Das hat gesessen: Gleich zweimal ist der wichtigste amerikanische Aktienindex Dow Jones in der vergangenen Woche um über vier Prozent eingebrochen. Nachdem der Dow Ende Januar einen Höchststand von über 26 600 Punkten erreicht hatte, fiel er bis auf 23 860 Punkte zurück. Auch gestern eröffnete der Index erneut im Minus. Der deutsche Aktienindex Dax musste zuletzt ebenfalls reichlich Federn lassen. Seinem Höchststand von fast 13 500 Punkten hinkt er aktuell über 1000 Punkte hinterher. Auch wenn es keinen objektiven ökonomischen Grund gibt, hat die Nervosität an der Wall Street den deutschen Leitindex in Mitleidenschaft gezogen. Die alte Börsenweisheit „Wenn die Wall Street hustet, bekommt der Dax einen Schnupfen“ hat sich einmal mehr bewahrheitet. An den Börsenplätzen in London, Tokio und Hong Kong ging es ebenfalls steil bergab.

Droht uns also eine Baisse an den Aktienmärkten? Und sollten Privatanleger deshalb schleunigst Reißaus nehmen und ihre Aktienbestände verkaufen? Die Antwort lässt sich kurz und knapp in vier Buchstaben fassen: nein. Und dafür gibt es mindestens zwei Gründe.

Zum einen macht ein Blick auf die Entwicklung des Dax und Dow deutlich, dass die Kurseinbrüche, auch wenn sie heftig waren, die langfristigen Erträge nicht schmelzen lassen. Wer vor einem Jahr in den Dow investiert hat, liegt immer noch über 20 Prozent im Plus. Beim Dax liegt die Rendite binnen Jahresfrist immerhin noch bei 3,5 Prozent, was bei Tagesgeldzinsen von 0,1 Prozent immer noch ein an­sehn­licher Zuwachs ist. In einer Fünf-Jahres-Perspektive stieg der Dax sogar um 58 Prozent. Gerade beim Dow, der getrieben von hoch bewerteten Aktien aus dem Technologiebereich wie Apple oder Microsoft zuletzt ein Rekordhoch nach dem anderem erklommen hatte, war eine Korrektur dringend nötig. Zum zweiten lohnt es sich, die Ursachen für den Kurseinbruch in den USA genauer anzuschauen. Auslöser für den Crash war die Prognose, dass die Löhne auf der anderen Seite des Atlantiks schneller steigen könnten als erwartet. Dies könnte eine Inflation auslösen, so die Logik der Anleger, was wiederum die amerikanische Notenbank Fed dazu zwingend könnte, die Leitzinsen schneller als bisher geplant zu erhöhen. Und steigende Zinsen sind Gift für die Börse. Sie machen Aktien im Vergleich zu Anleihen weniger attraktiv und erschweren den Unternehmen, an günstiges Fremdkapital zu kommen.

Übertriebene Ängste

Diese Befürchtungen scheinen jedoch bei nüchterner Betrachtung übertrieben. Die steigenden Löhne sind in erster Linie ein Zeichen dafür, dass die Wirtschaft rund läuft und die Finanzkrise endgültig überwunden ist. Dass sich auch die Zinsen eines Tages wieder normaliseren werden, war zu erwarten und ist sogar wünschenswert. Denn die Politik des billigen Geldes verzerrt die Märkte und birgt die Gefahr, dass zum Beispiel auf dem Immobilienmarkt Blasen entstehen.

Ruckartig werden jedoch weder die Fed noch die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen hochschrauben. EZB-Präsident Mario Draghi denkt derzeit gar nicht an eine Zinserhöhung. Frühestens wenn die EZB ihr Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen, im Fachjargon quantitative Lockerung genannt, im September auslaufen lässt, kommt das Thema Zinserhöhung wieder auf die Tagesordnung. Die USA hat zwar zuletzt den Leitzins mehrfach erhöht, allerdings nur behutsam und in sehr kleinen Schritten. Der neue Fed-Chef Jerome Powell wird diese besonnene Geldpolitik seiner Vorgängerin Janet Yellen fortsetzen.

Für Anleger bedeutet dies, dass es keinen Grund zur Panik gibt. Auch bei leicht steigenden Zinsen lohnt es sich, in Aktien zu investieren. Allein Jahr für Jahr Dividenden von durchschnittlich drei Prozent einstreichen zu können, spricht unabhängig von der Kursentwicklung für diese Anlageform. Die gefallenen Kurse können sogar eine Einstiegsoption sein. Denn die Chancen auf eine baldige Erholung stehen gut.