Die Fußballweltmeisterschaft in Russland begeistert seit knapp zwei Wochen täglich wieder unzählige Fußballfans in Deutschland. Doch nicht alle lassen sich von der aktuell herrschenden Fußballeuphorie anstecken. Die Versicherungsbranche klagt über auffällig hohe und ungewöhnliche Schadensmeldungen vor Welt- und Europameisterschaften.

"Zur Finanzierung eines neuen Fernsehers wird manchmal ein Schaden am alten Gerät herbeigeführt, den es so nie gegeben hat", sagt Peter Holmstoel, Leiter der Kriminalitätsbekämpfung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Kuriose Unfälle mit Altgeräten 

Seit Monaten werden Kunden vom Elektronikhandel pünktlich zur WM mit günstigen Angeboten für ultraflache und hochauflösende TV-Geräte angelockt. Um das Turnier in vollen Zügen genießen zu können, soll der alte Fernseher gegen ein neues Modell ausgetauscht werden.

Die neuen Wunschobjekte sind jedoch teuer. Doch unmittelbar vor großen Turnieren geschehen mit Altgeräten laut Angaben des GDV die kuriosesten Unfälle: Da kann sich die Hausfrau nicht erklären, wie der Stiel des Wischmops mitten im LCD-Display einschlagen konnte oder der Schoßhund wirft beim Toben den schweren Fernsehtisch aus Marmor um.

"In vielen Fällen passen Schadensschilderung und Schadensbild nicht zusammen. Der Schaden kann demzufolge nicht so passiert sein, wie geschildert wurde", bestätigt Holmstoel. Auch Spielzeug scheint für Fernseher nicht besonders verträglich zu sein. Da wird der Schnuller zum zerstörerischen Wurfgeschoss und das Bobbycar in der hochgelegten SUV-Version zum Bulldozer für Bildschirme.

GDV schätzt Schaden auf fünf Milliarden Euro 

Der GDV schätzt den Schaden für die Branche im Jahr, der auf dubiose Fälle zurückzuführen ist, auf fünf Milliarden Euro. Das bedeutet viel Arbeit für Haftpflichtversicherer. Diese sprechen von Betrugsquoten bis 70 Prozent. "Während der WM gehen jedoch kaum Fernsehgeräte kaputt", sagt Holmstoel.

In einer GDV-Untersuchung vor der EM 2016 wurden 1800 Schäden an TV-Geräten, die bei den Versicherern eingereicht wurden, ausgewertet. Jeder vierte Schaden sei laut GDV nicht plausibel. Bei 25 Prozent der defekten Geräte traten Ungereimtheiten auf. Die durchschnittliche Forderung an die Versicherung betrug 745 Euro.

TV-Geräte leihen statt kaufen

Einen alten Fernseher als Unfallschaden einzureichen ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, um günstig an ein Neugerät zu kommen. Aktuell entwickelt sich der Trend, sich vor der WM einen Fernseher anzuschaffen und nach dem Turnier wieder zurückzugeben. Laut einer aktuellen Umfrage des Online-Dienstleisters Trusted Shops gaben 28 Prozent der Befragten offen zu, das neue TV-Gerät nach der Weltmeisterschaft zurückschicken zu wollen.

Das ist oft auch problemlos möglich, weil viele Händler neben dem gesetzlichen Rückgaberecht von zwei Wochen freiwillig längere Rückgabefristen festsetzen. Der Bundesgerichtshof hat ausdrücklich bestätigt, dass ein Kunde auch die Verpackung des Fernsehers öffnen und das Produkt prüfen darf, bevor dieses zurückgeschickt wird.

Betriebsstunden könnten ausgelesen werden - aber das ist aufwendig

Laut Umfrage geben 11 Prozent der Teilnehmer an, sich extra für das Turnier einen neuen Fernseher oder Beamer zuzulegen. Das sind besonders häufig junge Männer zwischen 18 bis 34 Jahren. Zwar bestehe die Möglichkeit, die Betriebsstunden der Geräte nach der Rückgabe auszulesen, jedoch lohne sich der damit verbundene Aufwand oft nicht.

Sollte die Deutsche Nationalmannschaft jedoch nach der Auftaktniederlage gegen Mexico und dem knappen Sieg gegen Schweden zum ersten Mal in seiner WM-Geschichte die Gruppenphase nicht überstehen, könnten erste TV-Geräte deutlich vor Ablauf der eigentlichen Rückgabefrist wieder an die Händler geschickt werden.