Ist es Pfeifen im Wald? Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) spricht unbeirrt von „großen Chancen“ und der angestrebten „Technologieführerschaft“, e-Mobil BW-Chef Franz Loogen glaubt daran, dass das Autocluster gestärkt aus dem Transformationsprozess hervorgehen könne.

Aber die Zahlen und Diagramme auf dem Tisch vor ihnen sprechen eine klare Sprache: Je schneller sich Elektroautos auf dem Markt durchsetzen, umso mehr der rund 470 000 Arbeitsplätze im Südwesten, die direkt oder indirekt am Automobil hängen, sind davon betroffen oder könnten ganz überflüssig werden.

Das geht aus der Strukturanalyse „BW mobil 2019“ hervor, die jetzt in Stuttgart vorgestellt wurde und untersucht hat, wie E-Mobilität und Digitalisierung die baden-württembergische Automobilwirtschaft verändern und welche Perspektiven ihr bleiben. „Der Megatrend Elektromobilität wird zusammen mit autonomem Fahren und der digitalen Vernetzung das Automobil, seine Produktion und Nutzung in den nächsten Jahren deutlich verändern“, so das Fazit.

Vieles hängt von der künftigen Preisentwicklung ab

Die Autoren der Studie rechnen alle Faktoren für zwei Szenarien durch. Nach einem progressiven Szenario, wonach im Jahr 2030 bereits 51 Prozent aller in der Europäischen Union neu zugelassenen Pkw reine E-Autos sind, und einem konservativen, das von 15 Prozent ausgeht. Ausschlaggebend dafür, wie schnell der Markt hochläuft, sind Faktoren wie die Kostenentwicklung bei der Batterieherstellung, Produktionskapazitäten, CO2-Grenzwerte und auch die Nachfrage auf den internationalen Märkten.

Dabei dürfte auch der Preis eine Rolle spielen. Während 2015 ein Pkw mit konventionellem Verbrennungsmotor laut Studie noch einen Vorteil von rund 10 000 Euro aufgewiesen habe, sei es nach dem progressiven Szenario im Jahr 2030 schon rund 1000 Euro teurer als ein reines E-Auto.

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Je nach Szenario kommen die Autoren zu höchst unterschiedlichen Beschäftigungseffekten: Während bei einem langsamen Wachstum sogar ein Plus von 1,9 Prozent (8900 Beschäftigte) möglich sei, ergibt sich bei dem progressiven Szenario ein Minus bis zu 6,6 Prozent – knapp 31 000 Arbeitsplätze könnten wegfallen, besonders in den direkt vom Antriebsstrang abhängigen Produktionswerken mit ihren landesweit rund 70 000 Beschäftigten. 

Zwischen 13 500 und 31 000 Beschäftigte könnten „von negativen Auswirkungen“ betroffen sein, führt die Studie aus. Und die, deren Arbeitsplätze erhalten bleiben, müssen möglicherweise umlernen oder einen ganz anderen Beruf ausüben: „Die inner- und außerbetriebliche Weiterbildung wird eine erhebliche Anstrengung“, prognostiziert auch die Wirtschaftsministerin.

Dennoch, so das Fazit der Studie, könnten die Folgen für den Automobilsektor insgesamt „moderat“ sein. Allerdings unter einer Voraussetzung: „Wenn Baden-Württemberg im Autocluster auch bei den alternativen Antriebstechnologien seine weltweit führende Innovationsrolle behält und bei den neuen Komponenten Marktanteile in ähnlicher Höhe gewinnen kann.“