Der Bodenseeraum ist nicht nur Rückzugsgebiet für Urlauber in der Ferienzeit, sondern auch für viele gut betuchte Bürger. Das haben auch die Banken gemerkt und umgarnen reiche Kunden mit allerlei Angeboten. Als Folge erreicht der Wettbewerb unter den Instituten im Bodenseeraum Großstadtniveau.

Viel Reichtum in der Grenzregion zur Schweiz

„Der Bodenseeraum ist aufgrund seiner Wirtschaftskraft ein hochinteressanter Markt“, sagt Stephan Jugenheimer, Leiter Wealth Management der Deutschen Bank in Süddeutschland, die etwa in Konstanz, Singen und Überlingen Geschäftsstellen unterhält. Die Privatbanken treffen dort vielfach auf mittelständisch geprägte Unternehmer und Privatleute, die mit Volksbanken und Sparkassen groß geworden seien und sich diesen gegenüber oft loyal zeigten. Es herrsche eine stärkere, oft persönlichere Kundenbindung als in Ballungsräumen, ist Thomas Scheeder von der Sparkasse Hegau-Bodensee überzeugt. Insbesondere die rasche Erreichbarkeit der Berater werde von den Kunden geschätzt.

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Für die Privatbanken gilt es am Bodensee daher dicke Bretter zu bohren, um in diesen Markt einzudringen. „Wir müssen uns hier mindestens so anstrengen wie in anderen Regionen“ um Kunden zu finden, sagt Deutsch-Banker Jugenheimer. Verschärfend für den Wettbewerb wirkt die Präsenz der österreichischen und insbesondere der Schweizer Institute wie etwa der UBS, die von St. Gallen und dem grenznahen Kreuzlingen aus mit 25 Mitarbeitern Baden-Württemberg und Bayern beackert. Im Rahmen dieser „Grenzgängerschaft“ betreut die Großbank mit Sitz in Zürich ihre Klientel mit einem Vermögen ab 500 000 Euro „so komfortabel wie möglich“, wie es heißt.

Sonderbehandlung für vermögende Kunden

Häufig kommen die Berater zu den „Kunden nach Hause“. Die deutschen Kunden schätzten sowohl die Stabilität des Schweizer Frankens als auch die langfristige, ausgezeichnete Bonität der eidgenössischen Institute, heißt es von der UBS. Und dafür seien die Kunden auch bereit, „einen adäquaten Preis“ zu bezahlen. Manchmal spielt aber auch die Anonymität eine Rolle, wenn es um die Wahl der Bank geht. Nicht selten erlebe er, dass sich gerade Unternehmer für eine Trennung von Hausbank entschieden, sagt Gregor Frankenhauser von der Bethmann Bank. Der Grund: Sie schätzten die räumliche Abgeschiedenheit einer Privatbank mit Sitz fernab der Heimatregion.

Manche schätzen Anonymität

„Eine Hausbankenbeziehung hat mehrere Dimensionen“, sagt dazu Bankenprofessor Hans-Peter Burghof von der Uni Hohenheim. Während in vielen Fällen die Nähe vor Ort und die Verwurzelung in der Region ausschlaggebend für die Wahl des Kreditinstituts ist, bevorzugt mancher Kunde lieber die Anonymität der Großstadt.