Billigpreise bei Fleisch sind längst keine Ausnahme mehr. Eine Tatsache, die eine Diskussion auf Bundesebene entfacht hat. Bisher wird Fleisch mit sieben Prozent besteuert. Nun haben die agrarpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen von SPD und Grünen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent ins Spiel gebracht. Die Mehreinnahmen sollen das Tierwohl verbessern, so könnten sie zum Beispiel Landwirten beim Umbau ihrer Ställe nutzen.

Ein Vorstoß, der für einen bundesweiten Aufschrei sorgt: Es melden sich Bauernverbände, Agrarminister und Schweinehalter zu Wort und sprechen sich gegen den Vorschlag aus. Doch nicht nur auf politischer Ebene wird debattiert, die Diskussion schlägt Wellen bis in die Region.

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Was sagen die Menschen aus der Region dazu?

Wie kommt der Vorschlag bei denen an, die die Erhöhung wirklich betreffen wird? Da ist der Metzger aus Villingen-Schwenningen, der um sein Geschäft fürchtet. Ein Tierschutzaktivist aus Konstanz, der glaubt, dass der Vorschlag den Fleischkonsum nicht reduzieren kann. Was sagt ein Landwirt, dessen Geschäft die Zucht von Schweinen ist? Und was meinen die Verbraucher? Eine Erhöhung könnte sie alle treffen – auf ganz unterschiedliche Weise.

Werner Schmidt, Metzger

Werner Schmidt aus Villingen-Schwenningen sieht den Umsatz seiner Metzgerei in Gefahr. Deshalb spricht er sich gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für Fleisch aus.
Werner Schmidt aus Villingen-Schwenningen sieht den Umsatz seiner Metzgerei in Gefahr. Deshalb spricht er sich gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für Fleisch aus. | Bild: Fröhlich, Jens

„Das ist doch Humbug“, sagt Werner Schmidt genervt. „Alle Fleisch- und Wurstwaren sollen um zwölf Prozent teurer werden, ohne dass wir Einfluss haben. Die Verbraucher werden sich einschränken müssen und damit auch die Verkaufszahlen nach unten gehen.“ Der Fleischer führt drei Filialen seiner Metzgerei Haller in Villingen-Schwenningen und Dauchingen und verkauft auch auf dem Wochenmarkt. In der Diskussion um die Mehrwertsteuererhöhung kam auch der Vergleich mit der Hafermilch auf. Diese ist im Gegensatz zum Fleisch mit 19 Prozent besteuert. „Vielleicht liegt das Problem eher bei der Hafermilch als beim Fleisch. Das betrifft viel weniger Verbraucher als bei einer Erhöhung von Fleisch.“ Er unterstützt den Vorstoß der Politik nicht, denn der 51-Jährige fürchtet um sein Geschäft. Die Erhöhung könne dazu führen, dass Kunden weniger Fleisch und Wurst kaufen. Eine Entwicklung, die seine Metzgerei nicht verkraften könne: „Wir können uns keine Umsatzrückgänge erlauben.“

Christof Stelz, Tierschutzaktivist

Christof Stelz lebt seit vielen Jahren vegan und ist Tierschutzaktivist. Ihm geht die Idee einer Mehrwertsteuererhöhung nicht weit genug.
Christof Stelz lebt seit vielen Jahren vegan und ist Tierschutzaktivist. Ihm geht die Idee einer Mehrwertsteuererhöhung nicht weit genug. | Bild: Wagner, Claudia

„Fleisch würde mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer zum Luxusgut werden. Das ist richtig, denn es besteht keine Notwendigkeit, Fleisch zu essen“, sagt Christof Stelz. Er ist Tierschutzaktivist und lebt seit vielen Jahren vegan. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, Stelz geht das aber nicht weit genug. „Es ist gut gemeint, aber nicht zu Ende gedacht. Ich glaube nicht, dass der Verbraucher dadurch seinen Fleischkonsum reduzieren wird. Er wird meckern, aber nichts ändern“, sagt der 52-Jährige, der Vorstand im Konstanzer Verein Animal Pride ist. „Benzin und Zigaretten werden auch ständig teurer und trotzdem kaufen es die Leute.“ Der Vorstoß in der Politik geht Stelz nicht weit genug: „Tiere sind Lebewesen und keine Lebensmittel.“ Er fordert ein Werbeverbot für Fleisch. Die Werbung würde die Menschen derzeit immer daran erinnern, dass Fleisch billig sei. „Es ist total verkehrt dafür zu werben. Ein Verbot würde mehr ins Bewusstsein gehen, sodass sie vielleicht ihr Verhalten ändern.“

