Der kriselnde Mischkonzern ThyssenKrupp zieht die Notbremse: Die seit Monaten geplante Fusion des Stahlgeschäfts mit dem Indischen Konkurrenten Tata Steel wird abgesagt, die Aufzugssparte an die Börse gebracht und Tausende Mitarbeiter müssen gehen.

Dem Konzern fehlt das Geld

„Wir werden die Teilung des Unternehmens absagen. Der Konzern bleibt als Ganzes erhalten. Gleichzeitig bauen wir ein grundlegend neues ThyssenKrupp„, sagte Konzern-Chef Guido Kerkhoff am Freitag. Teil des neuen Plans ist es die Aufzugssparte an die Börse zu bringen. Dies werde der Vorstand dem Aufsichtsrat vorschlagen, sagte Kerkhoff. Damit werde die Kapitalbasis des Unternehmens substanziell gestärkt. Der erwartete Erlös gebe ThyssenKrupp die Flexibilität, alle Geschäfte konsequent weiterzuentwickeln.

Die Aufzugssparte ist hoch profitabel

Die Aufzugssparte, deren Aushängeschild in Baden-Württemberg ein moderner Test-Turm in Rottweil ist, ist der profitabelste Unternehmensteil im gesamten Konzern. Seine Bewertung an der Börse übersteigt die des gesamten Unternehmens. Mit knapp 900 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2017/18 verdiente die Sparte operativ nur etwas weniger als die übrigen vier Konzernteile zusammen. Technologisch gelten die Aufzugsbauer als weltweit führend – auch dank seilloser Aufzüge wie sie in Rottweil getestet werden. Der Grund für den jetzt geplanten Börsengang: ThyssenKrupp fehlt das Geld, den anstehenden Konzernumbau zu meistern. Restrukturierungen oder Veränderungen im Portfolio belasteten Eigenkapital und Cashflow, sagte Kerkhoff. Beides sei knapp. „Unsere Eigenkapitalquote liegt aktuell unter 10 Prozent. Und das Schlimmste: Wir kommen da seit Jahren nicht vom Fleck“.

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Der einstige Dax-Vorzeigekonzern ist seit Jahren in schwerem Fahrwasser. Insbesondere leiden die Essener unter Altlasten aus Milliarden-Fehlinvestitionen in den USA und Brasilien. Probleme bei Werken dort kosteten das Unternehmen bis heute rund acht Milliarden Euro. Außerdem leidet das Stahlgeschäft seit Jahren unter massiven Überkapazitäten, die von chinesischen Stahlkochern ausgelöst werden, die mit ihren Produkten auf den Weltmarkt drängen. Eine Fusion der Thyssen-Stahl-Sparte mit jener des indischen Konkurrenten Tata Steel sollte Abhilfe schaffen. Man erwarte, dass die EU-Kommission die Fusion untersage, sagte Kerkhoff nun.

4000 Jobs in Deutschland sollen wegfallen

Aufgegeben werden damit auch die Pläne für eine Konzernaufspaltung. Der Vorstand werde dem Aufsichtsrat nun vorschlagen, „die geplante Teilung in zwei eigenständige, unabhängige Unternehmen abzusagen“. Wie der ThyssenKrupp mitteilte, will der Konzern nun 6000 Stellen abbauen, davon 4000 Stellen in Deutschland. Ob auch Beschäftigte in Baden-Württemberg betroffen sind, konnte ein Sprecher am Freitag nicht sagen.