In vielen Supermärkten sollen sie in diesem Jahr nach und nach auftauchen: kleine, farbige Aufdrucke auf manchen Joghurts und Tiefkühlkost.

Die neuen Logos eröffnen die nächste Runde im Ringen um deutlichere Nährwert-Kennzeichnungen für Fertigprodukte. Es geht um gesündere Ernährung und weniger Übergewicht nicht nur bei Kindern.

Verbraucherschützer fordern dafür seit langem Farbsymbole, die auf einen Blick erkennen lassen, wie viel Zucker, Fett und Salz in Milchspeisen, Müslis oder Tiefkühlpizzen stecken. Ebenso lange wehrt die Lebensmittelbranche das scharf ab. Gibt es nun Bewegung?

Die Spannung steigt. Denn zur Zukunft solcher Kennzeichnungen soll bis zum Sommer ein Modell auf dem Tisch sein, das den Nährwertgehalt „vereinfacht visualisiert“. So haben es Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart.

Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hat schon Vorschläge in Aussicht gestellt, macht aber auch kein Hehl aus ihrer Skepsis gegen „vereinfachte“ Kennzeichnungen mit den Ampelfarben.

Da bringt es Dynamik in die Diskussionen, dass zwei Branchengrößen vorlegen: Danone und Iglo wollen in diesen Wochen erste Produkte mit dem neuen Farb-Logo in die Kühlregale bringen.

Grün für gut, rot für schlecht

Verbraucherschützer machen schon für dieses System namens Nutri-Score mobil, das Frankreich 2017 auf freiwilliger Basis für die Hersteller eingeführt hat.

Es sei das beste Modell auf dem Markt und biete die Chance, aus den „Schützengräben der Vergangenheit“ herauszukommen, sagt der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. „Wir appellieren an die Lebensmittelwirtschaft, hier ihren destruktiven Widerstand aufzugeben.“

Nutri-Score mache negative wie positive Elemente in einem einzigen Wert erkennbar, erläutert Müller. Dafür wird – jeweils für 100 Gramm – beides mit Punkten bewertet und verrechnet: einerseits der Gehalt an Kalorien, Zucker, Fett und Salz und andererseits empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe, Proteine, Früchte oder Gemüse.

Das Ergebnis ist dann im aufgedruckten Logo auf der Vorderseite der Packung zu sehen – in einer fünfstufigen Skala von „A“ auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes „C“ bis zu einem roten „E“ für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgehoben.

Bei der deutschen Lebensmittelwirtschaft hält sich die Begeisterung in Grenzen – auch wenn das Modell mit fünf Farben differenzierter ist als nur mit drei. Die beiden Nutri-Score-Vorreiter in Deutschland setzen darauf, dass das neue Logo auch Kunden hierzulande anspricht.

Es sei unabhängig, wissenschaftlich abgesichert, leicht verständlich und habe bereits den Praxistest bestanden, heißt es beim Lebensmittelkonzern Danone. Der Tiefkühl-Anbieter Iglo will im Januar loslegen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch drängt, weitere Anbieter in Deutschland müssten folgen.

(dpa)