Flache Hierarchien, flexible Arbeitszeiten und arbeiten von zu Hause aus oder in Teilzeit: Noch nie hatten Arbeitnehmer so viel Freiheit wie heute. „In manchen Unternehmen gibt es 50 bis 60 unterschiedliche Arbeitsmodelle, die auf die verschiedenen Bedürfnisse der Beschäftigten eingehen“, sagt Silke Masurat, Geschäftsführerin des Zentrums für Arbeitgeberattraktivität (Zeag) in Konstanz.

Die Schattenseiten der neuen Freiheit

Doch die scheinbar schöne neue Arbeitswelt hat auch ihre Schattenseiten. Viele Arbeitnehmer sind mit ihrer neu gewonnenen Freiheit überfordert. „Mit der Freiheit wächst auch die Verantwortung“, sagt Masurat. Und diese könne unter Umständen zu psychischen Belastungen führen. „Die Arbeitswelt wird durch die Digitalisierung immer schneller und diese Beschleunigung wird an die Arbeitnehmer durchgereicht“, sagt Masurat. Viele Arbeitnehmer müssten noch lernen eine „Selbstkompetenz“, wie es Masurat formuliert, zu entwickeln, um in der neuen Arbeitswelt nicht unter die Räder zu kommen. So werde es immer wichtiger, seine eigenen Tätigkeiten zu priorisieren und sich nicht zu verzetteln.

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Aber auch für Arbeitgeber machen flache Hierarchien vieles komplizierter. „Führung wird immer anspruchsvoller“, sagt Masurat. Denn in der heutigen Arbeitswelt könne man nicht mehr einfach Arbeitsaufträge von oben nach unten erteilen. Andererseits müsse man schon Ziele vorgeben und die richtige Ansprache finden. „Die Führung ist heutzutage nicht mehr so direkt, aber sie ist immer noch da“, so Masurat.

„Agilität erreicht man nur mit neuen Strukturen“

In vielen Unternehmen hake es aber noch beim Wandel der Unternehmenskultur. Vor allem große Unternehmen seien oft träge, da sich eingefahrene Strukturen verändern müssen. Manche Unternehmen würden sogar wieder zu alten Hierarchien zurückkehren und strengere Regeln als vorher einführen, wenn es mit einer lockereren Arbeitskultur scheitert. Alte Konzepte seien in der digitalen Welt allerdings nur selten hilfreich. „Agilität erreicht man nur mit neuen Strukturen“, sagt Masurat, die in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen regelmäßig Mitarbeiterbefragungen in ganz Deutschland durchführt und Siegel für Arbeitgeber vergibt.

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Immer wichtiger werde es für Arbeitgeber, ihren Beschäftigten den Sinn und Zweck ihrer Arbeit deutlich zu machen. „Sinnerfüllung ist oft mindestens genauso wichtig wie das Gehalt“, sagt Masurat. Denn wenn man seine Tätigkeit für sinnvoll halte, empfinde man seine Arbeit – auch wenn sie manchmal anstrengend ist – nicht als Stressfaktor. Zu hoch dürfe die Zufriedenheit in einem Unternehmen allerdings nicht sein – denn sonst lande man als Unternehmen in der „Trägheitsfalle“.

Wichtig sei zudem, in Unternehmen Teams und Abteilungen so zusammenzusetzen, dass sich Fähigkeiten und Kompetenzen optimal ergänzen. „Gemischte Teams erreichen die besten Ergebnisse“, sagt Masurat. Deshalb empfiehlt sie, junge und ältere Arbeitnehmer, Männer und Frauen sowie Einheimische und Menschen mit Migrationshintergrund in einem gemeinsamen Team arbeiten zu lassen.