Strom wird für die Deutschen immer teurer. Seit Jahresbeginn haben bereits mehr als zwei Drittel der Stromanbieter die Preise erhöht. Für einen typischen Haushalt mit einem Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden bedeutet das eine jährliche Mehrbelastung von etwa 60 Euro, das hat das Vergleichsportal Verivox berechnet. Entgegenwirken kann dem nur, wer den Anbieter wechselt – doch knapp 70 Prozent der Deutschen lassen sich der Bundesnetzagentur zufolge nach wie vor von ihren lokalen Stadtwerken beliefern. In letzter Zeit sind nun immer mehr Online-Portale entstanden, die wechselfaulen Kunden ihre Hilfe anbieten.

  1. Was können diese Wechsel-Dienste? Anbieter wie SwitchUp, Cheapenergy24 oder Esave versprechen ihren Kunden, für sie die Strom- und Gastarife automatisch jedes Jahr zu optimieren. Hierfür werden die Tarife der mehr als 1000 Energie-Versorger auf dem deutschen Markt nach den Verbrauchsangaben und Wünschen der Kunden verglichen und daraus persönliche Wechselempfehlungen erstellt. Ist man mit dieser Empfehlung einverstanden, übernehmen die Anbieter auch den Wechsel.
  2. Worin liegt der Mehrwert zu den klassischen Vergleichsportalen? Auch die klassischen Vergleichsportale wie Verivox oder Check24 vergleichen nach Eingabe der persönlichen Verbrauchsdaten alle Stromtarife und schlagen Angebote vor, in die der Kunde auch direkt wechseln kann – ohne die Kündigung beim derzeitigen Anbieter selbst übernehmen zu müssen. „Die wesentlichen Vorteile der Wechseldienste liegen darin, dass sie die Kunden über den ersten Wechsel hinaus über Jahre hinweg betreuen“, sagt Marion Weitemeier von der Stiftung Warentest, welche die Tarifaufpasser jüngst in einem Langzeittest geprüft hat. Die Dienste erinnern an Kündigungsfristen, warnen vor Preiserhöhungen und schlagen günstigere Angebote vor. Und sie versprechen ihren Kunden, die Qualität von Anbieter und Tarif vor dem Wechsel zu prüfen, unseriöse Versorger auszusortieren und an diese keine Kunden zu vermitteln. Das scheint auch zu funktionieren. „In unserem Testzeitraum von Oktober 2017 bis Dezember 2018 hat beispielsweise kein Dienst die mittlerweile insolvente und schon vorher auffällige Bayerische Energieversorgung (BEV) empfohlen“, sagt Marion Weitemeier von der Stiftung Warentest.
  3. Wie viel Geld lässt sich mit den Wechsel-Diensten sparen? Die 27 Testhaushalte, die für die Stiftung Warentest neun Wechseldienste getestet haben, konnten alle durch die Nutzung der Dienste sparen – und zwar zwischen 73 Euro und mehr als 400 Euro im Jahr, je nach Verbrauch, Wohnort und bisherigem Anbieter und abzüglich der Kosten für die Wechseldienste. „Unser Durchschnittskunde spart etwa 300 Euro bei seinem Stromvertrag und 600 Euro bei seinem Gasvertrag brutto vor Abzug unseres Anteils“, sagt Alexander Honold, Geschäftsführer des Wechsel-Dienstes Esave aus Radolfzell.
