Die Schere zwischen Armen und Wohlhabenderen in Deutschland geht nach Ansicht des Deutschland-Ablegers der niederländischen Großbank ING trotz der guten Wirtschaftslage immer weiter auseinander. Dies belege eine neue Studie, die das Institut veröffentlichte. „Der Anteil derjenigen, die gar nicht sparen, steigt an. Gleichzeitig legen die Befragten mit Ersparnissen mehr als der europäische Durchschnitt zur Seite,“ sagt ING-Chef-Volkswort Carsten Brzeski. Eine solche Entwicklung habe keiner Volkswirtschaft auf lange Sicht Vorteile gebracht. Während 2017 noch 27 Prozent der befragten Haushalte gesagt hatten, sie hätten keine Reserven zum Sparen, waren es im Oktober vergangenen Jahres mit 31 Prozent deutlich mehr.

Mehr Nicht-Sparer als EU-Durchschnitt

Damit liegen die Deutschen beim Anteil der Nicht-Sparer über dem Durchschnitt der befragten Haushalte in 13 Ländern Europas. Dieser beläuft sich auf 26 Prozent. Hinter Rumänien (37 Prozent) nimmt Deutschland den unrühmlichen zweiten Platz ein. „Die Ergebnisse zeigen, dass Deutschland nicht das Land der Sparer ist, das es gerne vorgibt zu sein“, sagt Brzeski. Immerhin geben nach den Angaben aber 52 Prozent der Befragten in Deutschland an, dass ihnen zum Monatsende hin nie das Geld ausgeht. „Tritt dieser Fall doch ein, schränkt die große Mehrheit – 78 Prozent – der deutschen Verbraucher lieber den Konsum ein, als sich Geld zu leihen“, erläutert Brzeski. Nur 20 Prozent ziehen in dieser Situation einen Kredit in Erwägung.

Die Deutschen allerdings, die sparen können, stehen im Vergleich zu anderen Europäern der Studie zufolge gut da und haben hohe Rücklagen. 55 Prozent seien zufrieden oder sehr zufrieden.

Besorgt über die Rente

Sorgen machen sich freilich nicht nur die Deutschen mit Blick auf den Ruhestand und die Rente. „Den staatlichen Rentensystemen stellen Deutsche wie auch Europäer kein gutes Zeugnis aus“, sagt der ING-Chefökonom. Das betreffe sowohl das Verhältnis von Ein- zu Auszahlungen als auch das Niveau der Absicherung. In Europa halten nur 17 Prozent das staatliche Rentensystem für ausreichend, in Deutschland sogar nur rund 11 Prozent. Mehr als ein Drittel der Europäer glaubt, dass sie im Alter weniger aus der Rentenkasse bekommen werden als sie eingezahlt haben. „Der weitaus größte Teil betrachtet die Rente als Zuschussgeschäft und geht davon aus, insgesamt draufzahlen“, betont der ING-Ökonom.

Weniger komfortabler Ruhestand

Deutsche und Europäer erwarten der Studie zufolge auch deshalb einen weniger komfortablen Ruhestand als ihn derzeitige Rentnerinnen und Rentner und Pensionärinnen und Pensionäre haben. „So gehen die Noch-nicht-Ruheständler davon aus, erst in höherem Alter in den Ruhestand gehen zu können, als das ihre Vorgänger getan haben“, sagt Brzeski. „Sie machen sich oft auch größere Sorgen, ob ihre finanziellen Mittel im Ruhestand ausreichen werden.“ Viele glaubten, dass sie zum Ruhegehalt hinzuverdienen müssen.