Handelskonflikte, Niedrigzinsen und ein tiefgreifender Strukturwandel der Autoindustrie: Für das kommende Jahr erwartet die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ein anspruchsvolles Marktumfeld. „2020 wird ein schwieriges Jahr. Dem wird sich auch Deutschland nicht entziehen können“, sagte LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert bei der Vorlage des Kapitalmarktausblicks 2020. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Prognosen der Landesbank vor.

  • Konjunktur: Für 2020 erwarten die Ökonomen der Landesbank in Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent. Diese Wachstumsrate liegt deutlich unter der Prognose für Europa (0,9 Prozent) und der Weltwirtschaft (3,1 Prozent). Düster sieht es aus Sicht der LBBW in Baden-Württemberg aus. So prognostizieren die LBBW-Volkswirte für dieses Jahr ein Nullwachstum und für das kommende Jahr ein mickriges Wachstum von 0,2 Prozent. Damit liegt der Südwesten deutlich hinter anderen Bundesländern wie Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Sachsen. Grund dafür ist vor allem die schwächelnde Autoindustrie, die in den Vorjahren immer die Wachstumstreiber in Baden-Württemberg war.
  • Aktienmarkt: Die Landesbank hält Investitionen in Aktien nach wie vor für lukrativ. Für die kommenden fünf Jahre trauen die LBBW-Ökonomen dem Deutschen Aktienindex Dax ein durchschnittliches Wachstum (einschließlich Dividenden) von 7,5 Prozent im Jahr zu – auch wenn Rückschläge einzukalkulieren seien. Zum Jahresende 2020 taxiert die Landesbank den Dax auf 13 500 Punkte. Besonders setzt die Bank derzeit auf Aktien aus dem Pharma-, Technologie- und Telekommunikationssektor. Dagegen hat die LBBW Papiere aus dem Automobilbereich untergewichtet.
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  • Automobilsektor: Die Autobauer und Zulieferer haben derzeit nach Einschätzung der LBBW mehr mit dem technologischen Wandel zu kämpfen als jede andere Branche in Deutschland. Die Investitionen in die Elektromobilität sind derzeit hoch, doch die Absatzzahlen von E-Autos lassen zu wünschen übrig. Nach einem Übergangsjahr 2020 erwartet die LBBW aber ab 2021 einen Aufwärtstrend im Automobilsektor. Mit steigenden Stückzahlen würden die Produktionskosten der E-Autos geringer, erklärte Burkert.
  • Handelsstreit: Im Zollstreit zwischen China und den USA erwartet die LBBW keine schnelle Einigung. „Der Grundkonflikt der beiden Großmächte dürfte bleiben und auch nach einer Einigung weiterköcheln“, sagte Burkert. Ein Befreiungsschlag sei nicht zu erwarten, allenfalls eine Teileinigung, so Burkert weiter. Dabei schneiden sich die beiden Streitparteien durch den Zollkonflikt ins eigene Fleisch. Die wirtschaftliche Entwicklung in den USA und China werde weiter an Fahrt verlieren, sagen die Volkswirte der LBBW voraus.
  • Zinsen: Am Zinsmarkt in Europa erwartet die LBBW keine Entspannung. Auch unter Christine Lagarde, der neuen Chefin der Europäischen Zentralbank, seien keine Zinserhöhung zu erwarten. In den USA sieht die LBBW ebenfalls einen Trend zu niedrigeren Zinsen. So werden die Leitzinsen in den USA bis Ende 2020 auf 1,25 Prozent sinken, so die Prognose.