Herr de Felice, wie sieht die Situation für Menschen aus, die derzeit ein Germania-Flugticket haben?

Es ist wichtig zu trennen, ob im Rahmen einer Pauschalreise oder direkt bei Germania gebucht wurde. Das ist ein großer Unterschied. Der Pauschalreisende ist bei der Insolvenz einer Airline abgesichert. Die Veranstalter sind verpflichtet, einen neuen Flug zu organisieren. Erfahrungsgemäß sind die Anbieter gut aufgestellt, um kurzfristig einen anderen Flug organisieren zu können.

Was ist, wenn direkt gebucht wurde?

Für Menschen, die individual einen Flug gebucht haben, ist die Insolvenz wirklich tragisch. Sie müssen sich einen neuen Flug kaufen. Auf eigene Kosten. Es gibt in der Gesetzgebung für einfache Flugbuchungen keine Insolvenz-Absicherung.

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Warum?

Das wird seit Langem diskutiert. Da hat sich der Gesetzgeber aber leider noch nicht aufgerafft. Rein faktisch gibt es immer noch den Anspruch auf eine Beförderung gegenüber der Airline, aber den Flug gibt es eben nicht mehr. Der Anspruch geht dann, wenn man das rechtlich betrachtet, in den Schadensersatzanspruch über. Aber was bringt es mir? Ich kann keinen Schaden gegenüber einer Firma geltend machen, die kein Geld hat.

Einige Germania-Kunden sitzen fest. Gibt es in der Not eine schnelle Lösung?

Da muss man auch wieder sagen, dass es leider keine befriedigende Lösung gibt. Was ganz positiv zu werten ist, dass es einige Airlines gibt, die gestrandeten Urlauber helfen wollen. Der Lufthansa-Konzern bietet in Zusammenarbeit mit Condor für gewisse hochfrequentierte Ziele vergünstigte Tickets an. Aber mehr als ein guter Wille von anderen Firmen ist leider nicht zu sehen.

Oskar de Felice, Rechtsexperte beim Internetportal Flightright, sagt über die Germania-Pleite: "Direkt werden die Preise wohl nicht steigen. Vielmehr zeigt das Aus, dass wir schon am Boden angekommen sind. Es geht nicht günstiger. Die Geschäftsmodelle vieler Airlines zerbrechen am Billig-Wettkampf. Langfristig ist deshalb zu erwarten, dass der Preis wieder steigt."
Oskar de Felice, Rechtsexperte beim Internetportal Flightright, sagt über die Germania-Pleite: "Direkt werden die Preise wohl nicht steigen. Vielmehr zeigt das Aus, dass wir schon am Boden angekommen sind. Es geht nicht günstiger. Die Geschäftsmodelle vieler Airlines zerbrechen am Billig-Wettkampf. Langfristig ist deshalb zu erwarten, dass der Preis wieder steigt." | Bild: Flightright

Lufthansa und Co. nutzen also die Gunst der Stunde?

Ja, das hat man in den letzten Monaten und Jahren schon gesehen. Der Lufthansa-Konzern versucht verstärkt die Rolle des deutschen Flaggenträgers durch eine „Wir-kümmern-uns-Haltung“ einzunehmen.

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Wer könnte sonst helfen?

Bei der Pleite von Air Berlin hat sich die Bundesregierung sehr viel mehr eingesetzt, als sie überlegt hat, Menschen mit eigenen Flugzeugen zurückzuholen. Bei der Insolvenz von Germania ist die Größe nicht erreicht. Es geht um etwas mehr als 30 Flugzeuge. Ein überwiegender Teil der Kunden werden Pauschalreisende sein. Dass die Bundesregierung für die paar hundert Leute Flugzeuge mietet, glauben wir aktuell nicht.

Es gibt nun eine Airline weniger auf dem Markt. Steigen die Flugpreise?

Bei der Pleite von Air Berlin hat sich das nur partiell bewahrheitet. Bei hochfrequentierten Strecken, wie von Köln nach Berlin, ist der Preis deutlich gestiegen. Bei Ferienflugzielen ist wenig passiert. Direkt werden die Preise wohl nicht steigen. Vielmehr zeigt das Aus, dass wir schon am Boden angekommen sind. Es geht nicht günstiger. Die Geschäftsmodelle vieler Airlines zerbrechen am Billig-Wettkampf. Langfristig ist deshalb zu erwarten, dass der Preis wieder steigt.