Wer letztendlich Schuld, Mitschuld oder keine Schuld an der Pleite der Kressbronner Bodanwerft hatte, das wird sich wohl nicht mehr endgültig klären lassen. Darum stellte das Amtsgericht Tettnang nach zwei Verhandlungstagen gegen Zahlung von Geldauflagen den Prozess gegen den früheren Eigner und Geschäftsführer Robert Dittmann und seines Vaters Wilhelm Dittmann ein. Robert Dittmann muss innerhalb von drei Monaten 15 000 Euro zahlen, sein Vater Wilhelm 5000 Euro. Die ehemals größte deutsche Werft am Bodensee hatte 2011 Insolvenz angemeldet, 60 Mitarbeiter verloren ihre Arbeitsplätze.

Robert Dittmann war neben Insolvenzverschleppung auch Untreue und vorsätzlicher Bankrott vorgeworfen worden, seinem Vater Wilhelm Untreue in drei Fällen. Die Einstellung des Verfahrens begründete Richter Max Märkle unter anderem mit der langen Verfahrensdauer und der Tatsache, dass sowohl die Beweisaufnahme, als auch die Einlassungen verschiedener Sachverständiger und Gutachter ergeben hätten, dass es sich haftungsrechtlich um eine ordentliche Insolvenz gehandelt habe. „Ob die Kommunalpolitik oder auch die IG Metall eine Rolle gespielt haben könnten, muss nicht kommentiert werden“, so Richter Max Merkle in seiner Abschlussbegründung.

Die Traditionswerft, die unter anderem große Kursschiffe und Fähren wie die Sonnenkönigin herstellte, wurde 1919 gegründet. Knapp drei Viertel aller Linienschiffe auf dem Bodensee sind bei der Werft vom Stapel gelaufen.