Seine Beliebtheit macht ihn zur Rarität: Weil es im Bodensee zu wenig Nahrung für die Fische gibt und die Fangquoten einbrechen, gleichzeitig aber die Nachfrage steigt, kommt der Felchen auf den Tellern rund um den Bodensee bereits zu zwei Dritteln aus dem Ausland.

200 Tonnen Wildfang standen im Jahr 2017 insgesamt 400 Tonnen Importfisch gegenüber. Reinhold Pix, Fischereiexperte der Grünen-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, setzt daher auf regionale Massenzucht.

Ein wissenschaftlich begleiteter Pilotversuch mit sogenannten geschlossenen Kreislaufanlagen (KLA), einer nachhaltigen Aquakultur, soll zeigen, ob die Nachfrage auch mit Zuchtfischen regionaler Produktion gedeckt werden kann. „Diese könnten, zusätzlich zum Wildfang als Premium-Produkt, auch von den Fischern vermarktet werden“, sagt Pix.

Investition von 5 bis 6 Millionen Euro

Mit einem Investitionsvolumen von 5 bis 6 Millionen Euro, schätzt Pix, könnte ein mehrjähriger Versuch finanziert werden. „Für andere Fischarten, zum Beispiel Forellen, funktionieren die KLA wunderbar“, sagt Pix. „Dänemark exportiert diesen Fisch bereits international in großem Stil. Das zeigt, dass die Anlagen wirtschaftlich betrieben werden können.“

Felchenschwarm in einer Aquakultur: Ist das die Lösung?
Felchenschwarm in einer Aquakultur: Ist das die Lösung? | Bild: Felix Kästle/dpa

Deutliche Worte findet dagegen Alexander Brink, Leiter der Fischereiforschungsstelle des Landes in Langenargen: "Das hätten wir auch gerne. Aber mit dem Bodenseefelchen ist das in dieser Größenordnung ökonomisch nicht möglich", sagt er.

"Ich kann nicht empfehlen, sich wirtschaftlich an einem solchen Himmelfahrtskommando zu beteiligen." Dazu habe die Forschungsstelle bereits einen viereinhalbjährigen Versuch abgeschlossen – mit deutlichem Ergebnis. "Das Risiko ist mit dem Felchen viel zu groß." Für Brink ist klar: "Nur in Netzgehegen lässt sich eine solche Menge an Fisch züchten, nicht in Kreislaufanlagen."

"Am See heißt nicht im See"

Pix widerspricht. Die Grundlagen der Studie der Forschungsstelle seien veraltet, mittlerweile gebe es eine moderne Pilot-Kreislaufanlage einer Landauer Firma, in der erfolgreich Felchen gezüchtet würden. "Die KLA sind eine Chance", sagt Pix.

Bedeckt hält sich dagegen CDU-Landwirtschaftsminister Peter Hauk, dem in der am See heftig geführten Debatte immer wieder unterstellt wird, Netzgehegen nicht abgeneigt zu sein. "Unsere Basis ist der Koalitionsvertrag", betont seine Sprecherin. "Auf dieser Basis bewerten wir völlig neutral alle entsprechenden Vorstöße."

Im Koalitionsvertrag verpflichtet sich die grün-schwarze Landesregierung zu einer "nachhaltigen Aquakulturinitiative am Bodensee". Die Grünen nehmen es da sehr genau. "Am See heißt nicht im See", deutet Pix diesen Satz. Aber auch ein Großteil der örtlichen Berufsfischer, Verbände und politischen Gremien hat sich gegen die Netzgehege im See positioniert, die zudem derzeit rechtlich verboten sind. Umweltschützer fürchten die Verschlechterung der Wasserqualität durch Futtermittel, Kot und Medikamente.

Grüner Plan B?

Aber Massentierhaltung in den Bottichen geschlossener Kreislaufanlagen als grüner Plan B? „Das ist ökologisch unbedenklich, technisch komplex und energieaufwendig“, sagt Pix, der dennoch von der Wirtschaftlichkeit überzeugt ist. Zudem gehe es den Fischen gut. "Wassertemperatur, Strömung, Futter stimmen, sie leben im Schwarm und sind vor Krankheiten geschützt“, zählt der Grünen-Experte auf.

Elke Dilger, Vorsitzende des Verbands Badischer Berufsfischer am Bodensee, kann sich damit durchaus anfreunden. „Wir sind offen dafür, solange die Zucht an Land und nicht im See stattfindet“, sagt sie. Mindestens genauso wichtig ist ihr aber die Unterstützung der Forschung für den Wildfang. „Es wurde viel zu lange vernachlässigt, was man tun könnte, um im See wieder mehr Fisch zu bekommen.“