Der am Wochenende angekündigte drastische Abbau von 18.000 Vollzeitstellen bis 2022 bei der Deutschen Bank ist bereits angelaufen. „In den Geschäftsbereichen, in denen wir uns zurückziehen, haben wir mit dem Prozess heute morgen begonnen“, sagte Vorstandschef Christian Sewing in einer Telefonkonferenz. „Das betrifft nicht nur Asien, sondern auch andere Regionen“. Gehen müssen Investmentbanker offenbar auch in London und New York. Ihre Verträge sind so gestaltet, dass sie zwar gut verdienen, dafür aber auch von einem auf den anderen Tag bei vereinbarter Abfindung mit der Kündigung rechnen müssen.

Werden in Deutschland Filialen geschlossen?

Einzelheiten des „schmerzlichen Teils“ des Umbaus nannte Sewing weiterhin nicht. „Wir werden dies heute nicht mit Details für einzelne Regionen bekanntgeben. Wir sprechen zuerst mit unseren Beschäftigten“. Damit bleibt unklar, wie viele der 18 000 Stellen wo wegfallen. Offen ist auch, ob in Deutschland Filialen geschlossen werden. Betriebsratschef Frank Schulze schätzte, dass hierzulande 6000 bis 10.000 Stellen wegfallen könnten. Darin ist aber der schon vereinbarte Abbau von 2000 Stellen im Zusammenhang mit der Integration der Postbank enthalten. In Deutschland beschäftigt die Deutsche Bank – gerechnet auf Vollzeitstellen – 41.700 Menschen und betreibt 1409 Niederlassungen und Filialen.

Weiterhin Boni

Während die Aktionäre für 2019 und 2020 auf eine Dividende verzichten müssen, weil die Bank im laufenden Jahr rote Zahlen schreiben wird – allein im zweiten Quartal wird ein Verlust von 2,8 Milliarden Euro anfallen – und 2020, so Finanzvorstand James von Moltke, allenfalls ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen kann, sollen weiter Boni ausgeschüttet werden. „Wir werden unsere Beschäftigten leistungsgerecht vergüten“, sagte Sewing.

Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank.
Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank. | Bild: Arne Dedert/dpa

Für 2018 hatte die Bank bei einem Gewinn von 341 Millionen Euro knapp 2 Milliarden Euro an Boni gezahlt, während den Aktionären nur 230 Millionen Euro zugestanden wurde. Jetzt versprach Sewing, dass den Anteilseignern ab 2022 über Aktienrückkäufe und Dividenden 5 Milliarden Euro zufließen würden. Ob der Vorstand selbst zu Einbußen bereit ist und in den nächsten beiden Jahren zumindest auf Teile des Bonus verzichtet, ist offen. 2018 hatten sich die Bezüge des Top-Managements auf 56 Millionen Euro nahezu verdoppelt.

Sewing: Falsche Strategie

Sewing zeigte sich überzeugt, dass endlich der Umschwung eingeleitet worden sei. Er räumte ein, dass die Strategie falsch war. „Wir haben versucht überall mitzumischen und überall gleichzeitig. Das hat uns überfordert“. Deshalb kappt das Institut unter anderem das Investmentbanking und verabschiedet sich aus dem Aktienhandel für große, institutionelle Unternehmen wie Versicherungen und Pensionskassen. Privatkunden freilich können weiter über die Deutsche Bank Aktien handeln. Obwohl der Umbau bis 2022 rund 7,4 Milliarden Euro verschlingen wird, will die Deutsche Bank dann bei Erträgen von rund 25 Milliarden Euro einen Vorsteuer-Gewinn von mindestens 6 Milliarden Euro verbuchen.