US-Präsident Donald Trump hat schon wieder zugeschlagen: Er will jetzt nicht nur auf Importe von Stahl und Aluminium hohe Zölle erheben, sondern auch auf Autos. Zumindest hat er damit gedroht. Schon die erste Maßnahme hat harsche Reaktionen der EU und anderer Wirtschaftsregionen ausgelöst. Ob die erneute Ankündigung nach der Methode „Auge um Auge…“ beantwortet wird, steht noch aus. Man muss aber befürchten, dass Trumps „America-first“-Politik in einen veritablen Handelskrieg mündet.

Das wäre für alle Beteiligten brandgefährlich. Gerade erst hat sich die Weltwirtschaft von den tiefgreifenden Turbulenzen, die die vor zehn Jahren begonnene Finanzkrise ausgelöst hat, einigermaßen erholt. Die Konjunkturen in Amerika, in Europa und in vielen anderen Teilen der Welt brummen nur so. Der Welthandel wächst wieder mit einigem Tempo. Ein von den USA ausgehender Handelskrieg könnte diese Erholung ziemlich schnell ausbremsen.

Nun ist es allerdings auch nicht so, dass mit dem weltweiten Handelssystem bisher alles wunderbar wäre oder es nichts zu wünschen ließe. Die Globalisierung hat viele Verlierer hervorgebracht, auch und gerade in den alten Industrienationen. Deren Arbeitnehmer wurden in Wettbewerb gegeneinander und gegen die zahlreich hinzugekommenen Arbeiter in Niedriglohnländer gesetzt.

Wenn nun ein Präsident der USA, die jahrzehntelang als stärkster Antreiber des freien Handels agierten, anderen Ländern vorwirft, sie würden Amerika unfair behandeln, so ist dies verlogen. USA und Europäer haben den Freihandel mit dem Argument propagiert, freier Handel steigere in den teilnehmenden Ländern den Wohlstand. Nun stellt Donald Trump fest, dass dabei auch etliche seiner Mitbürger unter die Räder gekommen sind, und er macht andere Länder dafür verantwortlich und will sie bestrafen. Mit hohen Strafzöllen.

Es ist dies auch eine Bankrotterklärung für eine seit Jahrzehnten beschworene Doktrin. Dass nämlich Freihandel den Wohlstand steigere. Es mag zwar sein, dass Volkswirtschaften als Ganze reicher werden, wenn sie mit anderen Handel treiben. Das besagt aber noch nichts darüber, wie der hinzugewonnene Wohlstand verteilt wird. Unternehmen können durch freien Handel ihre Markthorizonte hinausschieben und neue Absatzmärkte erobern. Sie können neue, lukrativere Produktionsstandorte erschließen und billiger produzieren. Arbeitnehmer aber, die unbeweglicher sind als das Kapital, haben dabei oft das Nachsehen.

Es wäre ein Segen, wenn Politiker die Einsicht in diese Zusammenhänge dazu nutzen würden, Globalisierung so zu gestalten, dass breite Bevölkerungskreise von ihr profitieren. Donald Trump aber schüttet das Kind mit dem Bade aus und macht sich daran, die Globalisierung zu beenden. Und er glaubt offenbar allen Ernstes, dass ein solcher Schritt der US-Wirtschaft und amerikanischen Arbeitnehmern Nutzen bringt.

Stattdessen wird er, wenn er seine Drohungen wahr macht, das Gegenteil erreichen. Er wird nicht nur seinem eigenen Land schweren Schaden zufügen. Er könnte zugleich den Rest der Welt in eine schwere Krise stürzen.