Der Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems (RRPS) schwimmt derzeit auf einer Erfolgswelle. "2017 war bereits ein gutes Jahr, aber 2018 haben wir nochmal eine Schippe draufgelegt", sagte Marcus Wassenberg, Finanz- und Personalvorstand von RRPS, bei der Vorstellung der Bilanz am Unternehmenssitz in Friedrichshafen. So steigerte der Konzern seinen Umsatz im abgelaufenen Jahr um 15 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro – ein Rekordwert. Beim Gewinn ging es sogar um 20 Prozent auf 358 Millionen Euro nach oben.

Das Effizienzprogramm zündet

Für den Aufwind machte das Unternehmen zwei Faktoren verantwortlich. Zum einen haben die wachsende Weltwirtschaft und die leicht steigenden Ölpreise dem Unternehmen, das unter der Marke MTU Motoren für Schiffe, Züge und die Ölförderung herstellt, in die Karten gespielt.

Zum anderen habe das konzerninterne Effizienzprogramm gezündet. "Wir ernten jetzt die Früchte unserer harten Arbeit in unserem Transformationsprogramm, das uns deutlich profitabler gemacht hat“, sagte RRPS-Chef Andreas Schell. Unter anderem hat das Unternehmen unrentable Produkte aussortiert und dabei ein Viertel der Produktvarianten ersatzlos gestrichen, um Komplexität und damit Kosten zu reduzieren.

Vom Motorenbauer zum Dienstleister

Künftig will der Konzern mehr Geld mit digitalen Dienstleistungen verdienen. „Der Motor wird immer eine unserer Kernkompetenzen sein. Er wird aber immer mehr zum Bestandteil der Gesamtlösung“, sagte Schell. Im Zuge dessen will der Konzern seiner Belegschaft neue Kompetenzen vermitteln. „Wir müssen unsere Mitarbeiter auf die Herausforderung der Digitalisierung und Elektrifizierung vorbereiten", sagte Wassenberg. So werde der Konzern in diesem Jahr etwa 100 Motorenentwickler zu Elektrofachleuten umschulen.

Auch die vor zwei Jahren gegründete Projektgruppe "Digitale Lösungen", die 2018 um 40 Mitarbeiter erweitert wurde, soll weiter wachsen. Derzeit beschäftigt RRPS weltweit knapp 10 800 Mitarbeiter, davon knapp 6600 in Deutschland und 5500 in Friedrichshafen.

 

Wie RRPS den Brexit verkraftet

 

  • Brexit: Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union würde RRPS nicht aus der Bahn werfen. "Unser Handelsvolumen in Großbritannien ist gering", sagte RRPS-Chef Andreas Schell. Der Umsatz auf der britischen Insel betrage vier Prozent, das Einkaufsvolumen bei den Zulieferern gerade einmal 1,3 Prozent. Trotzdem habe das Unternehmen Vorbereitungen getroffen und Lagerbestände bei wichtigen Kunden hochgefahren.
  • Protektionismus: Der Handelsstreit zwischen China, den USA und Europa belastet auch RRPS. "Wir würden uns einen freien Handel wünschen", sagte Schell. Zwar ist das Unternehmen bisher nicht von direkt von Strafzöllen betroffen, aber der Handelsstreit drücke auf die Stimmung vieler Kunden.
  • Diesel: Auch wenn der Diesel derzeit ein Imageproblem hat, sei er noch lange kein Auslaufmodell, sagte Schell. "Es gibt Bereiche, in denen der Diesel unverzichtbar ist", sagte er und nannte als Beispiel den Abbau von Rohstoffen in Bergwerken mit Großmotoren. Der Diesel habe eine lange Geschichte und sei hoch entwickelt. Dort spiele man "in der Champions League" und das solle auch so bleiben. Trotzdem wolle RRPS sich künftig breiter aufstellen und mehr Gas- und Elektromotoren anbieten. Auch Wasserstoffmotoren seien eines Tages eine Option. (td)