Radolfzell – Nach der Übernahme durch den Bielefelder IT-Komplettdienstleister Itelligence will die Radolfzeller Softwareschmiede Sybit an ihrem Kurs festhalten. "Für 90 Prozent unserer Mitarbeiter ändert sich vorerst durch die Übernahme nichts", erklärt Sybit-Geschäftsführer Thomas Regele. Nur in wenigen Bereichen, wie zum Beispiel dem Vertrieb, werde es zu einer direkten Zusammenarbeit mit Itelligence kommen. Alle anderen Mitarbeiter würden zunächst wenig von der Übernahme mitbekommen.

Itelligence hat bereits 60 Prozent der Sybit-Anteile gekauft. In den kommenden vier Jahren will das Unternehmen jeweils 10 Prozent der Sybit-Anteile nachkaufen, so dass nach Ablauf der vier Jahre das Radolfzeller Unternehmen komplett Itelligence gehören wird. "Diese Übergangsphase war für uns eine Bedingung, um uns eigenständig auf die vollständige Übernahme vorbereiten zu können", sagt Regele. Eine weitere Bedingung sei eine Standortgarantie für den Sybit-Hauptsitz in Radolfzell sowie die Niederlassungen in Frankfurt, Hannover und Tägerwilen (Schweiz) gewesen.

Es sei nicht geplant Personal, abzubauen oder zu verlagern. "Im Gegenteil, wir wollen Personal aufbauen", sagt Regele. Aktuell hat Sybit 180 Mitarbeiter, davon 150 in Radolfzell. Zum Jahresende sollen es insgesamt schon 200 sein. Gerade aufgrund des Fachkräftemangels brauche Itelligence jeden Mitarbeiter. Auch die Büroflächen in der Radolfzeller Innenstadt sollen vergrößert werden. Einzig der Markenname Sybit könnte gegebenenfalls von Markt verschwinden, wenn sich Itelligence die Sybit-Anteile vollständig gesichert hat.

Wie Regele berichtet, habe es in den letzten Jahren zahlreiche Übernahmeangebote für Sybit gegeben. Den jetzigen Übernahmezeitpunkt hält er für optimal, weil der 53-jährige Geschäftsführer nun noch die Kraft habe, die Übernahme mit einem hohen Engagement und aus einer Position der Stärke heraus zu gestalten. Mit 60 Jahren wäre ihm dies schwerer gefallen, gibt er zu.

Unabhängig von der Übernahme möchte Sybit seinen Wachstumskurs fortsetzen. In diesem Jahr peilt das Unternehmen einen Umsatz von 23 Millionen Euro an. "Das erste Halbjahr ist sehr gut gelaufen", sagt Regele. Seit der Unternehmensgründung sei der Umsatz im Durchschnitt um 15 Prozent pro Jahr gewachsen.

Dank der Digitalisierung der Produktion in vielen Unternehmen, oft unter dem Schlagwort Industrie 4.0 zusammengefasst, gewinne Sybit immer mehr Kunden – so viele, dass das Unternehmen sogar Aufträge ablehnen muss. "Der limitierende Faktor sind die Arbeitskräfte", so Regele. Der Arbeitsmarkt für Informatiker sei leergefegt. Deshalb sucht Sybit neue Arbeitskräfte nicht nur in der Bodenseeregion, sondern auch darüber hinaus. Als Anreiz bietet Sybit seinen Mitarbeitern an, auch von zu Hause aus arbeiten zu können. "Diese Arbeitsform werden wir ausweiten, denn in unserer Branche ist es nicht mehr so wichtig, jeden Tag ins Büro zu kommen", sagt Regele.

Während so das Arbeiten flexibler wird, steigen auf der anderen Seite die Anforderungen an Informatiker. "Ein moderner IT-Berater muss mehr als nur sein Fach beherrschen. Heutzutage ist vernetztes Denken mehr denn je gefragt", sagt Regele. Gerade bei der IT-Beratung sei es immer wichtiger, sich in den Kunden hineinzuversetzen. "Es geht nicht nur um die Technik, sondern vor allem um die richtigen Prozesse", erklärt er. Die IT sei nur die halbe Miete. Deshalb arbeite das Unternehmen vermehrt mit fachlich gemischten Projektteams, um Aufträge nicht nur in ihrer technischen Dimension zu sehen.

Gerade im Zuge der Übernahme durch Itelligence werde diese Eigenschaft noch wichtiger. Denn während Sybit sich ausschließlich um das Kundenbeziehungsmanagement (CRM) und E-Commerce Lösungen auf SAP-Basis kümmert, bietet Itelligence die ganze Palette des SAP-Portfolios für Unternehmen an. Dadurch werde es künftig unter dem Dach von Itelligence bei Sybit deutlich mehr Schnittstellen von CRM und E-Commerce zu anderen Unternehmensbereichen wie dem Controlling oder der Produktion geben. "Wir haben künftig die Möglichkeit, noch mehr nach rechts und nach links zu schauen", so Regele.