Liebhaber von Gold werden derzeit nicht so recht glücklich mit ihrer Geldanlage. Denn der Goldpreis kommt einfach nicht aus dem Keller und dümpelt um die 1200 Dollar für eine Feinunze (31,1 Gramm) herum. Im Januar hatte er bei 1360 und im April bei 1340 Dollar gelegen. Seitdem kennt der Preis des Edelmetalls fast nur eine Richtung – nach unten, bis auf 1174 Dollar Mitte August. Damit war Gold so wenig wert wie zuletzt Anfang 2017.

Auch Experten sind irritiert

Experten sind genauso irritiert wie Privatanleger. Schließlich gilt Gold als Krisenwährung: Und davon gibt es reichlich. Die Handelskonflikte, der Streit zwischen den USA und dem Iran, US-Sanktionen gegen Russland, die Krise in der Türkei, Wachstumssorgen in China. In solchen Phasen steigt die Nachfrage nach Gold – eigentlich. Derzeit ist davon nichts zu sehen. Gold scheint seinen Nimbus als Krisenwährung einzubüßen.

Kopfschütteln auch bei Privatanlegern

„Gold profitiert aktuell überraschenderweise nicht von der höheren Risiko-Aversion“, sagt Barbara Lambrecht, Volkswirtin der Commerzbank. Man habe nicht geglaubt, dass der Preis in einem solch unsicheren Umfeld so stark unter Druck geraten könnte, wundern sich auch andere Experten des Instituts.

Kopfschütteln auch bei Privatanlegern, die gleichwohl weiter auf Gold setzen und kaufen, etwa beim Münchner Goldhändler Pro Aurum. „In der zweiten Julihälfte übertraf der Umsatz das Umsatzvolumen im Zeitraum April bis Juni um rund 25 Prozent. Neun von zehn Kunden stehen wieder auf der Käuferseite“, sagt Robert Hartmann, Chef von Pro Aurum. Goldmünzen würden vor allem gekauft. Auch Goldbarren zwischen 100 und 200 Gramm seien sehr gefragt.

Käufe von Notenbanken

Gekauft haben auch Notenbanken. Insbesondere die russische. Letztere hat nach Angaben des World Gold Councils, des globalen Branchenverbands, von Januar bis Juni 105 Tonnen geordert. Im Juli sollen es weitere fast 25 Tonnen gewesen sein. Gekauft hat auch die Türkei – 38 Tonnen im ersten Halbjahr. Aber selbst diese Käufe konnten den Preis nicht treiben.

Denn insgesamt ist die Gold-Nachfrage nach Angaben des Verbandes im ersten Halbjahr mit 1960 Tonnen auf das niedrigste Niveau seit 2009 gesunken, wobei allein die Schmuckindustrie weltweit 1000 Tonnen gekauft hat. Immerhin: Seit Anfang Juli habe die Nachfrage nach Gold wieder deutlich angezogen, sagt Martin Siegel, Geschäftsführer von Stabilitas, einem auf die Goldanlage spezialisierten Investmenthaus.

Wetten auf fallenden Goldpreis

Das ändert aber nichts an dem schwachen Goldpreis. Manche Beobachter verweisen als Begründung auf den relativ starken Dollar und die steigenden Zinsen in den USA. Gold hat den Nachteil, dass es keine Zinsen, keine Dividenden und damit keine laufenden Erträge abwirft. Allein der Preisanstieg kann dem Anleger einen Ertrag verschaffen.

Wichtiger aber – da sind sich viele Experten einig – sind derzeit Hedgefonds und Spekulanten, die Wetten auf einen fallenden Goldpreis abgeschlossenen haben. Sie verkaufen Gold an den Terminmärkten und setzen darauf, dass sie es zu einem späteren Zeitpunkt zurückkaufen können. Daneben ist die Nachfrage nach börsengehandelten Goldfonds (ETFs), die auf physisches Gold setzen, zurückgegangen. Der Kurs von Xetra Gold der Deutschen Börse ist seit Mai um 8 Prozent gesunken, der Bestand stagniert bei rund 170 Tonnen, nachdem es 2016 und 2017 noch deutliche Zuwächse gegeben hatte.

Vorsicht bei Prognosen

Angesichts der – vor dem Hintergrund der vielen Krisenherde – ungewöhnlichen Entwicklung des Goldpreises und der offensichtlich intensiven Aktivitäten von Spekulanten halten sich Experten mit Prognosen zurück. Mit Blick auf die Spekulation spricht Proaurum-Chef Hartmann zwar von einem „finalen Ausverkauf“. Wie lange der dauern und wie heftig er ausfallen werde, sei aber schwer zu sagen.

Martin Hüfner, Chef-Volkswirt vom Vermögensverwalter Assenagon, verweist auf die langfristigen Vorteile von Gold. „Gold ist beständiger und nachhaltiger als andere Anlageklassen.“ Sein Preis sei auf lange Sicht stabil und unterliege nicht den großen Schwankungen anderer Anlageklassen. Und Gold­investments seien rentabel. Wer den Barren von 1970 bis heute gehalten habe, habe eine Rendite von 7,5 Prozent pro Jahr erzielt. Gold sei deshalb nichts für die kurzfristige Anlage, aber über 20 bis 30 Jahre könne man mit Preissteigerungen rechnen. Lars Reiner, Chef des digitalen Vermögensverwalters Ginmon rät dagegen zur Vorsicht. „Der wirklich sichere Hafen für Anleger ist nicht Gold, sondern ein diversifiziertes Portfolio über alle Anlageklassen hinweg. Deshalb braucht man als Anleger keine Krisenwährung.“