Tausende Mitarbeiter von Deutschlands drittgrößtem Automobilzulieferer ZF haben in Friedrichshafen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Ein kilometerlanger Protestkorso zog sich am Mittwoch durch die Zeppelinstadt. Nach einer außerordentlichen Betriebsversammlung hatte der ZF-Betriebsrat dazu aufgerufen, gemeinsam vor die Konzernzentrale zu ziehen. Dort versammelten sich 5000 Mitarbeiter und forderten den dauerhaften Erhalt der ZF-Jobs in Deutschland. Mit Pfiffen und Trillerpfeifen machten die ZF-ler ihrem Ärger Luft.

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Die Vorsitzenden der beiden ZF-Betriebsräte, Achim Dietrich und Franz-Josef Müller, äußerten ihre Kritik an der Unternehmensführung und warnten vor überzogenen Renditezielen sowie vor Jobabbau in Deutschland bei gleichzeitiger Verlagerung von Produktion und Entwicklung ins Ausland . Im Unternehmen herrsche teils ein Klima der Angst. „Wir wollen mit der ZF in die Zukunft gehen, zusammengehalten von gemeinsamen Werten“, sagte Müller. Die Angst um einen möglichen Jobabbau sei bei der Belegschaft groß.

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ZF beschäftigt in Deutschland derzeit 50 000 Mitarbeiter. In einem SÜDKURIER-Interview hatte ZF-Chef Wolf-Henning Scheider vor einigen Tagen angekündigt, dass es schwierig werden könnte, diese Zahl zu halten, wenn etwa Zölle dem deutschen Exportmodell zusetzten. „Dann müssten wir die Produktion stärker in Länder verlagern, in denen die Fahrzeuge gebaut werden. Wenn das passiert, könnte es schon sein, dass wir nicht alle Arbeitsplätze hier halten können“, sagte Scheider. Zudem verwies er auf rasant steigende Entwicklungskosten und hohe Investitionen. „Wir können das nur teilweise durch Produktivitätsfortschritte und höhere Preise kompensieren“, so der ZF-Chef.

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Darauf nahm Betriebsratschef Achim Dietrich in seiner Rede vor der Belegschaft direkt Bezug. „Nachhaltiger Erfolg ist wichtiger als kurzfristiger Profit“, sagte Dietrich und warnte den Vorstand davor, nur nach dem Gewinn zu schauen. Kritik übte er daran, dass die Produktion ins Ausland verlagert werde, obwohl deutsche ZF-Standorte teils schlecht ausgelastet seien. ZF solle vielmehr Verantwortung für die Beschäftigten in Deutschland übernehmen. Der Vorstand des Unternehmens war zu der Betriebsversammlung nicht gekommen. „Der ZF-Vorstand nimmt in dieser Woche Termine an unseren US-Standorten wahr“, erklärte ein ZF-Sprecher.

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Das Unternehmen teilte mit, man könne verstehen, dass sich die Mitarbeiter um ihre Zukunft Sorgen machten. Man bekenne sich aber zu bestehenden Vereinbarungen zur Sicherung der deutschen Standorte. Konzernweiten Restrukturierungsprogramme gebe es nicht. Die „fest angestellte Stammbelegschaft in Deutschland“ wolle man erhalten.

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