Das ärgert viele: Mit zunehmendem Lebensalter gehen wichtige Versicherungen ordentlich ins Geld. Wer mit 75 noch hinterm Steuer sitzt, zahlt deutlich mehr für die Autoversicherung als Jüngere. Auch wer sich erst mit 45 Jahren gegen Berufsunfähigkeit, Kosten für Zahnersatz oder für eine Chefarztbehandlung absichern will, muss tiefer in die Tasche greifen. Wer spät dran ist, kann nur sparen, indem er vergleicht. Denn: Die Altersaufschläge sind nicht bei jedem Versicherer gleich hoch.

  • Autoversicherung: Seit über zehn Jahren gibt es den Seniorenzuschlag bei den Kfz-Versicherungen. Je betagter die Kundschaft, desto happiger die Prämien – langes, unfallfreies Fahren hin oder her. Die Versicherer berufen sich dabei auf die hohen Schäden, die ältere Autofahrer, statistisch betrachtet, verursachen. Einige verlangen daher schon ab dem 65. Lebensjahr mehr Geld. Ab Mitte 70 wird es nochmals empfindlich teurer. Ein 75-Jähriger muss im Schnitt 60 Prozent mehr für seine Autoversicherung locker machen als ein 20 Jahre jüngerer Fahrer (bei gleicher Schadensfreiheitsklasse), wie eine Tarif-Untersuchung des Ratgeberportals „Finanztip“ ergab. 80-Jährige zahlen oft doppelt so viel wie 55-Jährige. Aber: Die Aufschläge fallen nicht bei allen Versicherern gleich hoch aus. Wichtig ist daher, die Preise zu vergleichen und zu einem billigeren Anbieter zu wechseln. Senioren können ihr Auto auch auf die erwachsenen Kinder zulassen und damit bis zu 50 Prozent der Kosten sparen.
  • Zahngesundheit: Auch Zahnzusatzversicherer schauen genau hin, wen sie als Kunden vor sich haben. Auch hier gilt: Je höher das Einstiegsalter, desto teurer fällt die Prämie aus. Dass sich das Alter auf die Beitragshöhe auswirkt, ist vor allem auch bei Policen rund ums Thema Gesundheit spürbar, wie Bianca Boss, Sprecherin des Bunds der Versicherten, erklärt: „Die pauschale Risikobetrachtung der Versicherer ist nicht von der Hand zu weisen und statistisch belegt.“ Wenigstens fällt die Tarif-Staffelung bei den Zahnzusatzversicherungen etwas moderater aus als in anderen Sparten. Ein 25-Jähriger startet hier in einem ordentlichen Tarif (Zahnersatz mit 70 Prozent Leistung) bei bestenfalls gut 10 Euro pro Monat, ein 45-Jähriger mit circa 20, ein 55-Jähriger mit etwa 28 Euro, wie das Vergleichsportal Verivox vorrechnet. Auch Kunden, die sich den Schutz schon in jungen Jahren geholt haben, müssen mit zunehmendem Lebensalter mit Preissprüngen rechnen.
  • Krankenhaus: Kassenpatienten kommen mit einer privaten Zusatz­versicherung dem Status von Privatpatienten recht nahe. Sie können sich von Chef­ärzten behandeln lassen und im Ein- oder Zweibett­zimmer liegen statt im Mehr­bett­zimmer. Zudem darf das Krankenhaus frei gewählt werden. Wichtig: Wer die Police als junger, gesunder Mensch abschließt, kann ein Leben lang vom günstigen Tarif profitieren. Ein 25-Jähriger steigt etwa mit gut 24 Euro monatlich ein, ein 55-Jähriger mit fast 44 Euro (2-Bett-Zimmer, Chefarzt, Privatklinik), so Verivox.
  • Pflegezusatzversicherung: Je älter der Neukunde, desto höher fallen auch hier die Prämien aus. Während ein 25-Jähriger sich noch für gut 30 Euro im Monat eine leistungsstarke Pflegetagegeld-Police zulegen kann (70 Euro bei Pflegegrad 5, mindestens 40 Euro bei Pflegegrad 1, stabiler Beitrag), muss ein gesunder 40-Jähriger schon 63 Euro im Monat zahlen, wie Verivox vorrechnet. Für einen 60-Jährigen beträgt die Prämie stolze 143 Euro. Eine große Hürde kann zudem die Gesundheitsprüfung sein. Weil die meisten Menschen um die 60 nicht mehr kerngesund sind, ist sie in höherem Alter oft nicht mehr zu schaffen, gibt Straub zu bedenken.
  • Auslandskrankenversicherung: Für Bürger, die gern verreisen, ist sie ein wichtiger Schutz vor Krankheits- und Rücktransportkosten. Singles sind meist schon ab 10 bis 19 Euro jährlich dabei, Familien ab 20 Euro. Kommen Reisende aber ins Seniorenalter, werden sie kräftig zur Kasse gebeten. Schon ab 60 kann die Jahrespolice quasi über Nacht doppelt so teuer sein. Spätestens ab dem 65. oder 70. Lebensjahr sind Preissprünge gang und gäbe. In Einzelfällen bekommen betagte Neukunden ab dem 70. oder 75. Geburtstag gar keinen Auslandskrankenschutz mehr. Wer eine Dauerpolice hat und auf die 60 zugeht, sollte Preise vergleichen und gegebenenfalls wechseln.
  • Berufsunfähigkeit (BU): Diese Versicherung ist wichtig für alle, die auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind. Wer den Schutz haben will, sollte sich besonders früh, möglichst noch in Ausbildung oder Studium, um einen Vertrag kümmern. Während sich ein 25-jähriger Ingenieur noch für 59 Euro Prämie im Monat absichern kann (versicherte Rente: 2000 Euro monatlich), muss ein 45-Jähriger knapp 93 Euro dafür hinblättern, so Verivox. Auch der Beruf sowie Vorerkrankungen schlagen sich in der Prämie nieder. Wer viele Gesundheitsprobleme hat, wird meist abgelehnt oder muss hohe Aufschläge in Kauf nehmen. „Wer erst mit Anfang 50 oder noch älter eine BU abschließen will, ist in der Regel zu spät dran für diese existenzielle Police“, warnt Sascha Straub, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Bayern.