Herr Heidorn, US-Banken wie JPMorgan Goldman Sachs scheffeln wieder Milliarden-Gewinne. Wird wieder gezockt?

US-Banken haben den Vorteil, dass sie viel höhere Preise verlangen können, auch von Privatkunden. Am amerikanischen Kapitalmarkt werden deutlich mehr Kredite verbrieft als in Europa. Das erschließt weitere Einnahmequellen. Und die Folgen der Krise wurden in den USA viel schneller bereinigt, Banken viel schneller wieder mit frischem Kapital versorgt.

Durch die derzeitigen Turbulenzen in der Türkei befürchten Beobachter Krisen auch in anderen Schwellenländern. Könnte aus dieser Ecke eine neue Finanzkrise entstehen?

Nein. Protektionismus und der Zollstreit stimmen viel sorgenvoller als die Türkei. In der EU rumort es nicht nur wegen des Brexit. Auch andere Länder wollen sich abschotten. Das sind riesige Rückschritte. Italien ist gerade dabei, sich selbst zu zerlegen. Die Unruhe in der Eurozone ist greifbar. Wenn Präsident Macron in Frankreich keinen Erfolg hat, dürfte es ebenfalls massive Probleme geben. Ein protektionistisches Frankreich wäre grotesk. Die EU aufs Spiel zu setzen ist fatal. Das Finanzsystem ist nicht sicherer als 2008.

Vor Kurzem hat sich die Royal Bank of Scotland wegen windiger Hypothekengeschäfte vor Ausbruch der Finanzkrise mit dem US-Justizministerium auf eine Strafzahlung von fast fünf Milliarden US-Dollar verständigt. Wie lange müssen wir noch mit solchen Nachwirkungen der Finanzkrise leben?

Die meisten Dinge dürfen abgearbeitet sein. Aber die Verfahren dauern extrem lange. Es sind Vorgänge, die die Krise mit ausgelöst haben.

Inwiefern?

Die Kredite, die US-Banken unter dem Stichwort Subprime verkauft haben, waren faktisch wertlos. Das hat die Schadensersatzansprüche ausgelöst. Die Banken haben die Risiken dieser Papiere – wohlwollend formuliert – völlig unterschätzt.

Aber in den USA waren Hauskäufe auch für Menschen, die es sich eigentlich nicht leisten können, ausdrücklich gewünscht.

Die Politik hat Finanzierer gedrängt, riskante und wenig abgesicherte Kredite zu vergeben. Gleichzeitig waren Investoren gierig auf die Subprime-Papiere. Wenn eine deutsche Landesbanken, wie geschehen, solche Papiere kauft und einräumt, sie nicht verstanden zu haben, ist das absurd.

War es ein Fehler, Lehman in die Pleite rutschen zu lassen?

Ich kann die US-Notenbank verstehen, die sagte, mit dubiosen und hochriskanten Geschäften musste endlich Schluss sein. Aber sie hat den Dominoeffekt unterschätzt. Andererseits war Lehman nur die Spitze des Eisbergs. Da waren viele faktisch wertlose Papiere und Portfolios unterwegs.

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