Villingen-Schwenningen – Der Schwarzwälder Autozulieferer IMS Gear hat erstmals die Schallmauer von einer halben Milliarde Euro Umsatz geknackt. Wie das Unternehmen mitteilt, wuchs der Erlös im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 515 Millionen Euro. In diesem Jahr rechnet IMS Gear sogar mit einem Umsatzwachstum von neun Prozent. Sollte diese Prognose eintreffen, würde das Familienunternehmen auf einen Umsatz von über 560 Millionen Euro kommen.

Auch bei der Mitarbeiterzahl geht es für IMS Gear weiter bergauf. Aktuell beschäftigt das Unternehmen gut 3400 Mitarbeiter. Ende des laufenden Jahres sollen es schon über 3900 sein. Vor allem in China will der Autozulieferer zulegen. Doch auch an den deutschen Standorten in Donauschingen, Trossingen und Eisenbach stellt das Unternehmen mehr Mitarbeiter ein. Um das personelle Wachstum aufzufangen, ist IMS Gear deshalb gerade dabei, einen vierten Deutschland-Standort in Villingen-Schwenningen zu errichten. Da das Forschungszentrum in der Konzernzentrale in Donaueschingen wachsen soll, zieht ein Teil der Produktion nach Villingen-Schwenningen. 200 Arbeitsplätze sollen so in der Doppelstadt entstehen. Für den Aufbau des neuen Standorts habe das Unternehmen einen Betrag im unteren zweistelligen Millionenbereich investiert.

IMS-Vorstand Dieter Lebzelter stellte angesichts des Wachstumstrends jedoch klar, dass Wachstum kein Selbstzweck sei. "Es geht um Profitabilität", sagte er. Doch auch in diesem Segment kann IMS Gear punkten. So lag die Umsatzrendite 2017 bei acht Prozent.

Den Löwenanteil seines Umsatzes erwirtschaftet IMS Gear mit 313 Millionen Euro nach wie vor in Europa. Der Erlös in Nord- und Südamerika ist mit 162 Millionen Euro nur halb so groß. Der Umsatz in China liegt derzeit bei 40 Millionen Euro, soll aber in den nächsten Jahren deutlich wachsen. 30 Prozent der Investitionen sollen künftig ins Reich der Mitte fließen, kündigte IMS-Vorstand Wolfgang Weber an.

Sorgen bereitet IMS Gear einzig der Fachkräftemangel. So sei es trotz der hohen Löhne in der Metallbranche oft schwierig, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Um auf den Wachstumskurs nicht durch Personalmangel gebremst zu werden, setzt IMS Gear vor allem auf die Ausbildung. Aktuell absolvieren 200 Azubis eine Lehre beim Autozulieferer.

Das Unternehmen

IMS Gear geht zurück auf das 1863 in Eisenbach gegründete Unternehmen Johann Morat & Söhne. Von einem Zulieferbetrieb für die Uhrenindustrie entwickelte sich das Unternehmen zu einem Spezialisten für Zahnrad- und Getriebetechnik. 1992 richtete sich IMS Gear auf den Automobilbereich aus. Neben der Zentrale in Donaueschingen produziert IMS Gear in Eisenbach, Trossingen, Querétaro (Mexiko), Taicang (China) sowie in Gainesville und Virginia Beach (USA) und ab September in Villingen-Schwenningen. (td)

IMS Gear und der Branchenwandel

  1. .Welche Trends bestimmen gerade die Autobranche? IMS-Vorstand Bernd Schilling identifizierte drei Trends, welche die Autobranche und damit auch IMS Gear zum Umdenken zwingen: Die Elektrifizierung, die digitale Vernetzung und das autonome Fahren.
  2. .Wie wirken sich diese Trends auf IMS Gear aus? "Für uns ist der technologische Wandel eher Chance als Bedrohung", sagte Schilling. Auch autonom fahrende Autos benötigten mechatronische Antriebe und Komponenten, um die Fahrzeuge zuverlässig beschleunigen, bremsen und lenken zu können. "Unser Anteil daran sind mechanische Getriebe und Antriebskomponenten im Bereich Lenken und Bremsen, darunter Parkbremsen und Komponenten für elektromechanische Servolenkungen“, sagte Schilling. Viele IMS-Produkte – wie zum Beispiel elektrische Verstellungen, um beispielsweise Sitz, Lenkrad oder Spiegel auf die Körpermaße des Fahrers einzustellen – seien unabhängig von der Antriebsart.
  3. .Hat der Diesel noch eine Zukunft? Glaubt man Bernd Schilling, dann hat der Dieselantrieb keine große Zukunft mehr. "Der Diesel wird langfristig verschwinden", glaubt er. Auf lange Sicht werde sich der Elektroantrieb durchsetzen.
  4. .Wie viele IMS-Komponenten stecken eigentlich durchschnittlich in einem Fahrzeug? Pro Jahr verkauft IMS Gear etwa 700 Millionen Bauteile. Bei einem Produktionsvolumen von 100 Millionen Fahrzeugen weltweit pro Jahr sind pro Fahrzeug rein rechnerisch sieben IMS-Komponenten enthalten.

Thomas Domjahn