Auffallend leise wurde im Deutschen Bundestag Ende Juni eine weitere Kredittranche für Griechenland bewilligt. Aber es geht nicht um Peanuts, sondern um gewaltige Summen. Es lohnt sich also, hinzuschauen: Sind weitere 15 Milliarden verloren? Noch im Februar hatte der Finanzstaatsekretär Michael Meister auf die Frage des Euro-kritischen Abgeordneten Klaus-Peter Willsch, ob die Bundesregierung davon ausgehe, dass Griechenland die erhaltenen Kredite vollständig tilgen wird, geantwortet: „Ja“. Dabei kann es nicht stimmen. So hat Griechenland seit Mai 2010 etwa 229 Milliarden Euro erhalten. Gleichzeitig wurden die Zinsen für diese Kredite gesenkt oder gestundet. Am 20. August 2018 soll Griechenland sein drittes Hilfsprogramm beenden. Dass das Land auch danach nicht auf eigenen Beinen stehen kann, ist offenkundig. Damit dies bis auf Weiteres niemandem auffällt, wird für Griechenland schon jetzt ein teures Abschiedspaket geschnürt. Und die Aussagen vom Februar sind schon wieder Makulatur.

Auf Sankt Nimmerleinstag verschoben

Denn die Eurogruppe beschloss im Juni nicht nur die Auszahlung einer weiteren Kredittranche in Höhe von 15 Milliarden Euro, sondern auch weitere Zinserleichterungen sowie eine Verschiebung der Tilgung. Eigentlich hätte Griechenland 2023 mit der Rückzahlung der Kredite aus dem zweiten Hilfsprogramm beginnen sollen. Nun wurde der Beginn auf den Sankt Nimmerleinstag im Jahr 2033 verschoben.

Weitere Kredite

Der Umgang mit Zahlen ist verräterisch: Obwohl die Troika den tatsächlichen Bedarf zur Deckung des Schuldendienstes auf 5,5 Milliarden Euro beziffert, werden nach dem neuen Beschluss stolze 15 Milliarden Euro überwiesen. Die restlichen 9,5 Milliarden Euro soll die griechische Regierung zum Aufbau eines „Liquiditätspuffers“ verwenden. Nach Auskunft des Bundesministeriums der Finanzen muss Griechenland in den nächsten Jahren etwa 16,5 Milliarden Euro für den Schuldendienst aufbringen. Was hier euphemistisch als „Liquiditätspuffer“ dargestellt wird, ist in Wahrheit nichts anderes als eine weitere Kreditlinie, die den griechischen Refinanzierungsbedarf für fünf Jahre zu über 90 Prozent abdeckt. Es ist ein buchhalterischer Trick. Noch ist ja Fußball-Weltmeisterschaft und schon Flüchtlingskrise – ein guter Zeitpunkt, um ein paar Milliarden gewissermaßen auf Vorrat durch den Bundestag zu schleusen.

Griechischer Staat verdient

Und dennoch wird immer wieder der Eindruck erweckt, wir müssten den Griechen dankbar sein – und nicht umgekehrt. So mahnte der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos kürzlich, man dürfe nicht vergessen, „was das griechische Volk in diesen acht Jahren durchmachen musste.“ Einige sagen sogar, wir Deutsche hätten kräftig am Leid der Griechen verdient. Das ist falsch. Denn der spanische Ökonom Pablo Triana hat errechnet, dass Griechenland für seine Schulden faktisch eine Prämie in Höhe von minus 0,28 Prozent erhält – es muß wegen des negativen Zinssatzes weniger zurückzahlen als es ausgezahlt erhalten hat. Auf diese Weise verdient der griechische Staat an seinen Schulden sogar noch Geld – zu Lasten deutscher Steuerzahler.

Das Schlimmste: Gerettet ist Griechenland nicht. Das Drama geht nach kurzer Pause weiter.