Pläne des britischen Triebwerkbauers Rolls-Royce (RR) Tausende Stellen zu streichen, könnten auch Auswirkungen auf Jobs in Deutschland haben. "Betroffen könnten auch die Triebwerksstandorte in Dahlewitz nahe Berlin und in Oberursel im Taunus sein", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person unserer Zeitung. In Dahlewitz fertigt RR hauptsächlich kleine Jetturbinen, in Oberursel Bauteile für Großaggregate, etwa für Boeing-Jets. Britische Medien hatten zuvor berichtet, RR plane bis zu 4000 seiner weltweit rund 50 000 Stellen zu streichen.

Im Hintergrund steht eine Neuausrichtung des weltweit drittgrößten Triebwerksherstellers, infolge dessen die Konzernstruktur deutlich verschlankt wird. Bekannt ist zudem, dass es Probleme mit der Lebensdauer von RR-Triebwerken gibt. Die betroffenen Trent-Aggregate, die etwa im Boeing-Dreamliner verbaut sind, müssen vorzeitig gewartet oder ausgetauscht werden, was sich auch auf die Luftfahrt auswirkt. Was genau der Grund der nun geplanten Stellenstreichungen ist, wird RR-Chef Warren East am Freitag (14. Juni) vor Investoren erläutern.

Die Friedrichshafener RR-Tochter Rolls-Royce-Power-Systems (RRPS) kommt nach Informationen unserer Zeitung mit einem blauen Auge davon. Aufgrund einer bis April 2020 gültigen Standortsicherung seien Jobverluste bei RRPS ausgeschlossen, sagte RRPS-Betriebsratschef Thomas Bittelmeyer unserer Zeitung. Allerdings trennten sich die Friedrichshafener auf Druck der Konzernmutter jüngst von einem hochprofitablen Unternehmensteil – dem Dieselspezialisten L'Orage aus Stuttgart. Der Erlös floß nach England.

Im Rahmen des Programms RRPS 2018 baut die MTU-Mutter allerdings seit rund zwei Jahren Stellen ab. Ziel ist es, 500 Posten zu streichen, etwa über Abfindungszahlungen. Mehr als 300 Jobs sind schon weggefallen.

Nach Jahren der Flaute, zogen die Geschäfte bei RRPS zuletzt wieder deutlich an. 2017 stiegen sowohl Umsatz als auch Gewinn deutlich.