Es dürfte das größte Infrastrukturprojekt Chinas sein: Mit der "neuen Seidenstraße" will sich die Volkswirtschaft stärker an Europa binden. Doch seit dem Start des Projekts im Jahr 2013 gibt es immer wieder Kritik an der Initiative. Nun schlägt ein internationales Forscherteam Alarm: Eine "neue Seidenstraße" könnte in einigen Weltregionen Ökosysteme schädigen. So warnen die Forscher vor den Risiken durch die Einschleppung gebietsfremder Arten. Die Gefahren für einheimische Spezies und ihre Vielfalt durch den Ausbau der Infrastruktur für Wirtschaftskorridore seien beträchtlich.

Die Forscher, darunter auch Experten von Chinas Akademie der Wissenschaften, fordern einen besseren Artenschutz und einen Sonderfonds, um die Biodiversität bei der auch "Belt and Road" genannten Initiative (BRI) sicherzustellen. "Wir schlagen die Einführung eines Projekts vor, das auf frühe Vorbeugung, schnelle Reaktion und wirksame Kontrolle fremder Arten in BRI-Ländern abzielt, um sicherzustellen, dass die Entwicklung nachhaltig ist", schreiben sie im Fachmagazin "Current Biology".

Handel beschleunigt Invasion

Schätzungsweise 15 Prozent der Gebiete in den Ländern, die unter die Initiative fallen, zeigten ein hohes Gesamtrisiko, dass neue Wirbeltiere eingeschleppt werden, wenn Menschen und Fracht transportiert werden, warnen die Forscher. In mehr als zwei Drittel der Länder sei es sehr wahrscheinlich, dass sich eingeschleppte Arten zuhause fühlen.

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Der massive Ausbau der Infrastruktur und der größere Handel und Transport entlang der "neuen Seidenstraße" dürften die Invasion fremder Arten beschleunigen, die als eine der größten Bedrohungen für die Biodiversität durch Menschenhand gilt, heißt es in der Studie.

Forscher finden 14 Brennpunkte

Um die Gefahren einzuschätzen, identifizierten die Forscher weltweit 14 sogenannte Invasions-Brennpunkte, wo Einschleppung und Ansiedlung von Arten besonders leicht seien. Viele lägen entlang der vorgeschlagenen Wirtschaftskorridore der "neuen Seidenstraße".

Die Forscher fordern eine strengere Aufsicht über fremde Tiere und Pflanzen, einschließlich eingeführter Güter, Fahrzeuge und Ausrüstung in Flughäfen und Seehäfen und entlang anderer Transportwege. Da viele BRI-Länder nur bedingt Geldmittel zur Verfügung hätten, könne ein Sonderfonds helfen, um die Maßnahmen zu unterstützen.

Bild: Holger Hollemann (dpa)

Chinas "neue Seidenstraße" ist sehr umstritten. Viele ärmere Länder erhoffen sich Investitionen und den Ausbau ihrer Infrastruktur mit chinesischer Finanzhilfe. Doch viele überschulden sich auch und müssen China den Betrieb und die Einnahmen aus den Projekten überlassen. Sri Lanka und die Malediven sind hier zwei Beispiele. Ein Umdenken hat begonnen – etwa in Pakistan und Malaysia. So hat der neue malaysische Ministerpräsident Mahathir Mohamad von der Vorgängerregierung mit chinesischer Hilfe initiierte Milliardenprojekte gestoppt, weil er eine Überschuldung fürchtete.

Die Infrastrukturvorhaben stoßen auch auf Widerstand, weil China meist eigene Unternehmen beauftragt und selbst Arbeiter schickt. Die Initiative zielt auf Dutzende Länder in Asien, Afrika und Europa, besonders im Osten. Häufig wird auch kritisiert, dass China so seinen Einfluss ausbauen will. Nach 2017 ist im April ein zweiter Gipfel zur "Seidenstraße" geplant, zu dem Staats- und Parteichef Xi Jinping ranghohe Politiker nach Peking eingeladen hat.