Stirbt ein Mensch, hinterlässt er meist eine große Lücke. Das ist für die Angehörigen schwer genug. Doch in ihrer Trauer müssen sie sich auch noch oft mit Ordnern voll mit Versicherungen und Verträgen auseinandersetzen. Viele schieben das gern vor sich her – in der festen Überzeugung, dass der Tod alle Verträge automatisch beendet. Das ist aber nicht der Fall. „Untätigkeit kann ein großer Fehler sein“, warnt Bianca Boss, Sprecherin des Bunds der Versicherten (BdV).

  • Persönliches: Nur höchstpersönliche Verträge des Verstorbenen enden automatisch mit dem Tod. Dazu gehören in erster Linie der Arbeitsvertrag, die private Krankenversicherung, Vereinbarungen mit ambulanten Pflegediensten oder ein Pflegeheimvertrag. Auch wenn in solchen Fällen normalerweise keine Kündigung nötig ist, gilt der Grundsatz: Hinterbliebene sollten den Arbeitgeber und andere Vertragspartner rasch informieren.
  • Mietvertrag: Ein Mietvertrag für eine private Wohnung endet dagegen nicht automatisch mit dem Tod. Der Vermieter gehört aber rasch informiert. Denn: Haben der Ehe- oder Lebenspartner, die Kinder, andere Verwandte oder Dritte mit dem Verstorbenen bereits im gemeinsamen Haushalt gelebt, können sie in den Mietvertrag eintreten, wenn sie wollen. Wenn nicht, werden die Erben die Mieter. Sie müssen dann auch für Mietschulden oder offene Betriebskostenabrechnungen aufkommen. Das Erbrecht ändert nichts am Kündigungs­recht. Sowohl Erben als auch Vermieter können einen Monat lang überlegen, ob sie den Vertrag mit einer Frist von drei Monaten zum Monats­ende beenden wollen.
  • Lebens-, Sterbegeld- und Unfallversicherung: Hier ist besondere Eile angesagt:. Die Versicherer verlangen meist eine Benachrichtigung innerhalb von 48 Stunden nach dem Tod des Versicherten. Ein Blick in die Police kann die Frist klären, manchmal sind auch 72 Stunden vorgegeben. Was Angehörige immer vorlegen müssen, ist der Versicherungsschein, die Sterbeurkunde sowie eine ärztliche Bescheinigung über die Todesursache.
  • Krankenkasse: Zur Abmeldung bei der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Sterbeurkunde nötig. Ist die Familie mitversichert, ist schnelles Handeln ratsam. Sonst stehen sie womöglich ohne Versicherungsschutz da. Die Familienversicherung läuft binnen vier Wochen nach dem Tod aus.
  • Privathaftpflicht: Eine Police für eine Einzelperson endet mit dem Tod, sie muss nicht gekündigt werden. Zu viel gezahlte Beiträge werden anteilig zurückerstattet. Aber: Maßgeblich ist dafür der Tag der Meldung durch Hinterbliebene, nicht der Todestag. Bei der Familien-Haftpflicht haben Angehörige noch bis zur nächsten Beitragsfälligkeit Schutz. Zahlt der mitversicherte Ehepartner diese Prämie, wird er Versicherungsnehmer. Bei objektbezogenen Haftpflichtpolicen für Tiere oder den Öltank sieht es anders aus: Sie gehen über den Tod hinaus. Die Erben müssen fristgerecht kündigen, wenn sie den Vertrag nicht übernehmen wollen.
  • Autoversicherung: Haftpflicht- und Kasko-Police laufen weiter und gehen auf die Erben des Autos über. Das heißt nicht, dass Beiträge automatisch stabil bleiben. Sie dürfen an den neuen Besitzer angepasst werden. Ein Sonderkündigungsrecht steht ihm nicht zu. Verkauft er das Auto, endet der Vertrag.
  • Hausratversicherung: Sie endet zwei Monate nach dem Tod des Versicherungs­nehmers, sofern kein Erbe die Wohnung über­nimmt. Wenn doch, kann er den Vertrag fortführen. Informiert werden muss der Versicherer in jedem Fall.
  • Telefon, Energie & Co: Viel Arbeit kann das Sichten der vielen kleineren Verträge machen. Bei Verträgen mit festen Laufzeiten wie Telefon- und Handyverträge oder für die Versorgung mit Wasser, Strom, Gas oder Fernwärme gibt es keine generellen Sonderkündigungsrechte. Die Erben können aber versuchen, über ein vorzeitiges Vertragsende zu verhandeln. Was oft übersehen wird, ist der Rundfunkbeitrag. Eine Abmeldung ist dort nur für die Zukunft möglich.
  • Fiskus: Mit dem Finanzamt gibt es zwar keinen Vertrag. Die Erben treten jedoch in die steuerlichen Rechte und Pflichten des Verstorbenen ein. Das bedeutet: Gibt es vom Finanzamt Steuernachforderungen, müssen sie sie begleichen. Erstattungen dürfen sie einstreichen. Angehörige sollten stets bedenken: „Alle offenen Steuerangelegenheiten der letzten vier beziehungsweise sieben Jahre gehen auf sie über“, sagt Sigurd Warschkow, Leiter der Lohnsteuerhilfe für Arbeitnehmer in Gladbeck. War der Tote noch berufstätig oder hatte er steuerpflichtige Einkünfte, müssen die Erben auch die Steuererklärung des Toten machen, sie also in seinem Namen einreichen. Dieser Aufgabe können sie sich nur dann entziehen, wenn sie das Erbe ausschlagen.
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