Vevey/Singen – Nestlé will profitabler werden. Der Konzern, zu dem Marken wie Maggi, Nescafé, Kitkat oder Mövenpick gehören, setzt dabei vor allem auf gesunde und hochwertige Lebensmittel, die höhere Gewinnmargen versprechen. Der Verkauf von kalorienreichen Produkten, die viel Zucker, Salz und Fett enthalten, steht dagegen auf dem Prüfstand. So trennte sich Nestlé Anfang des Jahres von seiner US-Süßwarensparte, die für 2,8 Milliarden Dollar an den Nutella-Hersteller Ferrero geht. Im Gegenzug kaufte Nestlé für 2,3 Milliarden Dollar die kanadische Firma Atrium, die vitamin- und proteinreiche Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Auch der Kauf der Firma Terrafertil aus Ecuador, den Nestlé vor einer Woche bekannt gab, passt in dieses Bild. Denn Terrafertil ist ein Spezialist für den Verkauf von Nüssen, Beeren oder pflanzlichen Getränken.

Bei seinem Umbau des Konzerns kommt Nestlé-Chef Mark Schneider, der vor gut einem Jahr vom deutschen Gesundheitsunternehmen Fresenius in die Nestlé-Konzernzentrale nach Vevey am Genfersee wechselte, nur langsam voran. Wie der Konzern gestern mitteilte, wuchs der organische Umsatz im Jahr 2017 nur um 2,4 Prozent. „Unser organisches Wachstum im Jahr 2017 lag unter unseren Erwartungen. Die Umsatzsteigerung in Europa und Asien war erfreulich, doch das Handelsumfeld in Nordamerika und Brasilien blieb weiterhin herausfordernd", sagte der 52-jährige Manager. Für das laufende Jahr verprach der promovierte Wirtschaftswissenschaftler den Investoren jedoch einen Aufwärtstrend. "Wir erwarten für 2018 eine Verbesserung des organischen Wachstums und sind auf Kurs, unser Margenziel bis 2020 zu erreichen.“ Konkret rechnet der Konzern für dieses Jahr mit einem Umsatzwachstum zwischen 2 und 4 Prozent.

Nestlé, mit 800 Mitarbeitern in seinem Maggi-Werk in Singen einer der größten Arbeitgeber im Hegau, macht den Großteil seines Umsatzes (20,4 Milliarden Franken) mit Getränken in flüssiger Form oder in Pulverform wie Nescafé, Nespresso oder Nesquik. Auch das Geschäft mit Wasser – unter anderem gehören Nestlé die Marken Perrier und San Pellegrino – ist mit 7,4 Milliarden Franken ein wichtiger Umsatzbringer. Fertiggerichte und Küchenprodukte wie beispielsweise Ravioli von Maggi oder die Maggi-Würze tragen knapp 12 Milliarden Franken zum Erlös bei. Auch wenn das Geschäft mit Süßwaren, Fertiggerichten und Eis schwächelt, glaubt Schneider nicht, dass diese ein Auslaufmodell sind. "Wir werden auch in fünzig Jahren noch Pizza und Schokolade essen", sagte er. Beim Essen gehe es auch um Genuss. Allerdings sei es sein Ziel, den Nährstoffgehalt dieser Produkte zu verbessern, ohne dass der Geschmack darunter leide.

So laufen die Geschäfte von Nestlé

  • Umsatz: Der Erlös von Nestlé betrug 2017 knapp 89,8 Milliarden Schweizer Franken. Das entspricht zum heutigen Wechselkurs 77,7 Milliarden Euro. Damit bleibt Nestlé die Nummer eins der Nahrungsmittelindustrie vor Firmen wie Unilever, Mondelez oder Pepsico.
  • Gewinn: Der Reingewinn von Nestlé ging deutlich um 15,8 Prozent auf 7,2 Milliarden Schweizer Franken (6,2 Milliarden Euro) zurück. "Der Rückgang ist in erster Linie auf eine außerordentliche Wertminderung bei Nestlé Skin Health zurückzuführen, welche die momentanen Geschäftsaussichten des Unternehmens widerspiegelt", teilt Nestlé mit.
  • Regionen: Der wichtigste Markt für Nestlé bleibt mit einem Umsatz von 28,5 Milliarden Franken Nord- und Südamerika. Allerdings war in dieser Region das Umsatzwachstum mit weniger als einem Prozent unterdurchschnittlich. In der Zone Europa, Naher Osten und Nordafrika verzeichnete Nestlé einen Umsatz von 16,5 Milliarden Franken und ein Umsatzwachstum von 2,3 Prozent. Besser lief es in Asien, Ozeanien und Subsahara-Afrika, wo Nestlé seinen Umsatz um 4,7 Prozent auf 16,2 Milliarden Franken steigern konnte.
  • Mitarbeiter: Nestlé beschäftigt weltweit 323 000 Mitarbeiter. In Deutschland arbeiten davon gut 12 500. Zu den größten Nestlé-Standorten in Deutschland zählt das Maggi-Werk in Singen mit 800 Mitarbeitern.
  • Dividende: Nestlé kündigte an, in diesem Jahr die Dividende um fünf Rappen auf 2,35 Franken je Aktie zu erhöhen. Das ist die 22. Dividendenerhöhung in Folge. Auch deshalb zählt die Nestlé-Aktie zusammen mit dem Apple-Papier zu den beliebtesten Auslandsaktien der deutschen Anleger.
  • Aktie: Das bescheidene Umsatzwachstum von Nestlé kam an der Börse nicht gut an. Die Aktie knickte um über zwei Prozent ein.

Thomas Domjahn