Auf der Insel Madagaskar, dem weltweit größten Produzenten von Vanille, ist die Ernte in vollem Gange. Noch grün werden die Schoten von den Vanille-Pflanzen gepflückt und in einem monatelangen Prozess getrocknet und fermentiert. Erst dann erhält man das duftende Gewürz, welches derzeit Rekordpreise erzielt. Noch vor fünf Jahren kostete das Kilo Vanille auf dem Weltmarkt 30 Euro. Heute ist Vanille mit einem Kilopreis von über 600 Euro mehr wert als Silber.

Der Trend zu gesunder und natürlicher Ernährung hat auch die Nachfrage nach natürlichen Inhaltsstoffen wie echter Vanille angekurbelt. Lange verwendeten Hersteller für Produkte wie Eiscreme, Pudding, Kuchen, Kekse oder Joghurt fast ausschließlich künstliche Vanille-Imitate aus dem Labor.

Vanille könnte noch teurer werden

Seit einigen Jahren wird vermehrt echte Vanille eingesetzt, unter anderem von großen internationalen Lebensmittelkonzernen wie Nestlé, Coca-Cola, Unilever und Mondelez. Als besonders beliebt gilt dabei die so genannten Bourbon-Vanille. Sie darf nur aus den Anbaugebieten Madagaskar, La Réunion oder von den Komoren stammen. Nun könnte sie noch teurer werden.

Das Mark einer Vanilleschote wird mit einem Löffelstiel herausgeschoben.
Das Mark einer Vanilleschote wird mit einem Löffelstiel herausgeschoben. | Bild: Roland Weihrauch

Denn auf der vor Afrikas Ostküste gelegenen Insel Madagaskar deuten erste Anzeichen auf ein knappes Angebot an Rohvanille hin – und damit auf höhere Erzeugerpreise. „Wir erwarten eine 20 bis 25 Prozent geringere Ernten als im Vorjahr“, sagt Georges Geeraerts, Chef von Madagaskars Vanille-Exportverband.

Das könnte Sie auch interessieren

Diebe sind großes Problem

Hinzu kommt die Sorge um eine schlechte Qualität der Schoten. Denn die steigenden Preise locken auch Diebe in die Vanille-Plantagen. Um ihnen zuvorzukommen, ernten die Bauern selbst viel zu früh – noch bevor sich die Aromastoffe voll entwickelt haben.

„Mit geringeren Preisen würden wir möglicherweise weniger Neid erzeugen und vor allem wieder bessere Qualität haben. Das würde auch eine Ausweitung von Produktion und Nachfrage ermöglichen“, sagt Georges Geeraerts.

Deutsche haben sich daran gewöhnt

Ab der Saat dauert es jedoch etwa vier Jahre, bis die anspruchsvollen Vanille-pflanzen zum ersten Mal blühen. Hinzu kommt, dass ihr Anbau als schwierig und aufwendig gilt. So müssen die Blüten beispielsweise einzeln von Hand bestäubt werden.

Die hohen Preise werden also noch eine Weile bleiben. Mit einem spürbaren Anstieg für die Verbraucher rechnet Vanille-Importeur Berend Hachmann aus Hamburg aktuell aber nicht. „Vielleicht zehn Prozent nach oben“, schätzt er. Auch hätten sich die Deutschen an die hohen Preise für ihr beliebtes Gewürz nun bereits gewöhnt.

Das könnte Sie auch interessieren

Andere Beispiele für schwankende Rohstoffpreise:

Bild: Carmen Jaspersen

Erbsen: Der Preis für Erbsen hat sich in den USA seit Jahresbeginn fast verdoppelt. Schuld daran sind vegane Fleischersatzprodukte aus Erbsenproteinen, insbesondere die Hamburger-Patties der US-Firma Beyond Meat. Lebensmittelriesen wie Nestlé oder Tyson Foods sind nun ebenfalls in den Markt mit Erbsen-Proteinen eingestiegen. Auch Lidl hat seit kurzem ein eigenes Produkt im Regal.

Bild: Markus Scholz

Haselnüsse: Fast 80 Prozent der Haselnuss-Welternte stammen von der türkischen Schwarzmeerküste. Eine frostige Märznacht vernichtete dort im Jahr 2014 die Hälfte der Früchte. Der Weltmarkt-Preis stieg um 60 Prozent, es kam zu Engpässen bei gemahlenen Haselnüssen. Viele europäische Süßwarenhersteller klagten über Umsatzeinbußen, die Verbraucherpreise wurden aber nur vereinzelt erhöht.

Bild: MATTHIAS BALK

Dinkel: „Dinkelbrötchen? Haben wir nicht.“ Im Jahr 2013 war Dinkel nach einer schwachen Ernte in Deutschland extrem knapp. Die Situation könnte sich wiederholen. Denn während Dinkel hierzulande immer beliebter wird, interessiert sich weltweit kaum jemand für das Getreide. Anders als etwa bei Weizen können Ernteausfälle deshalb nicht über Zukäufe vom Weltmarkt abgefangen werden.