Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé tritt auf die Kostenbremse. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, will der größte Nahrungsmittelhersteller der Welt die Ausgaben für Verwaltung und Personal deutlich senken. Von den Sparplänen ist auch das zum Nestlé-Konzern gehörende Maggi-Werk in Singen betroffen.

Wie Martin Ruepp, Leiter des größten Maggi-Werks in Deutschland, dem SÜDKURIER bestätigte, sollen in Singen 7 Millionen Euro eingespart werden. 3 Millionen Euro sollen bei den sogenannten Strukturkosten gekürzt werden, 4 Millionen Euro beim Personal. "Die Personalkosten müssen gesenkt werden, wozu auch die Absenkung des Personalbestands zählt", sagt Ruepp.

Kosten und Spardruck ist immens 

Aktuell beschäftigt Maggi in Singen 750 Mitarbeiter. Durch die natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und andere sozialverträgliche Lösungen wie Freiwilligenprogramme soll die Mitarbeiterzahl reduziert werden. "Betriebsbedingte Kündigungen sind im Werk Singen bisher nicht geplant. Gleichwohl ist der Kosten- und Spardruck immens", sagt Ruepp.

Die Arbeitnehmer wollen indes die geplanten Kürzungen nicht widerstandslos hinnehmen. Man habe bereits in den letzten Jahren viel geblutet, sagt Alfred Gruber, Vorsitzender des Betriebsrats des Singener Maggi-Werks. So sei die Zahl der Mitarbeiter in der Vergangenheit schon deutlich gesunken. Aufgrund der Werksgröße könne man die Mitarbeiterzahl nicht beliebig nach unten fahren. "Wir Arbeitnehmer brauchen eine klare Perspektive", so Gruber.

Was die Gewerkschaft sagt 

Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) protestiert. "Wir werden nicht zulassen, dass sich die Aktionäre die Taschen füllen und die Mitarbeiter dies bezahlen", sagt Uwe Hildebrandt, Landesbezirksvorsitzender der NGG. Man werde Nullrunden beim Lohn nicht akzeptieren und notfalls in den Streik ziehen, so Hildebrandt. Aktuelle laufen bei Maggi Verhandlungen über die Tariflöhne – bisher ergebnislos.

Martin Ruepp sieht jedoch wenig Verhandlungsspielraum. "Die Sparpläne sind so von der Zentrale vorgegeben", sagt er. Der Markt für Trockenprodukte wie Tütensuppen oder Fertiggerichte wie Dosenravioli sei aufgrund veränderter Konsumgewohnheiten generell geschrumpft und man müsse darauf reagieren. "Die Restrukturierung und die Einsparungen sind zwingend notwendig, es sei denn man würde Verlagerungen von weiteren Produktgruppen aufgrund unseres Wettbewerbsnachteils in Kauf nehmen.

Dieses wollen wir mit unseren geplanten Maßnahmen möglichst verhindern und damit zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und zur Sicherung der Arbeitsplätze beitragen", sagt er.

Die Verlagerung der Klößchen-Produktion, die einen Menge von 180 Tonnen pro Jahr umfasst, von Singen in das Nestlé-Werk in Prievidza (Slowakei) sei bereits geplant.

Der Nestlé-Konzern und seine Sparpläne

  • Der Nestlé-Konzern: Nestlé ist mit weltweit 323 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von fast 90 Milliarden Schweizer Franken (76 Milliarden Euro) der größte Lebensmittelkonzern der Welt. Neben Maggi gehören auch Marken wie KitKat, Nescafé, Nespresso, Perrier, Vittel und Purina (Tiernahrung) zum Nestlé-Konzern.
  • Die Sparpläne: Nestlé spart derzeit an allen Ecken und Enden – auch in Deutschland. So schloss der Konzern 2017 sein Nescafé-Werk in Mainz mit 380 Mitarbeitern. Im Maggi-Werk in Lüdinghausen, wo Maggi Soßen und Fixprodukte herstellt, sollen fast 100 der 370 Jobs gestrichen werden. Bei Nestlé in Biessenhofen (Ostallgäu) sollen über 100 Arbeitsplätze abgebaut werden. In Ludwigsburg soll das Caro-Kaffee-Werk mit gut 100 Mitarbeitern dicht gemacht werden. Und auch in der Deutschland-Zentrale von Nestlé in Frankfurt stehen viele Verwaltungsjobs auf der Kippe.
  • Druck von den Finanzmärkten: Dem Nestlé-Konzern geht es wirtschaftlich immer noch gut. So betrug der Gewinn 2017 immerhin 7,2 Milliarden Schweizer Franken (6,1 Millionen Euro). Doch das Umsatzwachstum blieb zuletzt mit 2,4 Prozent hinter den Erwartungen zurück. Großaktionäre wie Hedge-Fund-Manager Daniel Loeb üben Druck auf das Management aus, die Effizienz zu steigern. "Das Management von Nestlé bewegt sich beim Ausstieg aus wenig rentablen und nicht strategischen Geschäftsteilen zu langsam", hieß es zuletzt in einem Bericht von Loeb. Das Management müsse künftig „schärfer“, „kühner“ und „rascher“ handeln, so Loeb weiter.