Für Verbraucher sind das bittere Nachrichten: Die Preise in Deutschland steigen wieder stärker. Im Oktober kletterte die Jahresinflation nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf 2,5 Prozent. Das war der höchste Stand seit September 2008 – dem Jahr der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise. Das drückt auf die Haushaltskasse. Zudem verlieren Sparer nach wie vor Monat für Monat Geld. Dennoch lässt sich die Europäische Zentralbank (EZB) Zeit mit dem Ende ihrer Nullzinspolitik.

  1. Was treibt die Inflation aktuell? Vor allem gestiegene Energiepreise heizen die Teuerung an. Verbraucher spüren das beim Tanken und Heizen. So lag etwa der Preis für 100 Liter Heizöl im bundesweiten Schnitt Anfang Oktober nach Angaben verschiedener Internet-Preisportale bei mehr als 82 Euro (bei Abnahme von 3000 Litern, inklusive Mehrwertsteuer). Deutlich tiefer in den Geldbeutel greifen mussten auch Autofahrer. Nach Berechnungen des ADAC erreichten die Spritpreise im Schnitt im Oktober einen Jahreshöchststand. Binnen Jahresfrist verteuerten sich Kraftstoffe nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 14,8 Prozent. Die Preise für Nahrungsmittel, die in den vergangenen Monaten noch zu den Treibern der Inflation gezählt hatten, stiegen im Oktober um 1,9 Prozent. Die Kosten fürs Wohnen (inklusive Strom oder Wasser) erhöhten sich um 2,5 Prozent
  2. Frisst die Inflation jetzt die Lohnerhöhungen der Beschäftigten auf? Statistisch gesehen nicht: Nach jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes sind die Löhne im Schnitt zuletzt erneut stärker gestiegen als die Verbraucherpreise. Nach Abzug der Inflation hatten die Beschäftigten demnach im zweiten Quartal 0,5 Prozent mehr Geld in der Tasche als ein Jahr zuvor. Allerdings stiegen die Verdienste in einzelnen Branchen unterschiedlich stark.
  3. Welche Folgen hat die Entwicklung für Sparer? Viele Sparer, die ihr Geld trotz mickriger Zinsen als Tages- oder Festgeld parken, verlieren wegen der tendenziell steigenden Inflation Geld. Nach Berechnung der Bank Comdirect lag der Realzins – also der tatsächliche Zins für Spareinlagen nach Abzug der Teuerungsrate – im dritten Quartal 2018 auf dem historischen Tiefstand von minus 1,92 Prozent. Andererseits profitieren Hausbauer von vergleichsweise günstigem Baugeld.
  4. Warum reagiert denn die EZB noch immer nicht trotz der in Deutschland steigenden Inflationsrate? Die Notenbank hat nicht nur Deutschland, sondern den gesamten Euroraum im Blick und strebt hier mittelfristig eine nachhaltige Inflationsrate von knapp unter 2 Prozent an. Bei diesem Wert sehen die Währungshüter Preisstabilität gewahrt. Im Oktober lag die Teuerung im gemeinsamen Währungsraum nach ersten Schätzungen des Statistikamtes Eurostat allerdings auch schon bei 2,2 Prozent nach 2,1 Prozent im September. Die Rate liegt damit über dem Zielwert der Notenbank.
  5. Warum erhöht die EZB die Zinsen dennoch nicht? Die Währungshüter streben zum Jahresende 2018 zunächst den Stopp neuer Anleihenkäufe an. Die Wende hin zu höheren Zinsen wollen sie frühestens im Herbst 2019 einläuten. Das eröffnet der Notenbank Spielraum, die weitere Entwicklung zu beobachten. Ist der Anstieg der Inflation nachhaltig, wie entwickelt sich die Wirtschaft? Eine schwächere Konjunktur kann die Preise drücken. Vor allem die Schuldenpolitik der italienischen Regierung dämpft nach Einschätzung der EU-Kommission die Konjunkturaussichten. Hinzu kommen Handelskonflikte sowie die Gefahr eines ungeregelten Brexits.
  6. Steigen die Preise für die Bürger weiter? Sorgen vor einem rasanten Anstieg müssen sich die Menschen derzeit nicht machen. Nach Einschätzung der EZB dürfte die Teuerung in diesem Jahr sowie 2019 im Euroraum im Schnitt bei 1,7 Prozent liegen. Für Deutschland gehen führende Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten von einer Inflation von 1,8 Prozent in diesem Jahr und 2,0 Prozent 2019 aus.