Die Führungswechsel bei Volkswagen und der Deutschen Bank könnten ein Signal sein. Nach Jahren der Krisen in dem einen wie in dem anderen Unternehmen könnten sie bedeuten, dass sie ein Signal des Aufräumens und des Neuanfangs sind. Beide Unternehmen sind groß genug, um jede Menge Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Signale des Aufbruchs aus alten Strukturen könnten deshalb auch Strahlkraft auf andere Teile der Wirtschaft haben.

Aber wird dies der Fall sein? Zweifel sind angebracht. Matthias Müller hat den Volkswagen-Konzern gerade durch ein Rekordjahr geführt. Umsatz und Gewinne sind kräftig gestiegen. Doch die Diesel-Krise schwelt weiterhin vor sich hin. Die Führungsmannschaft in Wolfsburg nennt sie bis heute nicht beim Namen, etwa „Skandal“ oder „Betrug am Kunden“. Lug oder Trug – Umsatz und Gewinn sind wichtiger. Ob der neue Chef Herbert Diess da andere Prioritäten setzt?

Die Gemengelage dafür ist schon merkwürdig. Einerseits scheint es offensichtlich zu sein, dass Volkswagen seine Kunden bei den Abgaswerten seiner Dieselfahrzeuge belogen hat. Der Konzern stecke deshalb, so hieß es seit September 2015, in einer Vertrauenskrise. Das stimmt auch, soweit es Aufsichts- und Regulierungsbehörden betrifft. Die Kunden aber scheint dies nicht zu kümmern. Sie kaufen Volkswagen und Audi, Porsche und Seat wie noch nie, nur Autos mit Diesel-Antrieb sind nicht mehr so gefragt. Aber eher nicht der Abgaswerte wegen, sondern wegen drohender Fahrverbote.

Unter solchen Umständen ist nur schwer vorstellbar, dass der neue Volkswagen-Chef sich zu einer Demutsgeste hinreißen lässt und den Dieselkunden eine Nachrüstung oder eine Entschädigung anbietet. Solange die Bilanz stimmt. Aber die stimmte auch bei Matthias Müller. Warum also der Führungswechsel? Ganz anders erscheint der Fall der Deutschen Bank auf den ersten Blick. John Cryan wurde vor ein paar Jahren als grundsolider und sorgfältiger Sanierer beim Branchenprimus als neuer Vorstandschef eingeführt. Nach Jahren, in denen die größte deutsche Bank zum Schaden ihrer Kunden Zinsen manipuliert hatte, sollte der Brite das Image der Bank renovieren. Nun wurde der Vorstandsvorsitzende abgelöst, weil er es auch im dritten Jahr nicht geschafft hat, das Institut wieder in die schwarzen Zahlen zu führen.

Cryan hat alles Mögliche ausprobiert. Er hat sogar versucht, die Plünderung des Instituts durch seine eigenen Mitarbeiter zu bremsen. „Banker sind überbezahlt“, hatte er zu sagen gewagt und damit wohl vor allem jene Investmentbanker gemeint, die Jahr für Jahr Millionen-Boni absahnten – ohne Rücksicht auf die Profitabilität der gesamten Bank. Die Milliarden-Ausschüttungen fehlten der Bank am Ende. Und ihrem Chef. Die Eigentümer wollen Gewinne sehen. Für die muss nun Christian Sewing sorgen.

„Ehrlich währt am längsten“, heißt ein altes deutsches Sprichwort. Gilt es noch in der neuen Wirtschaftswelt? Kann man mit grundehrlichen Geschäften, mit denen man Kunden zufriedenstellt, noch gutes Geld verdienen? Viele Unternehmen handeln danach. Andere müssen es wohl erst wieder lernen.