In der modernen Welt fühlen wir uns vielfach unangreifbar von Naturereignissen – wir leben in einer künstlichen Welt, in der Bits und Bytes den Ton angeben. Natur ist etwas für den Sonntagsspaziergang.

Doch die aktuelle Hitzewelle zeigt, wie abhängig wir sind – viel tiefer und ursächlicher als wir uns das oft vorstellen: Die Landwirtschaft leidet, es kommt zu Ernteausfällen. Kurzfristig wird Fleisch billiger, weil Vieh geschlachtet werden muss, das nicht gefüttert werden kann, nachdem Heu und Futtergetreide nur magere Ernten liefert. Nur Importe aus anderen Teilen der Welt verhindern eine Katastrophe – dank der gescholtenen Globalisierung. Mittelfristig werden die Preise für landwirtschaftliche Produkte steigen. Anderswo wächst der Hunger: Die Reichen verdrängen die Armen, Getreide fließt an den Ort, der zahlen kann. Die Europäische Zentralbank kommt unverhofft ihrem Ziel näher, die Inflation in Europa anzuheizen.

Lebensmittel kommen vom Feld

Wir erfahren neu: Lebensmittel kommen also nicht aus dem Supermarkt – sie kommen vom Feld und aus dem Stall, abhängig von Klima und Wetter. Europa hat gerade eine moderne Methode der Gen-Schere verboten, die schnellere Zuchterfolge bei Getreide und Nutzpflanzen ermöglicht. Dabei wären neue Sorten und Züchtungen dringend benötigt, wenn es tatsächlich zu lang anhaltenden Dürren kommen sollte.

Folgen auch für Energiewirtschaft

Aber die Hitze greift auch in die Energiewirtschaft ein: Solarzellen liefern viel Strom, wenn der Himmel blau ist und die Sonne scheint. Die Windräder allerdings stehen wetterbedingt, und damit fällt die Hauptleistung der Erneuerbaren Energien aus. Auch die letzten Steinkohlekraftwerke drosseln derzeit ihre Leistung: Sie sind zur Kühlung auf Flüsse angewiesen. Längst sind die Grenzwerte der Erhitzung des Flusswassers erreicht. Schon einberechnet ist, dass die Frachtschiffe auf dem Rhein nur mit weniger Tiefgang und damit geringerer Kohlefracht für die Strommeiler unterwegs sind. Aber wie lange halten die Läger vor? Strom läßt sich nicht speichern.

Zuverlässige Braunkohlekraftwerke

Auch Norwegen, lange als „Batterie“ der Energiewende propagiert, leidet unter Wassermangel und importiert seinerseits Strom statt ihn an Deutschland abzugeben – der Import erfolgt massiv aus schwedischen Kernkraftwerken. Selbst Biogasanlagen fallen aus: Die Trockenheit verhindert die Ausbildung von Maiskörnern – die aber sind für die Vergasungsprozesse unabdingbar. Zuverlässig und an der Leistungsgrenze arbeiten die viel gescholtenen Braunkohlekraftwerke, ihr Kühlwasser kommt aus dem Grundwasser der Abbauflächen. Plötzlich zeigt sich: Großflächige Energieverbünde und möglichst unterschiedliche Quellen sind also doch Garanten für eine sichere Energieversorgung.

Strich durch Kalkulationen

In manchen Städten werden Glasflaschen für Getränke knapp. Die Unternehmen kalkulieren knapp – unbenutzte Glasflaschen gelten als totes Kapital. Also wurden Reserven reduziert – Reserven sind teuer. Dafür will keiner mehr bezahlen. Weder bei Flaschen, noch bei Energie und auch nicht bei Lebensmitteln. Die Hitze macht einen Strich durch viele Kalkulationen. Die Natur herrscht. Menschen können nur vorsorgen.

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