Auf Liebhaber von Kartoffeln kommen harte Zeiten zu: Als Folge dramatischer Ernteeinbrüche drohen bei den Preisen Steigerungen von bis zu 30 Prozent. „Wir erwarten eine der kleinsten Kartoffelernten, die wir jemals in Deutschland hatten“, sagte Martin Umhau von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Das Aufsichtsratsmitglied des Agrarverbands verweist auf Prognosen, wonach die deutsche Kartoffelernte dieses Jahr wegen der Dürre nur zwischen 8,5 Millionen und 10 Millionen Tonnen betragen könnte – im Vorjahr hatte sie noch bei 11,7 Millionen Tonnen gelegen.

Auch Schalenprobleme

Auf der diesjährigen Kartoffelfachmesse PotatoEurope 2018 ist bereits von einer historisch niedrigen Ernte die Rede. „Wir müssen die Verbraucher darauf vorbereiten, dass die Kartoffel nicht nur knapper und teurer, sondern auch nicht so schön wie in den vergangenen Jahren sein wird“, sagt Jörg Eggers von der Europlant Pflanzenzucht mit Hinweis auf Schalenprobleme.

Betroffen sind auch die Produzenten von Öko-Kartoffeln, die bundesweit einen Anteil von 5 Prozent haben. „Ohne Beregnung hätten wir dieses Jahr nichts geerntet“, sagt René Döbelt, Vizepräsident der DLG und selbst Öko-Kartoffelbauer. Knappes Gut bedeutet höhere Preise – deshalb geht die Branche auch hier im Vergleich zum Vorjahr von Preissteigerungen um die 30 Prozent aus.

Pommes könnten durch die Ernteeinbußen teurer werden – und kürzer. Knollen in Übergröße sind derzeit Mangelware.
Pommes könnten durch die Ernteeinbußen teurer werden – und kürzer. Knollen in Übergröße sind derzeit Mangelware. | Bild: Ina Fassbender/dpa

Dabei betreffen die Preissteigerungen nicht nur die Kartoffeln an sich, auch Produkte, die aus Kartoffeln hergestellt werden, dürften nach Angaben von Horst-Peter Karos, Geschäftsführer des Bundesverbands der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK), teurer werden. So werden Pommes-Frites normalerweise aus Knollen mit Übergröße produziert. Diese fehlen dieses Jahr aber auf den Feldern. „Die Produkte werden deshalb teurer“, sagt Horst-Peter Karos. Um die Nachfrage der Kunden zu bedienen, werden die Hersteller bei der Produktion von Pommes frites auf kleinere Kartoffeln zurückgreifen müssen. Weil auch die europäischen Nachbarländer, Belgien und die Niederlande etwa, von der Trockenheit betroffen waren, könne der Engpass auch nicht durch Einfuhren aufgefangen werden. Importe aus Nicht-EU-Ländern seien zum Schutz vor Kartoffelkrankheiten nur sehr eingeschränkt möglich.

Chips werden aus stärkehaltigen Kartoffel-sorten wie Diana oder Sorentina hergestellt. Auch sie werden teurer.
Chips werden aus stärkehaltigen Kartoffel-sorten wie Diana oder Sorentina hergestellt. Auch sie werden teurer. | Bild: Daniel Karmann/dpa

Teurer und eventuell auch begrenzter verfügbar – darauf müssen sich laut Horst-Peter Karos nicht nur Pommes-Liebhaber einstellen. „Die Probleme betreffen alle verarbeiteten Produkte“, so der BOGK-Geschäftsführer. Auch bei Knödelteig, Schupfnudeln, Gnocchi und Chips seien Preissteigerungen und Produktengpässe denkbar. Das liege daran, dass durch die Trockenheit alle Kartoffelsorten gelitten hätten. Wie die Erntebilanz sich konkret auswirken werde, darüber wagt Horst-Peter Karos derzeit noch keine Prognose, zu unterschiedlich seien die Auswirkungen der Trockenheit von Region zu Region.