  4. Sind die Wechseldienste wirklich für alle Verbraucher empfehlenswert? Eigentlich ist es nicht schwer, den Stromanbieter zu wechseln und bereits die klassischen Vergleichsportale liefern eine gute Hilfe. „Es gibt genug Handreichungen, um den Wechsel selbst zu machen“, findet auch Matthias Bauer, Energieexperte von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Da aber trotzdem fast 70 Prozent der Deutschen sich nach wie vor von ihrem Stadtwerk vor Ort beliefern lassen, wie aktuelle Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen, sieht er die Wechseldienste trotzdem „als neue Möglichkeit, die Kunden zum Wechsel zu animieren“. Auch Marion Weitemeier von der Stiftung Warentest empfiehlt sie insbesondere den vergleichsfaulen Kunden. „Wer keine Lust hat, sich Jahr für Jahr um den Stromanbieterwechsel zu kümmern, für den sind die Tarifaufpasser eine gute Wahl, um die Energiekosten bequem zu senken. Aber selbst für Kunden, die bereits aktive Wechsler sind, können sich die Dienste lohnen. Dann nämlich, wenn sie bislang auf Dinge wie einmalige Wechselboni oder besonders günstige Tarife im ersten Jahr verzichtet haben – aus Angst, den Vertrag nicht rechtzeitig wieder zu kündigen und dann in einen teuren Folgevertrag hineinzurutschen. „Eine nennenswerte Ersparnis über mehrere Jahre kann aber nur erzielen, wer Neukundenboni oder Neukundenrabatte mitnimmt. Da diese nach dem ersten Jahr wieder wegfallen, empfehlen wir den jährlichen Wechsel. Wer das nicht selbst konsequent tut, ist bei einem entsprechenden Service gut aufgehoben“, sagt Alexander Honold vom Wechseldienst-Anbieter Esave aus Radolfzell.
  5. Was verlangen die Wechseldienste für ihren Service? Das kommt auf das Geschäftsmodell an. Die meisten der von der Stiftung Warentest empfohlenen Tarifaufpasser wie Esave, Wechselpilot und Wechselstrom berechnen für ihren Dienst einen Anteil von 20 bis 30 Prozent der Ersparnis. Auch eine für den Verbraucher kostenfreie Lösung ist unter den Testsiegern: Das Berliner Startup Switchup finanziert sich über Provisionen, welche die Stromanbieter für die Neukundengewinnung zahlen. Die klassischen Vergleichsportale wie Verivox oder Check24 arbeiten ebenfalls nach diesem Geschäftsmodell.
  6. Bieten die Dienste wirklich ein Rundum-Sorglos-Paket? Nein, dem Kunden wird nicht alles abgenommen: Je nachdem, was mit dem Wechseldienst vereinbart wird, bekommt man mehrere Vorschläge zur Auswahl oder auch nur ein Angebot. „Aber selbst bei diesem muss man natürlich die Vertragsunterlagen dann auf Richtigkeit prüfen“, sagt Energie-Experte Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Auch kommuniziert der Stromanbieter weiter direkt mit seinen Kunden. „Kommt beispielsweise eine Preiserhöhung per Post, muss ich diese an den Wechseldienst weiterleiten“, sagt Marion Weitemeier von der Stiftung Warentest. Und gibt es für den Wechsel einen Bonus, müsse der Kunde selbst prüfen, ob dieser auch wirklich auf dem Konto gutgeschrieben wurde.
  7. Sind die Dienste reine Online-Angebote? Nein, die Stiftung Warentest hat in ihrem Vergleich von neun Wechseldiensten auch vier entdeckt, die ohne Internet nutzbar sind und eine Kommunikation per Telefon und Brief anbieten: das Familienunternehmen Esave aus Radolfzell sowie die Anbieter Wechselstrom, Wechselfabrik und Switchandsave.
  8. Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Damit die Wechseldienste den Kunden passende Angebote unterbreiten können, müssen sie auch jede Menge persönliche Daten erheben. „Das birgt immer auch das Risiko für die Verbraucher, dass sie nicht wissen, was mit diesen Daten irgendwann vielleicht mal noch passiert“, sagt Matthias Bauer, Energie-Experte von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Stiftung Warentest hat in ihrem Test die Datenschutzerklärungen der Anbieter geprüft. Ihr Fazit: Bei acht Anbietern gab es keine oder nur sehr geringe Mängel. Allein der Anbieter Energyhopper fiel mit deutlichen Lücken in diesem Bereich auf.