukas auf der Lokomotive über Intercitys bis zur Schweizer E-Lok namens „Krokodil“. „Im Märklineum dürften Modellbahnfans die Herzen aufgehen“, sagt der Unternehmenshistoriker Professor Dieter Leuthold von der Hochschule Bremen voraus. Märklineum ist der Name einer Erlebniswelt, die am Stammsitz des Modellbahnherstellers Märklin unweit von Stuttgart in Göppingen entsteht. Für Fachmann Leuthold ist das Projekt ein Beispiel dafür, dass „Firmenmuseen populärer denn je“ sind.

Insgesamt hat der Experte in Deutschland rund 130 gezählt – von kleineren Firmenarchiven und Ausstellungen bis hin zu den großen Autowelten. „Die beliebtesten sind jene, wo Besucher etwas anfassen und bewegen können.“ Zudem sorge die anschauliche Präsentation eines Stücks Industriegeschichte für Besucherinteresse. Etwa im Zwickauer Horch Museum, wo Oldtimer das technische Genie von August Horch (1868-1951) veranschaulichen – des Maschinenbauingenieurs und Gründers der Autofirmen Horch und Audi. Oder auch in der Alten Saline in Bad Reichenhall, wo Besucher die Salzherstellung von der Bronzezeit bis heute kennenlernen können.

Märklineum wichtiger Teil der Wachstumsstrategie

Insgesamt sind Museen mit naturwissenschaftlichem und technischem Charakter nach Angaben von Branchenkennern seit langem beliebt. So weist der jüngste Jahresbericht des Berliner Instituts für Museumsforschung für die Technikmuseen der großen Autobauer Rekordzahlen aus – das Mercedes–Benz-Museum und das Porsche–Museum in Stuttgart verzeichneten demnach 2016 zusammen mehr als 1,2 Millionen Besuche. Ähnlich populär ist das BMW-Museum in München, das eigenen Angaben zufolge Jahr rund 600.000 Mal besucht wird.

Bei Märklin werden kleinere Brötchen gebacken – man hofft auf rund 100.000 Besuche pro Jahr. Aber das Prinzip ist dasselbe. „Wer mit einem Firmenmuseum Traditionen und erfolgreiche Marken vorführen kann, hat einen Wettbewerbsvorteil“, sagt Unternehmenshistoriker Leuthold. Für die Göppinger ist das Märklinmuseum ein wichtiger Teil ihrer Wachstumsstrategie. Das Firmenmuseum, das wie eine Erlebniswelt gestaltet wird, lässt man sich mehr als zwölf Millionen Euro kosten.

Eine Mitarbeiterin des Modelleisenbahnherstellers Märklin räumt im Eingangsbereich des Märklin-Museums Vitrinen ein.
Eine Mitarbeiterin des Modelleisenbahnherstellers Märklin räumt im Eingangsbereich des Märklin-Museums Vitrinen ein. | Bild: Marijan Murat, dpa

„Das ist das größten Marketing-Vorhaben und die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte“, sagt Geschäftsführer Florian Sieber. Er hat das längere Zeit schwächelnde Unternehmen 2013 zusammen mit seinem Vater Michael Sieber übernommen.

Firmenmuseum mit Erlebnischarakter

Im Geschäftsjahr 2016/2017 verharrten Märklins Erlöse bei 108 Millionen Euro. 2018 werde der Umsatz auch etwa auf dem Niveau liegen, hieß es. Die Ertragssituation sei aber inzwischen wieder gut. „Die Modelleisenbahn hat auch in Zeiten der Computerspiele eine Zukunft“, meint Sieber. Er verweist darauf, dass zu den Märklin-Tagen der offenen Tür am 14. und 15. September erneut Tausende von Modellbahn-Begeisterten aus etlichen Ländern erwartet werden.

Rechtzeitig wurde dazu der erste Teil des Märklineums – mit Fachberatung und Verkaufsausstellung – eröffnet. Insgesamt soll sich die Erlebniswelt spätestens ab Ende 2019 mit einer der modernsten Modellbahnanlagen Europas auf vier Etagen in einem Teil des denkmalgeschützten Werkes erstrecken.

Die Nachfrage nach Technik-Museumserlebnissen jenseits der „Scheinwelten im Computer“ nehme zu, sagt Professor Leuthold. Das gelte sogar für alltägliche Haushaltsprodukte. So plant die Firma Kärcher, die in Winnenden nahe Stuttgart Reinigungsgeräte herstellt, ebenfalls ein neues Firmenmuseum mit Erlebnischarakter. Dafür wird eigens in einen futuristisch anmutenden Neubau investiert.

Märklineum und Steiff-Museum sollen künftig kooperieren

Vorbei sind auch die Zeiten des „Jeder wirbt für sich allein“. Die Göppinger Eisenbahnwelt soll im Kombi-Angebot mit Besuchen bei Daimler und Porsche angeboten werden. „Das passt gut in unsere industriell geprägte Region mit vielen Traditionsunternehmen“, sagt Andrea Gerlach, Prokuristin der Stuttgart-Marketing-Gesellschaft.

Ähnlich sehen das die Teddy-Spezialisten von Steiff. Das Märklineum und das Steiff-Museum in Giengen – 200.000 Besucher pro Jahr – sollen künftig kooperieren. „Vor oder nach dem Besuch in Göppingen können sich Familien bei uns durch die Geschichte der 3000 mit der "Teddytanic" verschwundenen Stoffbären führen lassen – samt Happy End versteht sich“, sagt Marketing-Chefin Simone Pürckhauer.