Der japanische Pharmariese Takeda steht vor einer der größten Firmen-Übernahmen der vergangenen Jahre. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmten die Takeda-Eigner am Mittwoch in Tokio dem 62 Milliarden US-Dollar (55 Milliarden Euro) teuren Kauf des irischen Konkurrenten Shire zu. Nach der Zustimmung der maßgeblichen Kartellbehörden fehlt jetzt nur noch das O.K. der Shire-Aktionäre. Ein Ablehnung hier gilt in Fachkreisen aber als unwahrscheinlich. Falls das Geschäft gelingt, würde es Takeda mit einem Umsatz von rund 30 Milliarden Euro in die Top-Liga der Pharmahersteller weltweit katapultieren.

Ein Ziel sind auch Einsparungen

Der japanische Konzern, der für Krebsmedikamente, aber auch für Magenmittel wie Pantozol bekannt ist, verfügt über mehrere Werke in Deutschland, darunter in Singen am Hohentwiel. Dort sind aktuell rund 940 Mitarbeiter beschäftigt. Dazu kommen 130 Verwaltungsjobs in Konstanz. Weitere Standorte im Inland sind Berlin und Oranienburg. Eine Takeda-Sprecherin sagte dem SÜDKURIER, es sei noch zu früh, mögliche Auswirkungen der Übernahme auf einzelne Standorte zu beurteilen. Die Produktion in Singen sei aber "sehr gut aufgestellt". Klar ist dennoch, dass eines der Ziele des Geschäfts neben einer festeren Aufstellung in Wachstumsbereichen auch Einsparungen sind. Takeda-Chef Christophe Weber sprach in Tokio von Synergien in Höhe von mindestens einer Milliarde Euro pro Jahr, die durch den Kauf des irischen Konkurrenten erzielt werden sollten.

Takeda will Wirkstoffe von Shire

Generell steht Takeda aus mehreren Gründen unter Druck. Die gesamte Branche ist seit Jahren im Fusionsfieber. Das Gesamtvolumen der Zusammelschlüsse hat sich seit 2013 auf weltweit rund 200 Milliarden Dollar pro Jahr glatt verdoppelt. Grund sind laut einer Branchenstudie des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY) dürftige Umsatzaussichten, die maßgeblich von Sparbemühungen öffentlicher Gesundheitssysteme ausgelöst sind. Zudem kann die Innovationskraft vieler Unternehmen nicht mit den Renditeerwartungen des Kapitalmarkts mithalten. Als Folge kaufen sich insbesondere Großfirmen vermehrt Technologieträger mit vielversprechenden Medikamenten zu, um damit ihr künftiges Wachstum abzusichern. Damit umgehen sie zudem die immer teurer werdende Eigenentwicklung von Wirkstoffen. Branchenkenner gehen davon aus, dass es Takeda insbesondere auf die pralle Produktpipeline der Iren abgesehen haben. Shire hat 5 Wirkstoffe im Zulassungsverfahren, 15 stehen kurz davor, den Behörden vorgestellt zu werden. Insbesondere verfügt Shire über ein Top-Produkt zur Behandlung der Bluterkrankheit.

Attraktive Nischen-Medikamente

Derartige Nischen-Medikamente gelten als sehr attraktiv und fahren trotz geringer Betroffenenzahlen mitunter Milliardenumsätze ein. Mit Shire wolle man eine führende Position etwa im Bereich seltener Erkrankungen erlangen, heißt es offiziell von Takeda. Außerdem erwartet man mehr Marktanteile bei Krebsmedikamenten und Impfstoffen. entsprechende Aktivitäten werden derzeit auch in Singen vorangetrieben. Über 100 Millionen Euro hat Takeda in den Aufbau einer Produktion für einen Impfstoff gegen Dengue-Fieber im Badischen investiert. 2019 sollen die Anlagen betriebsbereit sein.