Quer durch die Outdoor-Branche lassen sich wieder relativ gute Geschäfte machen. John Jansen, Präsident der European Outdoor Group (EOG), bezifferte das 2016 erzielte Umsatzwachstum zum Auftakt der Messe Outdoor in Friedrichshafen auf 3 Prozent. Der Erlös der Branche erhöhte sich dadurch auf 5,5 Milliarden Euro. In die Erhebungen der EOG fließen sowohl die Umsatzzahlen der Industrie wie die von Großhändlern ein.

Jansen sprach aber auch von einer Durststrecke, die hinter Bekleidungsfirmen liege. Hier konnte der Branchenverband für 2016 wieder einen Zuwachs um 4,2 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro registrieren. Leichte Einbrüche gab es im vergangenen Jahr bei Schlafsäcken wie bei Schuhen. Sein eigenes Unternehmen, Jansen ist Chef der Schuhmarke Keen, konnte nach seinen Angaben zweistellig wachsen – nähere Angaben machte er nicht.

Modell von Vaude als Zukunftsstrategie

Von zweistelligen Zuwächsen, wie sie in der gesamten Branche in der Vergangenheit durchaus üblich waren, können viele Hersteller nur noch träumen. Eine Zukunftsstrategie könnte das Modell des in Tettnang im Bodenseekreis ansässigen Unternehmens Vaude sein. Firmenchefin Antje von Dewitz setzt seit 2010 konsequent auf zwei Themen: Nachhaltigkeit und schadstofffrei Produktion. In diesen beiden Bereichen gilt Vaude als Vorreiter der Branche.

Die komplette Kollektion für Frühjahr und Sommer 2018 enthält nach Vaude-Angaben keine umweltschädlichen Fluorcarbone (PFC) mehr. Während ihrer eigenen Pressekonferenz schilderte die Vaude-Chefin, dass es gelinge, auch teure Produkte zu verkaufen. Vaude lädt das Verkaufspersonal der Händler zu Schulungen ein. Könne Kunden das Konzept der Nachhaltigkeit verständlich gemacht werden, seien diese bereit, hochpreisige Produkte zu kaufen.

Mit 8,7 Prozent gab Jan Lorch von Vaude das Umsatzplus für 2016 an. Für das laufende Jahr werde ein Zuwachs von 6 Prozent erwartet. Um 20 Prozent sei das Volumen an Aufträgen für die Jahre 2017/18 im Vergleich zum Vorjahr bereits jetzt gewachsen, so Lorch weiter. Konkrete Angaben zu Gewinn und Umsatz-Volumen macht das familiengeführte Unternehmen nicht.

Nachhaltige Partnerschaft mit Fachhändlern

Die Messe Outdoor will die Vaude-Chefin nutzen, um weitere Unternehmen zu gewinnen, auf ihr Konzept der Nachhaltigkeit zu setzen. Aus Sicht von Antje von Dewitz wäre eine Beteiligung anderer Industrie-Unternehmen beispielsweise an einer möglichst umweltgerechten Produktion an Standorten in Asien relativ leicht zu bewerkstellig. Vaude hat bei seinen Zulieferern in China, Taiwan und Vietnam moderne Umweltstandards durchgesetzt. Auf der Kundenliste dieser Betriebe stünden auch andere Outdoor-Firmen. Der Anteil der Waren, die Vaude von seinen asiatischen Partnern beziehe, liege zwischen 5 und 10, im Höchstfall bei 30 Prozent. Es gäbe also genügend Spielraum für andere Outdoor-Firmen, sich die Nachhaltigkeitsstrategie von Vaude zu eigen zu machen.

Genügend wirtschaftlichen Spielraum hat offenbar wieder das vor allem durch seine Bergschuhe bekannte österreichische Unternehmen Dachstein. Firmenchef Oliver Wieser konnte das Unternehmen mit einem Strickschuh-Konzept wieder sehr erfolgreich in den Markt zurückbringen. Die Schuhe würden sich durch ihren Tragekomfort auszeichnen.

Für ein erfolgreiches Zusammenspiel zwischen Fachhandel und Industrie wünscht sich Olaf Wittayer, Vertreter des Verbands des stationären Handels, dass neue Chefs von Outdoor-Firmen nicht auf illusionäre Wachstumszahlen, sondern auf eine nachhaltige Partnerschaft mit den Fachhändlern setzen. Die Outdoor-Messe bezeichnete er als "reine Arbeitsmesse". Es müsse die Ware für die kommende Saison geordert werden. Die Messe Outdoor sei dafür unabdingbar, denn nur diese gebe einen Überblick über den gesamten Markt. In diesem Jahr nicht ganz, denn die bekannte Marke Salewa ist erstmals nicht mit einem Stand vertreten, wie Messe-Projektleiter Stefan Reisinger gegenüber dieser Zeitung bestätigte.

Leitmesse der Branche

Die Messe Outdoor, die bis einschließlich Mittwoch, 21. Juni, in Friedrichshafen stattfindet, gilt als Weltleitmesse der Branche. 965 Aussteller aus 40 Ländern präsentieren sich. Trotz des im Vergleich zu den Vorjahren sehr frühen Messetermins gab es keinen Einbruch bei der Zahl der Aussteller. Der Start bereits am Sonntag soll vor allem Vertretern des Fachhandels einen Besuch ermöglichen, so begründen die Verantwortlichen der Messe Friedrichshafen GmbH den veränderten Zeitplan. Diese Messe ist nur für Fachbesucher geöffnet. Dies dürfte auch in der Zukunft so bleiben. Denn die Fachhändler wollen möglichst vermeiden, dass Kunden Produkte sehen, die sie erst ein Jahr später kaufen können. (dim)