Der Kurs von Nestlé-Chef Mark Schneider trägt nach zuletzt schwächeren Jahren langsam Früchte. Im vergangenen Jahr konnte der größte Lebensmittelhersteller der Welt seinen Umsatz um drei Prozent auf 91,4 Milliarden Schweizer Franken (80,3 Milliarden Euro) steigern. Schneider, der 2017 das Ruder bei Nestlé übernahm, will den Konzern stärker auf gesunde Produkte, die hohe Margen versprechen, ausrichten. So hat sich Nestlé zuletzt von seinem US-Süßwarengeschäft getrennt und dafür im Gegenzug das kanadische Unternehmen Atrium Innovations, einen Hersteller von Gesundheitsprodukten, übernommen.

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Nun geht die Optimierung des Produktportfolios weiter. Wie Nestlé gestern bekannt gab, will der Konzern seine deutsche Wurstmarke Herta verkaufen. "Der Verwaltungsrat hat beschlossen, strategische Optionen für das Herta-Geschäft zu prüfen, darunter eine mögliche Veräußerung", teilt Nestlé mit. Herta trug zuletzt mit 2100 Mitarbeitern 680 Millionen Franken zum Nestlé-Umsatz bei. Das 1897 gegründete Unternehmen mit Sitz im westfälischen Herten gehört seit 1984 zum Schweizer Konzern. Interessantes Detail am Rande: Nestlé will sich nur vom Herta-Wurstgeschäft trennen, aber die vegetarischen Angebote der Marke beibehalten und weiterentwickeln. "Pflanzliche Lebensmittel versprechen derzeit höhere Margen als Fleischprodukte", begründete Schneider die Entscheidung des Managements.

Im Singener Maggi-Werk muss gespart werden

"Wir haben bei der Neuausrichtung unseres Produktportfolios bedeutende Fortschritte erzielt und unseren strategischen Fokus geschärft", sagte Schneider. Man sei auf dem besten Weg, Nestlé für ein anhaltendes und nachhaltiges Wachstum zu positionieren.

Zu Nestlé gehört auch das Maggi-Werk in Singen, wo der Konzern 750 Mitarbeiter beschäftigt und damit zu den wichtigsten Arbeitgebern der Stadt am Hohentwiel zählt. Allerdings steht der Standort vor großen Herausforderungen. Auf Druck der Konzernzentrale in Vevey sollen in Singen Millionen an Produktions- und Personalkosten eingespart werden, um den Standort profitabler zu machen.

So verteilt sich der Umsatz von Nestlé

  • Umsatz: Nestlé macht fast ein Viertel seines Umsatzes von gut 80 Milliarden Euro mit Getränken in flüssiger und Pulverform wie Nescafé, Nespresso oder Nesquick. Fertiggerichte wie die in Singen am Hohentwiel hergestellten Maggi-Ravioli, Soßen oder Trockensuppen liefern einen Umsatzbeitrag von 13 Prozent. Süßwaren wie Kitkat oder Lion tragen knapp 10 Prozent zum Erlös bei. Mit dem Verkauf von Wassermarken wie Vittel oder Perrier verdient Nestlé 8 Prozent seines Umsatzes. Weitere wichtige Produktgruppen sind Eis, Tiernahrung und Nahrungsergänzungsmittel.
  • Gewinn: Unterm Strich stieg der Gewinn von Nestlé um 41,6 Prozent auf 10,1 Milliarden Schweizer Franken (8,9 Milliarden Euro). Hier kamen Nestle mehrere große Einmaleffekte zu Gute, darunter höhere Erträge aus dem Verkauf von Geschäftsteilen.
  • Dividende: Nestlé erhöht die Auszahlung an seine Aktionäre um 10 Rappen auf 2,45 Franken pro Aktie. Zudem setzt der Konzern sein Aktienrückkaufprogramm fort, um den Kurs zu stützen. Im Laufe des Jahres 2018 hatte Nestlé eigene Aktien im Wert von 6,8 Milliarden Franken zurückgekauft.
Thomas Domjahn