Friedrichshafen – In der Bankenbranche gibt es derzeit eine dominierende Tendenz: Immer mehr Prozesse können digitalisiert werden, so dass fast alle Banken für die selbe Arbeit weniger Mitarbeiter benötigen. Zudem werden immer mehr Bankkunden sozusagen selber zum Banker, indem sie ihre Überweisungen und Daueraufträge selber zu Hause am Computer ausführen, so dass es dafür keinen Bankkaufmann am Schalter braucht. Um ihre Kosten zu senken, bauen deshalb die meisten Banken Personal ab. Bestes Beispiel dafür ist der Personalabbau der beiden Branchengrößen Deutsche Bank und Commerzbank. Aber auch kleinere Banken wie beispielsweise die Sparkasse Bodensee haben zuletzt Jobs zusammengestrichen.

Anders ist die Lage beim Internationalen Bankhaus Bodensee (IBB) mit Sitz in Friedrichshafen. Die 1996 gegründete Bank hat Jahr für Jahr ihren Personalbestand aufgebaut. Aktuell beschäftigt das Institut 165 Mitarbeiter am Hauptsitz – zu viele um alle in ihrem Gebäude in der Albrechtstraße in der Nähe des Stadtbahnhofs unterzubringen. Deshalb zieht die Bank – wie sie gestern auf ihrer Jahrespressekonferenz mitteilte – im Juni in ein neues Gebäude im Competence Park in Flughafennähe. Dort hätte die Bank auf fast 5000 Quadratmetern Platz für 220 Mitarbeiter, so dass sie perspektivisch weiter wachsen kann. Im Competence Park sind zahlreiche große Unternehmen wie der Autozulieferer ZF oder der Motorenbauer RRPS, aber auch kleinere Start-ups angesiedelt. Eine Kindertagesstätte und zwei Restaurants zählen auch zur Infrastruktur des Competence Parks.

Der Umzug sei ein Bekenntnis zum Standort Friedrichshafen, sagte IBB-Vorstand Klaus Gallist. "Durch die Umzugsentscheidung steht nun fest, dass wir auf Jahrzehnte hinaus in Friedrichshafen bleiben werden", so Gallist. Die IBB setzt im Zuge des Umzugs auch auf eine neue Raumstruktur. So soll es nur noch wenige Einzelbüros geben. Die Mehrzahl der Mitarbeiter werde in offenen Arbeitsbereichen arbeiten.

Getragen wird der Personalaufbau von stetig steigenden Einnahmen. "Wir haben das beste Geschäftsjahr unserer Geschichte hinter uns", sagte Gallist. So steigerte das IBB sein Betriebsergebnis vor Steuern um 23,3 Prozent auf 12,7 Millionen Euro. Auch beim Eigenkapital, beim Geschäftsvolumen, beim Zinsüberschuss und bei der Bilanzsumme ging es nach oben.

Das IBB sieht ihren Erfolg in ihrer Spezialisierung begründet. "Als Nischenbank konzentrieren wir uns ganz bewusst auf wenige Geschäftsbereiche", sagte Gallist. So betreut die Bank vermögende Privatkunden, verzichtet aber auf ein breites Privatkundengeschäft. Auch im Firmenkundengeschäft hat sich die Bank auf mittelständische Unternehmen aus dem Südwesten spezialisiert.

Hauptaktionäre der IBB AG sind die Würth Finanz-Beteiligungs-GmbH und die Hypo Vorarlberg Bank AG. Die Würth Finanz-Beteiligungs-GmbH hält 94 Prozent und die Hypo Vorarlberg Bank AG hält 6 Prozent der Anteile. Die IBB AG unterhält neben ihrem Hauptsitz in Friedrichshafen Standorte in Konstanz, Radolfzell, Freudenstadt, Künzelsau und München. Diese Standorte seien von den Umzugsplänen nicht betroffen, teilte die IBB mit.