Eine neue Abzock-Masche bei Mobilfunkverträgen hat in den vergangenen Monaten zehntausende Kunden viel Geld gekostet. Ein Überblick:

1. Was ist das Problem?

Viele Zehntausend Mobilfunkkunden zahlen viel mehr Geld als sie müssten. Etwa 14,97 Euro für Downloads aufs Smartphone, 9,99 für ein Klingelton-Abo, 4,99 für „Nutzung Sonderdienste“. Die Abkassier-Masche ist seit Sommer wieder aufgeflammt. Allein in Vodafone-Netzen wurden zuletzt etwa 41 000 Kunden Geld abgeknöpft, obwohl sie gar nichts bestellt hatten, wie Theo Pischke, Experte von Stiftung Warentest in Berlin betont. Was hilft, ist eine simple Drittanbietersperre.

2. Wie werden Kunden reingelegt?

Die Masche läuft immer gleich ab: Unseriöse Anbieter manipulieren bunte Werbebanner oder interessant aufgemachte Fotostrecken, um Smartphone-Kunden teure Abos und Bestellungen unterzujubeln. Wischen Nutzer arglos über die blinkenden Seiten oder klicken drauf, kommen sie in der Regel mit einem verdeckten Anmelde-Button in Kontakt – und schon haben sie ein ungewolltes Klingelton-Abo für 4,99 Euro am Hals, Spiele, Apps, Videos, bewegliche Smileys heruntergeladen oder nutzlose Premium-SMS-Dienste aktiviert. Nur wer die Abrechnung kontrolliert, merkt, dass er plötzlich Geld für „Sonderdienste“ abgebucht bekommt. Oft steht nicht einmal dabei, wofür 5 oder 10 Euro fällig werden, pro Woche. Die Beschwerden über systematische Abzocke hätten sich in den vergangenen Monaten massiv gehäuft, betont Pischke. Beim Surfen im WLan funktioniert die Abkassier-Masche nicht, nur übers Handynetz.

3. Warum können Fremde abbuchen?

Auf dem Smartphone ist die Bezahl­funk­tion für Dritt­anbieter in der Regel automatisch voreinge­stellt. Wer zum Beispiel ein Park­ticket oder einen Fahr­schein für den öffent­lichen Nahverkehr kauft, kann den Betrag über die monatliche Handyrechnung abbuchen lassen. Die Chance, Leistungen über den Mobilfunkanbieter abzurechnen, machen sich aber auch Gauner zunutze. Über die verdeckten Abo- und Bestell-Fallen kassieren sie als Drittanbieter auf diese Weise dreist ab. Das kann Kunden in fast allen Netzen treffen, ob Vodafone, Telekom, Telefonica und andere, so Pischke.

4. Was sagt das Gesetz?

Eigentlich dürfte es die Abo-Fallen gar nicht mehr geben. Seit August 2012 ist die sogenannte Buttonlösung EU-weit in Kraft. Firmen müssen ihre Seiten so gestalten, dass der Verbraucher eine Bestellung ausdrücklich bestätigt. Ein Button mit der Aufschrift „zahlungspflichtig bestellen“ oder „kaufen“ muss klar sichtbar sein. Nur dann kommt auch ein wirksamer Vertrag zustande, wie Michele Scherer betont, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Brandenburg. Doch das Gesetz wird unterlaufen.

Vorsicht bei der Handy-Nutzung.
Vorsicht bei der Handy-Nutzung. | Bild: dpa

5. Wie kommt man aus der Abo-Falle raus?

Ein ungewolltes Abo gehört sofort gestoppt. Doch das ist gar nicht so einfach. Der Mobilfunkanbieter wird verärgerte Kunden, die sich beschweren, auf den Drittanbieter verweisen. Dieser kann sich allerdings hinter einer Abrechnungsfirma verstecken. Aber: Auf der Handyrechnung muss ein Kontakt angegeben sein. Dahin sollte die schriftliche Kündigung geschickt werden, am besten per Einschreiben. Ein Musterbrief der Verbraucherzentralen hilft, die Kündigung juristisch einwandfrei zu formulieren.

6. Wie kriege ich mein Geld zurück?

Wer reingefallen ist, muss sich selbst kümmern. Aber Vorsicht: „Bitte nicht die ganze Lastschrift zurückgeben, das verursacht nur neue Probleme“, warnt Scherer. Ihr Rat: Schriftlich beim Drittanbieter den unberechtigten Posten reklamieren und den Betrag zurückverlangen. Um auf Nummer sicher zu gehen, ist es zudem wichtig, zugleich die Mobilfunkfirma anzuschreiben und den strittigen Betrag zurückzufordern.

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7. Wie kann ich mich schützen?

Eine simple Drittanbietersperre im Handy sorgt für guten Schutz. Die Sperre lässt sich einfach aktivieren. Entweder per Mausklick im Kundenbereich auf der Anbieter-Webseite. Oder mit einem Anruf, per E-Mail und Fax. Mobiles Bezahlen im Laden bleibt weiter möglich.