Petra Edelmann, Fleischesserin

Petra Edelmann isst vier Mal in der Woche Fleisch. Ein gutes Stück darf auch mal teuer sein. Warum die Mehrwertsteuer erhöht werden soll, kann sie aber nicht nachvollziehen.
Petra Edelmann isst vier Mal in der Woche Fleisch. Ein gutes Stück darf auch mal teuer sein. Warum die Mehrwertsteuer erhöht werden soll, kann sie aber nicht nachvollziehen. | Bild: privat

„Ich glaube nicht, dass diese Erhöhung wirklich beim Produzenten ankommt“, sagt Petra Edelmann. Die 52-Jährige lebt in Konstanz und arbeitet bei einem Lohnsteuerhilfeverein. Sie isst drei bis vier Mal in der Woche Fleisch und das auch gerne. „Mir ist es wichtig, dass ich ein gutes Stück Fleisch habe und das darf dann auch mal teurer sein. Es sind die Menschen mit geringem Einkommen, die unter der Erhöhung leiden würden“, sagt Edelmann. Die Mutter von zwei Kindern glaubt nicht, dass eine höhere Mehrwertsteuer wichtig sei, um den Fleischkonsum in Deutschland zu verändern: „Das passiert doch schon ganz automatisch. Es gibt immer mehr Vegetarier und Veganer. Das Ernährungsbewusstsein hat sich in den letzten Jahren einfach geändert.“ Warum ausgerechnet Fleisch nun einen höheren Mehrwertsteuersatz haben soll als Milch, kann sie nicht nachvollziehen. „Für die Steuerpolitik in Deutschland ist das nicht der richtige Weg, wir zahlen schon genug Steuern“, sagt Edelmann.

Hubert Einholz, Landwirt

Hubert Einholz aus Salem hat eine Viehzucht. Er verdient sein Geld mit dem Verkauf von Schweinen. Die geplante Erhöhung sieht er deshalb kritisch.
Hubert Einholz aus Salem hat eine Viehzucht. Er verdient sein Geld mit dem Verkauf von Schweinen. Die geplante Erhöhung sieht er deshalb kritisch. | Bild: B.Conrads

„Wenn es an den Geldbeutel geht, wird der Verbraucher sich zurückhalten und weniger einkaufen“, sagt Hubert Einholz aus Salem. Der 55-Jährige hat auf seinem Hof Platz für 1800 Mastschweine. Der Preis, den er für ein Schwein bekomme, habe nicht immer viel mit dem zu tun, was an der Ladentheke beim Verbraucher ankomme. Die Diskussion um die Mehrwertsteuererhöhung von Fleisch sieht Einholz aber kritisch: „Wenn Verbraucher weniger Fleisch kaufen, trifft das am Ende uns Erzeuger. Wenn jeder Verbraucher ein Kilo weniger Fleisch im Jahr isst, merken wir das sofort.“ Er befürchtet, dass die Kunden durch die Erhöhung weniger Fleisch kaufen könnten: „Der Großteil der Konsumenten, sicher 95 Prozent, will nun einmal Billigfleisch. Die wollen nicht mehr bezahlen.“ Dass durch die Erhöhung Tierhalter beim Umbau unterstützt werden könnten, hält Einholz für sinnvoll. Umsetzbar sei ein Umbau aber nur für neue Landwirte. Ob die Erhöhung bei ihnen tatsächlich ankomme, sei ohnehin fraglich.

Constantin Rieder, Koch und Fleischesser

Constantin Rieder achtet auf seinen Fleischkonsum: Er isst nicht öfter als zwei Mal in der Woche Fleisch. Dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer beim Produzenten ankommt, glaubt er nicht.
Constantin Rieder achtet auf seinen Fleischkonsum: Er isst nicht öfter als zwei Mal in der Woche Fleisch. Dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer beim Produzenten ankommt, glaubt er nicht. | Bild: privat

Ein bis zwei Mal in der Woche isst der Konstanzer Constantin Rieder in der Woche Fleisch. Eine Mehrwertsteuerhöhung bei Fleisch hält er nicht für sinnvoll: „Die Frage ist doch eher, wie wir uns beim Fleischkonsum allgemein verhalten. Von einer Erhöhung profitiert nur der Staat, da kommt beim Erzeuger nichts an“, meint der Vater einer zweijährigen Tochter. Er arbeitet als Koch und beschäftigt sich daher viel mit Lebensmitteln. „Es gibt schon heute viele Möglichkeiten, gutes Fleisch zu kaufen. Ich bin bereit mehr Geld für Fleisch zu zahlen, wenn es beim Produzenten ankommt“, sagt der 45-Jährige. „Viele Verbraucher schauen nur, wo sie noch billigeres Fleisch bekommen. Der erste Schritt liegt also beim Verbraucher.“