Der April war warm und sonnig, der Mai wird es auch. Auf den Felder grünt es, und es blüht. Daraus zu folgern, die Stimmung in der Landwirtschaft sei prächtig, wäre aber ein Fehler. Das Gegenteil ist der Fall. Die Wonnen, die das Wetter den Bauern beschert, sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass 2018 für die Branche zu einem harten Jahr werden wird. Manche sagen: zu einem der härtesten seit Langem.

Heute zeigt Haushaltskommissar Günther Oettinger auf, wie die EU den Austritt der Briten aus der Union finanziell wegstecken will. Eines ist dabei jetzt schon klar: Die Landwirtschaft wird einer der Verlierer sein. Die 58-Milliarden-Euro-schwere Alimentierung der europäischen Bauern aus EU-Töpfen wird empfindlich zurückgefahren werden.

Landwirte unter Druck

Um sechs Prozent sollen die sogenannten Direktzahlungen, die die EU der Branche jährlich für jeden Hektar Acker gewährt, gestutzt werden. Gut möglich, dass die Kürzung deutlich höher ausfällt. Angesichts der Tatsache, dass beispielsweise die Höfe in Baden-Württemberg mehr als 50 Prozent ihres Einkommens durch die EU-Gelder bestreiten, wird das Ausmaß des Schritts für die einzelnen Landwirte sichtbar.

Diese stehen sowieso schon unter Druck. In den vergangenen Jahren sind in der EU Preis- und Mengenbeschränkungen für Agrargüter reihenweise gefallen. Produkte wie Getreide, Fleisch, Milch oder Rüben, die zwischen Lissabon und Tallinn hergestellt werden, konkurrieren mit Waren vom Weltmarkt, die aber teils zu viel günstigeren Kosten erzeugt werden.

Die deutsche Landwirtschaft hat dies bislang recht gut weggesteckt, weil sie sehr effizient ackert, pflügt und sät. Starke Schwankungen der Weltmarktpreise für Agrarprodukte machen das Geschäft der Bauern aber immer unkalkulierbarer. Auf Jahre guter Erträge folgen lange Preistiefs, die die Widerstandskraft insbesondere der in Süddeutschland beheimateten Nebenerwerbslandwirte schwächen. In einzelnen Branchen wie der Schweinemast hat das Höfesterben ein Ausmaß erreicht, das auf ein generelles Aus der Erzeuger hindeutet.

Die Ackerbaubetriebe, aber auch die Obstbauern und Winzer stehen vor ganz anderen Herausforderungen. Die Acker-Allzweckwaffe der letzten Jahrzehnte – das möglicherweise krebserregende Herbizid Glyphosat – steht vor dem Aus. Gleiches gilt für sogenannte Neonicotinoide, die zwar Pflanzen vor Schädlingen schützen, aber auch ein Bienengift sind.

Ein Weiter-so birgt enorme Risiken

Was aus Sicht des Verbraucherschutzes und der Biodiversität zu begrüßen ist, bringt die Bauern in die Bredouille. Insbesondere der Einsatz von Glyphosat hat die Produktionskosten stark gesenkt. Fällt der Wirkstoff weg, wird das Ackern teurer. Und dass das Kostenplus auf Handel und Verbraucher übergewälzt werden kann, scheint angesichts der Kräfteverhältnisse im Agrarmarkt unwahrscheinlich.

Das Fatale an der Entwicklung ist, dass die aktuelle Umbruchphase, in der die Branche steckt, nicht dazu genutzt wird, das System Landwirtschaft grundsätzlich zu hinterfragen – obwohl immer klarer wird, dass ein Weiter-so enorme Risiken birgt.

Die aktuelle Verteilung der EU-Direktzahlungen bevorzugt große Höfe mit Monokulturen und damit genau jene Art der Landwirtschaft, die die Gesellschaft nicht will. Dass sich daran durch die Neuverteilung der EU-Mittel etwas ändert, ist unwahrscheinlich. Der steigende Kostendruck spielt sogar eher den Großbetrieben in die Karten.

Dabei muss Erfolg nicht an Größe gekoppelt sein. Kleinere Erzeuger, die ihre Höfe für die Verbraucher öffnen und auf regionale Vermarktung und Bio-Anbau setzen, haben sich gegenüber den Wirren der EU-Agrarbürokratie und gegenüber den unberechenbaren Weltmärkten als nahezu resistent erwiesen. Wenn China die Lust auf deutsche Schweinehäften verliert oder die Welt-Weizenpreise einbrechen, interessiert das die spezialisierten Öko-Bauern kaum. Mehr Landwirte als bisher sollten sich daher an solchen Beispielen orientieren – solange ihnen die Zeit dazu bleibt.

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