Pläne von US-Präsident Donald Trump, das Impfstoff-Wissen des Tübinger Bio-Tech-Unternehmens Curevac exklusiv für die USA zu sichern, sind vom Tisch. „Wir wollen einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln und nicht für einzelne Staaten“, sagte der Geschäftsführer und Mitbegründer des Curevac-Hauptinvestors Dievini-Hopp-BioTech, Christof Hettich am Sonntag dem „Mannheimer Morgen“. Ein Exklusivvertrag etwa mit den USA für einen Corona-Impfstoff komme für Curevac nicht in Frage.

Impfstoff nur für US-Bürger?

Dem vorhergegangen waren Medienberichte, wonach Trump versuche, deutsche Curevac-Wissenschaftler mit hohen finanziellen Zuwendungen nach Amerika zu locken oder das Medikament exklusiv für sein Land zu sichern, also Bürgern anderer Länder vorzuenthalten. Einem Bericht der „Welt“ zufolge tue Trump alles, um einen Impfstoff für die USA zu bekommen. „Aber eben nur für die USA“, heißt es.

Deutsche Politiker äußerten Missfallen und harsche Kritik an den Plänen. „Der Kapitalismus hat Grenzen“, schrieb der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Der exklusive Verkauf eines eventuellen Impfstoffes an die USA müsse mit allen Mitteln verhindert werden. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer schrieb auf Facebook, es gehe darum, zusammen zu arbeiten und nicht gegeneinander.

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Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen Curevac forscht an Medikamenten für Krebstherapien, aber auch an Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten. Seit Januar forcieren die Tübinger auch ihre Corona-Forschung und sind dabei offenbar auf Augenhöhe mit Pharmakonzernen. Anfang März empfing US-Präsident Trump den damaligen Curevac-Chef Dan Menichella zusammen mit acht Vertretern von Pharmafirmen im Weißen Haus, um sich die Fortschritte beim Kampf gegen das Virus erläutern zu lassen. Menichella ist US-Staatsbürger und gilt in der US-Pharmabranche als gut vernetzt. Bis zu seinem Sprung an die Curevac-Spitze leitete er das US-Geschäft der Tübinger.

Mäzen Dietmar Hopp macht seinen Einfluss geltend – kein Know-How-Abfluss in die USA

Seine Karriere bei dem Schwäbischen Top-Unternehmen ist nun aber vorbei. Kurz bevor die Trump-Pläne zur unfreundlichen Übernahme des Curevac-Wissens öffentlich wurden, wurde Menichella am vergangenen Freitag an der Spitze des Unternehmens abgelöst. Auf den Führungswechsel soll der Curevac-Hauptanteilseigner, der Mäzen Dietmar Hopp, gedrängt haben. Nun hat bei Curevac wieder Ingmar Hoerr das sagen, der das Unternehmen bis 2018 als Vorstandschef leitete. Aus Branchenkreisen verlautete am Sonntag Menichellas zu große Nähe zu Trump, habe wohl den Ausschlag für seine Abberufung gegeben.

Hohe Hürden für Auslandsinvestitionen in strategischen Bereichen

Unklar ist indes, wie Trump sich das Geschäft mit Curevac vorgestellt hat. Im Zuge der Übernahme des Roboterbauers Kuka durch einen chinesischen Investor hat der Bund seine Regeln bei ausländischen Firmenübernahmen deutlich verschärft – ein Umstand auf den auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Wochenende hinwies. Ein Know-How-Abfluß gegen den Willen des Bundes in einem strategischen Bereich wie der Pharmaforschung gilt seither als schwierig.

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