Der Spielehersteller Ravensburger hat viele Klassiker im Programm, Brettspiele wie Monopoly oder die Brio-Eisenbahn. Dinge zum Anfassen. Aber Clemens Maier, Vorstandschef des Familienunternehmens aus Ravensburg, weiß um den Trend zu Computer und Internet. „Digital gehört heute zu einem gut aufgebauten Unternehmen“, sagt er. Auch Achtjährige würden im Schnitt nach einer Umfrage schon täglich eine halbe Stunde mit Spielekonsole, Handy oder im Internet verbringen. Diese Zeit fehlt für die herkömmlichen Spiele. Für Maier ist die neue Technik eine Gratwanderung: „Wir sind überzeugt, dass Kinder auch noch in vielen Jahren mit haptischen Produkten spielen.“ Aber gleichzeitig will er solche Spiele mit digitalen Funktionen aufrüsten.

Neues Entwicklerteam

Erste Beispiele nennt Maier stolz. Die Holzeisenbahnen der schwedischen Tochter Brio können künftig mit Funkchips so gesteuert werden, dass sie im Bahnhof stehen bleiben. Die Kugelbahn „GraviTrax“, die im letzten Weihnachtsgeschäft zum Bestseller wurde, bekommt ebenfalls digitale Varianten. Die sollen möglichst im Hintergrund laufen. Eine Steuerung etwa über ein Smartphone werde von den Eltern nicht akzeptiert. Das Unternehmen hat neue Entwicklerteams aufgebaut, die in einem gemeinsamen Prozess das haptische Produkt, die digitalen Inhalte, die Download-Software und die Marketingkampagne entwickeln. So sei eine Weiterentwicklung des Klassikers „Tiptoi“ entstanden, die im Herbst auf den Markt kommen soll. Maier ist überzeugt, dass die traditionellen Produkte der Kern bleiben. Eine Grenze gibt es für den Mittelständler: „Rein digitales Spielzeug ist schwierig.“

Kräftiges Plus bei Puzzles

Bei Puzzles ist der Absatz im vergangenen Jahr um 20 Prozent gestiegen. „Die 3-D-Puzzles machen uns viel Freude“, sagt Maier. Renner seien Bälle, beleuchtete Gebäude wie der Buckingham-Palast oder der VW-Bully. Fans solcher Spiele würden sich gerne austauschen. Deshalb baut Ravensburger gerade eine „Puzzle-Welt“ als Internet-Plattform auf. „Wir wollen diese Gruppe an uns binden, auch wenn sich das nicht sofort beim Umsatz auswirkt“, sagt der Vorstandschef.

Investitionen steigen um 40 Prozent

Der Umbau des 135 Jahre alten Unternehmens hat in der Bilanz Spuren hinterlassen. „Wir haben ein respektables Jahresergebnis erzielt. Unser Fokus liegt jedoch auf der langfristigen Neuausrichtung des Unternehmens“, sagt Finanzchef Hanspeter Mürle. Die Investitionen stiegen 2017 um fast 40 Prozent auf 37 Millionen Euro. Gekauft hat Ravensburger die US-Firma Thinkfun, einen Hersteller von Logik- und Denkspielen. Bei annähernd gleichem Umsatz von 471 Millionen Euro sank der Gewinn von 32 auf 23,7 Millionen Euro. Der Rückgang resultiert auch aus der Pleite des Spielwarenkette Toys R US und der drohenden Insolvenz eines großen französischen Händlers.

Trend zum Online-Verkauf

Auch beim Spielzeugverkauf geht der Trend zur Direktvermarktung über das Internet. Vorreiter in Europa ist England, wo Ravensburger die Hälfte seines Umsatzes online einspielt. In Deutschland sei der Anteil deutlich niedriger. Einen Achtungserfolg hat der Geschäftsbereich Kinder- und Jugendbuch erzielt. Seit diesem Jahr verkauft der Verlag das Guinness-Buch der Rekorde exklusiv im deutschsprachigen Raum.