Ob elektrische Zahnbürsten, Handys, Kaffeemaschinen, Autos, Waschmaschinen oder Computer: Produkte mit elektronischen Komponenten sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Und all diese Produkte müssen getestet werden, bevor sie an den Endverbraucher verkauft werden dürfen. Hier kommt die 1971 gegründete Firma Ingun aus Konstanz ins Spiel. Denn obwohl ihre beiden Kernprodukte – sogenannte Kontaktstifte und Prüfadapter – in keinem der genannten elektronischen Geräte auftauchen, sind sie für den Prüfprozess essenziell. Dank der gefederten Stifte und der rechteckigen Prüfadapter können Leiterplatten geprüft werden und somit sicherstellen, dass der elektronische Kontakt einwandfrei funktioniert. 70 Millionen Artikel in 22 000 Varianten verschickt Ingun jährlich in alle Welt.

Nachfrage zieht kräftig an

Dabei haben sich die Hauptprodukte von Ingun im Laufe der mittlerweile fast 50-jährigen Firmengeschichte kaum verändert – wohl aber die Nachfrage danach. „Der Elektronikmarkt wächst im Durchschnitt jährlich zwischen vier und fünf Prozent. Wir wollen jedoch stärker wachsen“, sagt Jochen Müller, seit 2012 in der Geschäftsleitung bei Ingun. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz 65 Millionen Euro. In diesem Jahr peilt Ingun einen Erlös von 70 Millionen Euro an. Drei Viertel davon verdient das Unternehmen im Ausland. In fast allen Ländern der Welt mit Ausnahme von Nordkorea arbeiten Unternehmen mit Ingun-Produkten. Dabei bedient Ingun die verschiedensten Branchen von der Autoindustrie über den Maschinenbau bis zur Medizintechnik. Mit keiner Branche macht das Unternehmen allerdings mehr als 20 Prozent seines Umsatzes; keiner der über 10 000 Einzelkunden trägt zu mehr als fünf Prozent des Erlöses bei.

Hochschulen als Standortvorteil

Auch bei der Mitarbeiterzahl ist Ingun in den letzten Jahren stark gewachsen. 420 Beschäftigte hat das Konstanzer Unternehmen derzeit; die Marke von 500 könnte schon bald geknackt werden, glaubt das Management. Mit derzeit 350 Beschäftigten in Konstanz (der Rest arbeitet im internationalen Vertrieb) ist Ingun einer der größten industriellen Arbeitgeber der Stadt. Der Konzilstadt, wo die gesamte Produktion und Verwaltung angesiedelt ist, will Ingun auch in Zukunft treu bleiben. Auch wenn es anderswo günstigere Gewerbefläche gebe, sei die Nähe zu den beiden Hochschulen ein großer Standortvorteil. „Viele Innovationen sind durch studentische Projekte entstanden“, sagt Müller. Und ohne die Hochschulen sei es nicht möglich, den wachsenden Fachkräftebedarf zu decken. Schließlich hat Ingun auch eine eigene Abteilung für Forschung und Entwicklung – und auch Ingun spürt die wachsende Konkurrenz um qualifizierte Nachwuchskräfte immer stärker.

Fest in Familienhand

Bis heute ist Ingun übrigens fest in Familienhand. Gründer Wolfgang Karl, der das Unternehmen lange als Geschäftsführer leitete, sitzt bis heute dem Aufsichtsrat vor. Sein Sohn Armin Karl führt das Unternehmen seit 2007.