Der frühere ZF-Vorstandschef Stefan Sommer wechselt zu Volkswagen. Sommer übernimmt laut Medienberichten im Konzernvorstand die Verantwortung für Beschaffung und die Komponentenwerke.

Damit folgt der ehemalige ZF-Chef auf den langjährige VW-Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz, der Volkswagen im Zuge des umfassenden Konzern-Umbaus auf eigenen Wunsch verlassen hatte. Volkswagen äußerte zu der Personalie nur, dass es Sache des Aufsichtsrats sei, über die Nachfolge von Garcia Sanz zu entscheiden. Dieser tagt laut Medienberichten zufolge am Montagabend.

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Sommer hatte ZF trotz einer erfolgreichen Bilanz im Dezember 2017 im Streit mit Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand verlassen. Die beiden hatten unterschiedliche Ansichten über die Zukunftsstrategie des Stiftungsunternehmens.

Dass der Automanager nur ein halbes Jahr später bei einem anderen Konzern aus der Automobilbranche unterkommt, überrascht Branchenexperten angesichts seiner Erfolgsbilanz bei ZF nicht. 

"Kompetenten Manager angeheuert"

"Volkswagen hätte keinen besseren Einkaufsvorstand finden können", sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research in Duisburg unserer Zeitung. Ähnlich äußerte sich Stefan Bratzel gegenüber dem SÜDKURIER.

„Volkswagen hat mit Stefan Sommer einen sehr kompetenten Auto-Manager angeheuert, der als Einkaufsvorstand künftig eine wichtige Rolle im Konzern einnehmen könnte", so der Branchenexperte vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach.

Sommer soll in Wolfsburg die Verantwortung für Beschaffung und die Komponentenwerke übernehmen. Er folgt auf den langjährigen VW-Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz, der Volkswagen im April auf eigenen Wunsch verlassen hatte. Branchenexperten zufolge soll Sommer mehr Macht als sein Vorgänger bekommen.

Sparte Beschaffung beschäftig 80.000 Menschen

So machte die Bezeichnung "Super-Ressort" für den Aufgabenbereich für Sommer in Branchenkreisen die Runde. Zu der Sparte Komponentenwerke zählen weltweit 56 Fabriken etwa für Getriebe, Motoren und Fahrwerkelemente mit rund 80.000 Beschäftigten.

Ziel der eigens geschaffenen Sparte ist es früheren Angaben zufolge, das interne Geschäft mit Bauteilen, die auch in Modellen von VW-Töchtern Verwendung finden, auch mit Blick auf die E-Mobilität effizienter zu machen. Ein Verkauf oder Börsengang sind nicht geplant.

Ob Sommer den Job anders interpretieren wird als sein Vorgänger?

In der Sparte Beschaffung muss sich Sommer allerdings auch mit dem weiter schwelenden Konflikt zwischen dem Wolfsburger Konzern und der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor mit deren Zuliefergruppe Prevent herumschlagen.

Francisco Javier Garcia Sanz war von 2001 bis 2018 Vorstandsmitglied der Volkswagen AG für den Geschäftsbereich Beschaffung. Er galt als Ziehsohn des spanischen VW-Managers José Ignacio López de Arriortúa, der als Kostenkiller (Spitzname „der Würger von Wolfsburg“), in die Unternehmensgeschichte einging. Experten gehen davon aus, dass Sommer seinen Job anders interpretieren wird.

Zeit des Kostensenkens vorbei

"Sanz hat recht eindimensional den Fokus auf Kostensenkungen gelegt. Sommer wird den Fokus eher Richtung Innovationen verschieben", glaubt Dudenhöffer. Auch Bratzel glaubt, dass die Zeit des Kostensenkens um jeden Preis vorbei sei. "Sommer muss der schwierige Spagat gelingen, einerseits niedrige Preise mit den Lieferanten auszuhandeln und andererseits auch hohe Qualität der Teile und Innovationen sicherzustellen", sagte er.