Friedrichshafen – Kehrt jetzt wieder Normalität bei ZF ein? Trotz der Querelen um den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Stefan Sommer, der im Dezember auf Druck der Zeppelin-Stiftung zurückgetreten war, hat das Unternehmen im vergangenen Jahr ein wirtschaftliches Ergebnis erwirtschaftet, das sich sehen lassen kann: Sowohl der Umsatz als auch der Gewinn konnten abermals gesteigert werden. 

Am liebsten möchte ZF den Streit zwischen dem Management und den Eigentümern, der bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte, so schnell wie möglich vergessen machen und nur noch über neue Technologien und sprudelnde Einnahmen reden. Demzufolge versuchte der neue ZF-Chef Wolf-Henning Scheider bei der Bilanzpressekonferenz des Autozulieferers in Friedrichshafen vor allem eine zukunftsgerichtete Botschaft unters Volk zu bringen: „Die mobile Welt dreht sich mit hoher Geschwindigkeit. Um unseren Kunden auch weiterhin zukunftsweisende Lösungen in allen Feldern zu bieten, werden wir unsere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung weiter erhöhen“, sagte Scheider. Schon 2017 waren die Ausgaben in diesem Bereich um 15 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gestiegen.

Scheider setzt auf Stiftungsmodell

Am Stiftungsmodell, das zuletzt in Verruf geraten war, will Scheider nicht rütteln. "Das Stiftungsmodell bietet alle Freiheitsgrade, um ZF weiterzuentwickeln", sagte er. So stehe man dank des Stiftungsmodells nicht in allen Geschäftsfeldern unter dem Druck des Kapitalmarktes. Zudem verbleibe der Großteil der Gewinne für Investitionen und Zukäufe im Unternehmen.

Hohe Gewinne dank Donald Trump

Und diese sprudeln bei ZF derzeit kräftig. Von 36,4 Milliarden Euro Umsatz blieben dem Unternehmen nach Steuern fast 1,2 Milliarden Euro Gewinn. Den Umsatz konnte ZF um 3,6 Prozent steigern, den Gewinn (Ebit) sogar um 4,5 Prozent. Beim Ergebnis nach Steuern profitierte ZF von der Steuerreform von US-Präsident Donald Trump. "Das ist allerdings nur ein Einmaleffekt", erklärte ZF-Finanzchef Konstantin Sauer, der nach dem Rücktritt von Stefan Sommer übergangsweise auch den Posten des Vorstandsvorsitzenden übernommen hatte und seit dem Amtsantritt von Wolf-Henning Scheider wieder ins zweite Glied rückte.

ZF erwägt weitere Zukäufe

Fortschritte macht ZF auch bei der Entschuldung. So sei die Hälfte der Schulden, die aufgenommen wurden, um den Zukauf des amerikanischen Konkurrenten TRW zu stemmen, bereits getilgt. Diese positive finanzielle Entwicklung wirft die Frage nach weiteren Zukäufen auf. Laut Finanzchef Sauer sei der finanzielle Spielraum für weitere Übernahmen vorhanden. Auch Scheider sprach von "weißen Flecken", die er beseitigen wolle. "Wir können jederzeit neue Technologien akquirieren, wenn wir Unternehmen identifizieren, die uns voranbringen", sagte er.

Ein weißer Fleck, so Scheider, seien Bremsen für Nutzfahrzeuge. Aber er wolle nicht um jeden Preis zukaufen. "Notfalls machen wir es ohne Bremse", so Scheider. Auch das Industriegeschäft biete unter Umständen Chancen für ZF, das heute 90 Prozent seiner Umsätze im Fahrzeuggeschäft erwirtschaftet. Ein Ausbau des Industriegeschäfts, zu dem beispielsweise die Windkrafttechnik gehört, würde ZF unabhängiger vom Automarkt machen.

Für das laufende Jahr erwartet ZF ein um Zu- und Verkäufe bereinigtes Umsatzwachstum von fünf Prozent. Mittelfristig will ZF vor allem mit Komponenten für Elektroantriebe und einer Weiterentwicklung seiner Technologien zum autonomen Fahren punkten.

ZF und seine Mitarbeiter

ZF beschäftigte zum Jahresende 2017 weltweit über 146 000 Mitarbeiter. Das ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, als knapp 137 000 Beschäftigte bei ZF unter Vertrag standen. "Zusätzliche Stellen entstanden vor allem innerhalb der Divisionen Aktive & Passive Sicherheitstechnik, E-Mobility, Pkw-Fahrwerktechnik und Pkw-Antriebstechnik", teilte ZF mit. In Deutschland hat ZF gut 50 000 Mitarbeiter, davon etwa 8700 am Hauptsitz in Friedrichshafen. (td)

 

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